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Abb. 1: BU: Muttermilch ist auch aufgrund des breiten Spektrums an positiven Bakterien die beste Nahrung für den Säugling
 
Kinder- und Jugendheilkunde 11. September 2014

Neues zur Muttermilch-Mikrobiota

Über das Vorkommen von Laktobazillen und Bifidobakterien – bei gesunden Stillenden und nach Antibiotikatherapie.

Die Annahme, Muttermilch sei eine sterile Flüssigkeit, ist mittlerweile widerlegt. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass Muttermilch eine wichtige Quelle von kommensalen Bakterien für den Säugling darstellt, die den kindlichen Darm besiedeln. Eine neue Studie gibt Hinweise darauf, dass Laktobazillen deutlich häufiger in der Muttermilch deutscher und österreichischer Mütter vorkommen, als Bifidobakterien. Die Gabe von Antibiotika in Schwangerschaft und/oder Stillzeit reduziert diese positiven Muttermilch-Bakterien. 

Die Darm-Mikrobiota spielt für den Säugling eine wichtige Rolle in der Unterstützung des noch unreifen, kindlichen Immunsystems und trägt zum Schutz vor Infektionen maßgeblich bei. Man geht heute davon aus, dass die Bakterien in der Muttermilch zumindest zum Teil aus der Darmflora der Mutter stammen und über einen endogenen Transfer in die Muttermilch gelangen. Von den Bakterien in der Muttermilch werden Laktobazillen und Bifidobakterien als besonders bedeutsam für den Säugling angesehen. Laktobazillen haben eine Art „Pionierfunktion“, da sie zu den Erstbesiedlern zählen und für nachfolgende Keime ein günstiges Milieu schaffen. Bifidobakterien stellen vermutlich ebenfalls eine große Bakterienpopulation im Darm.

Studie untersuchte 160 Muttermilchproben

Soto et al. 1 führten eine Studie mit 160 gesunden Frauen aus Deutschland und Österreich durch. Jeder Mutter wurde steril eine Milchprobe entnommen und unmittelbar nach der Entnahme eingefroren. Alle Mütter füllten zusätzlich einen Fragebogen aus, in dem sie über demographische Merkmale, Ernährungsweise, Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit Auskunft gaben. Alle 160 Proben wurden einer qualitativen DNA-Analyse mittels PCR unterzogen und auf DNA ausgewählter Mutter - milch-spezifischer Arten von Laktobazillen und Bifidobakterien untersucht. Studienergebnisse zeigen: Laktobazillen häufiger als Bifidobakterien, Antibiotika in Schwangerschaft und/oder Stillzeit reduzieren deren Präsenz Laktobazillen konnten in mehr als zwei Dritteln (67,5%) und Bifidobakterien in einem Viertel (25,6%) aller 160 Proben nachgewiesen werden. Bei den Laktobazillen zählte L. fermentum (25%) zu den häufigsten Vertretern, gefolgt von L. gasseri (22%) und L. reuteri (12%). Bei den Bifidobakterien kamen einzelne Arten deutlich seltener vor: B. breve (14%), B. lactis und B. longum jeweils 4%. Die Zahl an Milchproben, die entweder Laktobazillen oder Bifidobakterien enthielten, war bei den Frauen signifikant geringer, die während der Schwangerschaft oder Stillzeit Antibiotika erhalten hatten (p<0,001 für Laktobazillen bzw. p<0,05 für Bifidobakterien).

Fazit für die Praxis

Muttermilch ist auch aufgrund des breiten Spektrums an positiven Bakterien die beste Nahrung für den Säugling. Für Schwangere/Stillende nach Antibiotikagabe könnte die Gabe aus Humanmilch stammender Laktobazillen/Bifidobakterien einen attraktiven Ansatz darstellen, ein natürliches bak - terielles Ökosystem wieder herzustellen. Für nicht gestillte Kinder lässt sich die Empfehlung ableiten, eine Nahrung zu verwenden, die ein häufig in Muttermilch vorkommendes Bakterium als Probiotikum enthält. Anhand der Studie zeigt sich ein klarer Vorteil für HiPP Combiotik®, denn die in HiPP Combiotik® eingesetzte probiotische Kultur L. fermentum findet sich häufiger in der Muttermilch deutscher und österreichischer Mütter, als alle anderen derzeit in Säuglingsnahrung verwendeten probiotischen Kulturen.

Literatur: 1. Soto A et al. Lactobacilli and bifidobacteria in human breast milk: influence of antibiotherapy and other host and clinical factors. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2014 Feb 28. Epub ahead of print

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