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Bettnässen prägt das Leben

80 Prozent der betroffenen Kinder haben psychische, motorische oder neurologische Störungen.

Aktuelle Studienergebnisse lassen aufhorchen: Enuresis hat negative Auswirkungen auf Schlaf und Psyche. Die neuen Daten führen das Ausmaß der Beeinträchtigung vor Augen.

Bettnässen hat negative Auswirkungen auf die Lebensqualität der Kinder und ihrer Familien. Wie gravierend die Auswirkungen tatsächlich sind, zeigen Ergebnisse einer neuen Studie, die anlässlich der 25. Jahrestagung der European Society for Paediatric Urology (ESPU) im Mai in Innsbruck präsentiert wurden (Van Herzeele; Poster S13-3, ESPU 2014). Die Ergebnisse der Studie machen auch deutlich, wie wichtig es ist, dass Eltern medizinische Hilfe für ihr betroffenes Kind suchen und sich über die Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Auswirkungen auf schulische Leistungen und Gedächtnis

„Der Leidensdruck bettnässender Kinder und ihrer Familien steht außer Frage. Die aktuellen Studienergebnisse geben uns neue Hinweise über das Ausmaß der Beeinträchtigung“, sagt Doz. Dr. Josef Oswald, Leiter der Abteilung Kinderurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz und Vorsitzender des Arbeitskreises Kinderurologie der Österreichischen Gesellschaft für Urologie. „Es zeigt sich, dass durch eine entsprechende Therapie auch schulische Leistungen, wie Aufmerksamkeit und auditives Gedächtnis des Kindes, verbessert werden können.“

Die Ergebnisse basieren auf einer Studie mit 30 bettnässenden Kindern im Alter zwischen 6 und 16 Jahren, die vor und nach einer halbjährigen Behandlung mit Desmopressin untersucht wurden. Die Daten belegen, dass die Verbesserung der Einnäss-Symptomatik nach sechsmonatiger Behandlung mit einer signifikanten Reduktion der Schlafunterbrechungen einhergeht. Dies zeigt sich an selteneren periodischen Bewegungen der Arme und Beine je Schlafstunde (PLMS-Index, p<0,001) und einer Reduktion der kortikalen Arousals (p<0,01).

Darüber hinaus konnte auch die psychische Gesundheit der bettnässenden Kinder signifikant verbessert werden. Dabei waren sowohl die von Eltern berichteten Konzentrationsstörungen (p<0,01) signifikant verbessert, als auch Verhaltensauffälligkeiten internalisierender (p<0,05) und externalisierender (p<0,01) Art. Des Weiteren waren deutliche Verbesserungen der Lebensqualität (p<0,01), der Motorik (p<0,01) und des auditiven Gedächtnisses (p<0,01) zu beobachten. Auch positive Auswirkungen der Therapie auf die neuro-psychologische Gesundheit, wie Angstzustände und mangelndes Selbstwertgefühl, konnten bestätigt werden (Van Herzeele; Poster S13-5, ESPU 2014).

Zusätzliche Störungen bei 8 von 10 Kindern

Weitere vorgetragene Daten verdeutlichten, welche psychischen Probleme bei bettnässenden Kindern auftreten und wie diese Probleme mit spezifischen klinischen Symptomen einhergehen. 80 Prozent der bettnässenden Kinder waren von mindestens einer psychischen, motorischen oder neurologischen Störung betroffen (Van Herzeele; Poster S13-5, ESPU 2014).

Je höher die Anzahl der nassen Nächte eines Kindes, desto wahrscheinlicher war das Auftreten sozialer Probleme sowie von Angst- und Depressionszuständen. Und umgekehrt: Je kleiner die Anzahl der nassen Nächte, desto geringer war die Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls.

Dr. Karlien Dhondt, Kinderpsychiaterin am Pediatric Sleep Centre, Universitätsklinikum Gent, erklärte: „Das Alter, in dem Kinder mit der größten Wahrscheinlichkeit unter Bettnässen leiden, ist eine prägende Phase in ihrer psychischen und neurokognitiven Entwicklung. Diese Studie konnte belegen, dass die Behandlung des Bettnässens die Schlafqualität und psychische Manifestationen einer Reihe von Parametern zu verbessern vermag.“

Zweithäufigste chronische Erkrankung bei Kindern

Bis zu 16 Prozent der Kinder im Alter von fünf Jahren leiden unter nächtlichem Einnässen. Nach Allergien ist Bettnässen die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Bettnässen kann nicht nur erhebliche psychische Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien haben, es kann auch zu einer finanziellen Belastung werden.

Studiendetails

Die Daten basieren auf einer multimethodischen (Polysomnographie – Aufzeichnung der Schlafqualität, Fragebögen, klinische Befragungen und neuropsychologische Tests) Multi-Informanten (Kinder, Eltern und Lehrer wurden befragt) Studie an Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren im Rahmen einer tertiären Versorgung, bei denen monosymptomatische nächtliche Enuresis verbunden mit nächtlicher Polyurie (NP) diagnostiziert wurde. NP wurde als nächtliche Diuresis definiert, >100% Blasenvolumen. Die Patienten wurden vor einer Behandlung auf den Erfolg unterschiedlicher Maßnahmen hin untersucht. Die Untersuchungen wurden sechs Monate später wiederholt.

Quelle: Presseinformation anlässlich der 25. Jahrestagung der European Society for Paediatric Urology (ESPU), 7.– 10. Mai 2014;Innsbruck

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