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Kinder- und Jugendheilkunde 17. November 2013

Kinder in Atemnot

Asthma: alle Schuld den Keimen?

Bis zu zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden unter Asthma, die meisten seit dem Kleinkindalter. Die Atopie gilt als wichtiger Triggerfaktor. Aber auch Viren und Bakterien mischen mit, wenn bei Kindern anfallsweise Atemnot auftritt.

Bei 80 Prozent der von Asthma Betroffenen beginnt die Krankheit vor dem zehnten Lebensjahr, bei den meisten schon im Kleinkindalter. Und je früher der Startschuss fällt, umso schlechter ist die Prognose. Ein Beginn vor dem 24. Lebensmonat ist ein Prädiktor für einen schweren Verlauf schon im Schulkindalter, ein Beginn vor dem 36. Lebensmonat ein Prädiktor für einen schweren Verlauf im Erwachsenenalter, erläuterte Dr. Thomas Spindler, Wangen, auf der 109. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Düsseldorf.

Die meisten Patienten mit Asthma haben die ersten Atemwegsobstruktionen bereits im ersten Lebensjahr. Spindler forderte deshalb, Asthma möglichst früh, gegebenenfalls schon im ersten Lebensjahr, zu diagnostizieren und zu behandeln.

Respiratory-Syncytial-Viren und Rhinoviren

Noch immer spannend ist die Suche nach den Zusammenhängen zwischen viralen Infekten und Asthma. Viren sind die häufigsten Auslöser von Asthma-Exazerbationen. Virusinfektionen im Säuglings- und Kleinkinderalter gelten inzwischen aber auch als zentrale Kofaktoren bei der Asthmaentstehung. Schwere Virusinfektionen der unteren Atemwege können bei Risikokindern die Wahrscheinlichkeit für Asthma erhöhen, „aber auch ohne atopische Diathese steigt die Gefahr“, so PD Dr. Tobias Ankermann, Kiel.

Am besten untersucht sind Respiratory-Syncytial-Viren (RSV) und Rhinoviren (RV). Ankermann verwies auf eine prospektive Kohortenstudie, die 289 Neugeborene beobachtete, von denen mindestens ein Elternteil Atopiker war.

Das Risiko mit sechs Jahren an Asthma zu erkranken, war bei Kindern, die in den ersten drei Lebensjahren eine Virusinfektion der Atemwege durchgemacht hatten, deutlich erhöht.

Nach einem RSV-Infekt stieg das Risiko um das 2,6-Fache nach einer RV-Infektion um das 9,8-Fache. In-vitro-Untersuchungen zeigen, dass Viren die Immunantwort reduzieren und eine Steroidresistenz induzieren. Gleichzeitig kommt es zu strukturellen Veränderungen, die der Asthmaentwicklung Vorschub leisten. Möglichkeiten einer Virusexpositionsprophylaxe gibt es derzeit nicht.

Antibiotisch gegen schweres „wheezing“?

Doch nicht nur Viren, auch Bakterien sind bei der Pathogenese von Asthma mit im Spiel, so Spindler. Neugeborene, deren Atemwege mit Haemophilus influenzae, Pneumokokken oder Moraxellen besiedelt sind, haben ein erhöhtes Risiko für rezidivierendes „wheezing“.

Dass eine chronische bakterielle Kolonisation für schweres persistierendes „wheezing“ auch noch bei Vorschulkindern relevant ist und auf Antibiotika anspricht, zeigte eine Studie, die 42 Kinder im Vorschulalter mit schwerem persistierendem „wheezing“, aber ohne akuten Atemwegsinfekt einschloss (Schwerk N et al., PLoS ONE 2011, 6(11): e27913). Eine bakterielle Besiedlung ließ sich bei 29 Patienten per bronchoalveolärer Lavage nachweisen.

Sie wurden über zwei bis 16 Wochen antibiotisch behandelt und über wenigstens sechs Monate nachbeobachtet. Bei 92 Prozent der Kinder kam es zu einer eindeutigen Verbesserung der Symptome.

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 46/2013

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