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Lagerungsbedingte Kopfverformung bei Säuglingen

Kinderchirurgen raten zu speziellen Kissen.

Seit Mitte der 1990er-Jahre wird zur Verhinderung des plötzlichen Säuglingstodes empfohlen, dass Babys im ersten Lebensjahr auf dem Rücken schlafen. Seitdem hat sich die Häufigkeit des plötzlichen Säuglingstodes mehr als halbiert, lagebedingte Kopfverformungen sind jedoch häufiger geworden. Nach Schätzungen ist jedes 200. Kind betroffen.

Eltern lernen in Babykursen, dass Neugeborene als Schutz vor dem plötzlichen Kindstod nachts auf dem Rücken schlafen sollen. Allerdings verformt diese Schlafposition häufig den Hinterkopf des Neugeborenen, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Kommt es zu schweren Deformitäten, könne aus dem zunächst rein kosmetischen Problem sogar eine schmerzhafte Belastung der Halswirbelsäule oder des Kiefers werden.

Chirurgen raten deshalb, das Köpfchen auf ein Lagerungskissen zu legen, das die hintere Partie frei in der Luft schweben lässt. „Mit dieser einfachen Maßnahme lässt sich eine Kopfverformung vermeiden“, wird Prof. Dr. Joachim Jähne, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), in einer Mitteilung vorab zum 131. Chirurgenkongress in Berlin zitiert. Bemerken Eltern eine Verformung, sollten sie früh einen Spezialisten aufsuchen.

Genaue Zahlen liegen für Deformitäten nicht vor

Genaue Zahlen, wie viele Kleinkinder von einer solchen Deformität betroffen sind, liegen nicht vor. „Ich sehe aber jede Woche drei bis vier neue Fälle in meiner Sprechstunde“, so Prof. Dr. Guido Fitze, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Dresden und Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Jedes 200. Kind könnte betroffen sein, schätzt der Kinderchirurgie.

Um dies zu verhindern, sollten Eltern den Kopf des Neugeborenen über Nacht auf einem Lagerungskissen betten. Dabei handelt es sich um eine Art „Lochkissen“, bei dem der Hinterkopf frei in der Luft schwebt. „Hilfreich ist es auch, wenn die Eltern das Kind aus verschiedenen Richtungen ansprechen, um eine bevorzugte Seitenhaltung des Kopfes zu vermeiden“, wird Fitze zitiert. Tagsüber liegt der Nachwuchs am besten auf der Seite oder dem Bauch.

Leichte Deformitäten lassen sich im ersten Lebensjahr gut durch manuelle Therapien wie Osteopathie, Physiotherapie und Chiropraktik korrigieren, die mit einer Art Reflexzonentraining bestimmte Bewegungsabläufe stimulieren und Halswirbelblockaden auflösen, berichtet die DGCH. Liegt eine stärkere Deformität vor, hilft die Helmtherapie. Dabei handelt es sich um eine Kopforthese, die dauerhaft getragen wird und das Wachstum des Schädels gezielt in die gewünschte Richtung lenkt.

Start der Helmtherapie um den sechsten Lebensmonat

Da der Schädel im ersten Jahr besonders schnell wächst – er nimmt zwölf bis dreizehn Zentimeter an Umfang zu –, sollte mit der Helmtherapie um den sechsten Lebensmonat begonnen werden. „In dieser Wachstumszeit kann der Helm die Verformung am besten korrigieren“, erklärt Fitze in der Mitteilung der DGCH. Die Behandlung dauert in der Regel drei bis sechs Monate. „Trägt das Kind die Orthese konsequent an 23 von 24 Stunden am Tag, sind die Ergebnisse sehr gut“, berichtet der Kinderchirurg.

Bis ins Vorschulalter besteht die Möglichkeit, dass sich Verformungen wieder auswachsen. „Schwere Verformungen, die auch die Gesichtspartie betreffen, sind nicht nur ein kosmetisches Problem“, betont Fitze. Es wird angenommen, dass sie auch zu einer frühzeitigen Abnutzung der Halswirbelsäule oder einer Fehlbelastung der Kiefergelenke führen können, die häufig schmerzhaft ist.

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