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Kinder- und Jugendheilkunde 5. Februar 2014

Was gibt es Neues beim Fortbildungskurs Obergurgl?

Gespräch über den 47. pädiatrischen Fortbildungskurs mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl, Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Salzburger Landeskliniken – Paracelsus Medizinische Privatuniversität, und Kursleiter

Hat der 47. pädiatrische Fortbildungskurs ein Generalthema?
Wie immer spannt die Fortbildung in Obergurgl den Bogen über alle Subdisziplinen in der Pädiatrie, inklusive auch der vielen Schnittstellen, die wir in unserem großen Fachgebiet haben. Der Themen reichen von Infektionskrankheiten, Ernährung, Kinderkardiologie, Hautkrankheiten bis hin zur Genetik.

Haben sich die Themen des Fortbildungskurses in den 47 Jahren seines Bestehens gewandelt? Mit Sicherheit ist durch die Subspezialisierung die Kinder- und Jugendheilkunde inhaltlich explodiert. Wir versuchen immer aktuelle Themen, besonders wo es Neuigkeiten gibt, beim Fortbildungskurs anzuschneiden. Der rote Faden ist durch die 47 Jahre gleich geblieben, bewusst die Pädiatrie in seiner Vielfalt abzuhandeln, um einerseits den Pädiatern in Ausbildung aber auch den niedergelassenen Kollegen eine breite Fortbildungsmöglichkeit zu bieten, andererseits den Subspezialisten den Blick über den Zaun zu erhalten.

Worin unterscheidet sich der Fortbildungskurs vom Internationalen pädiatrischen Symposium, das jeweils in der Vorwoche in Obergurgl stattfindet?
Eben durch das Konzept, mit „State of the Art“-Vorträgen ein attraktives, breites Fortbildungsangebot für alle zu ermöglichen. Im Vorsymposium werden wissenschaftliche Aspekte aus dem Themenkreis Ernährung, Immunologie und Impfungen angeboten, es gibt hier Raum für Expertendiskussionen. Eine Kurzzusammenfassung vom Vorsymposium wird immer zu Beginn des Fortbildungskurses präsentiert.

„Meet the Experts“ gibt es täglich ab 14 Uhr. – Was bieten diese Programmpunkte den Teilnehmern?
Meet the Experts bedeutet, dass die jeweiligen Experten bezüglich ganz konkreter praktischer Fragestellungen angesprochen werden können, das ist auch ein großer Wert und wichtiger Aspekt dieses Fortbildungskurses. Dafür soll ausreichend Zeit eingeräumt werden. Informationen, persönliche Kontakte und Vernetzungen, die passieren wirken sich letztlich auf die Patientenversorgung aus.

Sie werden selbst ein Referat halten: „Mitochondriale Genetik“. Dürfen unsere Leser ein wenig über das Thema vorab erfahren?
Die meisten stellen sich unter Genetik das Gebiet über die klassische Erbsubstanz im Kern vor. Ein ganz wichtiger, wenn auch kleiner Teil des Erbmaterials liegt aber in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen. Obwohl die mitochondriale DNA nur etwa 1-2% der Gesamt-DNA ausmacht, ist sie unglaublich wichtig in der Modulierung der vererbten Vorgänge. Ihre Bedeutung und Wichtigkeit, Vulnerabilität und auch den Bezug zu Krankheiten in der Kinderheilkunde, zu Zivilisationskrankheiten, zum Tumorstoffwechsel und Altern werde ich ansatzweise im Vortrag aufzeigen. Im Prinzip geht es nicht nur um die mitochondriale Genetik, sondern auch um die „Mitochondriale Medizin“.

Gibt es ein weiteres Vortragsthema, das Sie besonders hervorheben möchten?
Ich denke, dass bereits im Vorjahr das Kapitel „Klinik hautnah“ gut angekommen ist. Wir haben hier ein Anzahl Referenten aus verschiedenen Kliniken eingeladen, mit praktischen Beispielen einerseits Blickdiagnosen zu präsentieren, dann problemorientierte Lernfälle vorzustellen oder auch Fallberichte zu präsentieren, wo wir aus Fehlern lernen können. Ich halte diesen Nachmittag für besonders hilfreich, um positive Engramme für die Umsetzung im klinischen Alltag mitzunehmen.

Sind Sie mit der Aus- und Fortbildung der Pädiater in Österreich zufrieden?
Das Aus- und Fortbildungsprogramm der Kinder- und Jugendheilkunde ist sehr gut aufgestellt und kann sich sehen lassen. Wir haben ja neben dem „Pädiatrischen Fortbildungskurs in Obergurgl“ jährlich den „Pädiatrischen Frühling“, die „Politische Kindermedizin“, jetzt auch noch „Fortbildungstage in Venedig“ und unsere „Jahrestagung der ÖGKJ“, zusätzlich zahlreiche andere Aus- und Fortbildungsprogramme der Arbeitsgruppen der Österr. Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde.

In welche Richtung entwickelt sich die Pädiatrie in Österreich?
Die Kinder- und Jugendheilkunde ist als Lebensabschnittsmedizin enorm wichtig: die Gesundheitsziele in der Bundespolitik aber auch der Politik der Länder sind immer mehr auf Gesundheitsprävention und Gesundheitsförderung von Anfang an ausgerichtet. In Gesundheitsfragen bzgl. Kinder und Jugendliche muss die Pädiatrie in der Qualitätsdefinition federführend mit den anderen Disziplinen zusammenarbeiten. Die Kinder- und Jugendheilkunde in Österreich ist auch in enger Weise mit Nachbardisziplinen wie Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendchirurgie aber auch mit der Geburtshilfe vernetzt, hier sind gemeinsame Konzepte und eine enges Zusammenarbeiten gefragt. Schwerpunktbildungen zur Qualitätssicherung aber auch die Sicherstellung der Basisversorgung sind zukünftige Herausforderungen. Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, die Stellung der Kinder- und Jugendheilkunde innerhalb der Ärztekammer noch besser zu positionieren, ausreichende Ausbildungszeit für die Allgemeinmediziner zu ermöglichen. Auch eine qualitativ und quantitativ ausreichende Krankenpflegeausbildung muss sichergestellt werden.

Nationale oder internationale Konzepte? – Was bringt die Pädiatrie weiter, wovon profitiert der Patient? Man muss einen Kompromiss finden zwischen einer exzellenten Basisversorgung durch niedergelassene Kinderfachärzte, aber auch Schwerpunktbildungen und Zentrierungen von Spezialitäten, die naturgemäß internationalen Bezug haben. Wichtig sind vor allem gut funktionierende und organisierte Netzwerke. Gerade der Bereich der seltenen Krankheiten ist ein gutes Beispiel, wie EU-weit aber auch jetzt bundesweit Schwerpunkte definiert werden, wie Kompetenzzentren entstehen mit Vernetzung und Definition der mit zuordnenden Stellen. Beispiele für nationale Konzepte wären Themen wie Frühe Hilfen, Kinder- und Jugendrehabilitation und auch Palliativmedizin.

Ihre Veranstaltung ist jedes Jahr sehr schnell ausgebucht, so bereits jetzt für 2014; ein schönes Kompliment! – Bleiben bei Ihnen noch Wünsche offen? Wir warten darauf, dass in Obergurgl der Piccardsaal baulich erweitert wird, sodass wir eine größere Teilnehmerzahl aufnehmen können. Ich freue mich, dass unser Fortbildungskurs, gerade bei den jungen Teilnehmern so beliebt ist und dass wir immer wieder über den Inhalt des Kurses, die Referenten und Themen so positive Rückmeldungen bekommen. Ich hoffe, dass das auch heuer wieder so sein wird.

Vielen Dank für das interessante Gespräch! Das Interview führte Dr. Renate Höhl.

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