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© Julia Wesenberg / fotolia.com
Bis zu 75 Prozent der Salzaufnahme erfolgen bei Kindern bereits durch Fast Food und Fertiggerichte.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 14. Oktober 2013

Fern der Realität?

Prävention der Hypertonie: mediterrane Diät statt Fast Food.

Umstellung der Ernährung, Salzrestriktion und Sport: Diese Maßnahmen schützen das kardiovaskuläre System und senken den Blutdruck. Oft scheitern diese Maßnahmen jedoch an der Realität. Hier spielen soziale Einflüsse eine wichtige Rolle.

Bei übergewichtigen Kindern senkt eine Reduktion des Body-Mass-Index um 10 Prozent den Blutdruck um etwa 10 mm Hg. In der Literatur findet sich eine Vielzahl von Ernährungsempfehlungen. Prof. Dr. Robert Dalla Pozza, Kinderherzzentrum München-Großhadern, verwies auf eine aktuell publizierte Studie zur kardioprotektiven mediterranen Diät. Hier ist täglicher Genuss von Olivenöl und mehrmals wöchentlich der Verzehr von Nüssen, Obst, Gemüse, Fisch und Hülsenfrüchten vorgesehen (Estruch R et al. N Engl J Med 2013; 368: 1279–90). Die Realität, so Dalla Pozza, sehe aber meist anders aus: Auf dem Speiseplan stehen häufig Süßigkeiten, frittierte Speisen, rotes Fleisch und Softdrinks.

Salzhaltige Nahrung steigert den Blutdruck

Bis zu 75 Prozent der Salzaufnahme erfolgen bei Kindern bereits durch Fast Food und Fertiggerichte. In einer Untersuchung mit über 6.000 Kindern und Jugendlichen stieg der systolische Blutdruck pro 1 g zusätzlichem Salz täglich um 0,9 Standardabweichungen bei Normalgewicht und um 1,4 Standardabweichungen bei übergewichtigen Kindern (Yang Q et al. Pediatrics 2012; 130: 611–9). Auch Kalzium, Kalium und Vitamin D, so Dalla Pozza, würden zur Reduktion des Blutdrucks beitragen.

Empfehlungen zur körperlichen Aktivität umfassen mindestens 40 Minuten aeroben Sport dreimal pro Woche und zusätzlich viel Spielen, Radfahren und Laufen. 60 Prozent der Zwölf- bis 14-Jährigen verbringen jedoch zwischen ein und drei Stunden vor dem Fernseher. Zusätzlich haben Kinder mit dem höchsten Fernsehkonsum die schlechtesten Ernährungsgewohnheiten. Die Werbung vermittelt dabei den ungünstigen „US-Lebensstil“ (Spagnolo A et al. Ital J Pediatr 2013; 39: 20–32).

Niedrige Bildung: höheres Risiko für Hypertonie und Adipositas

Prof. Dr. Wieland Kiess, Universitätsklinikum Leipzig, betonte auf der DGKJ-Jahrestagung 2013, dass in den letzten zehn Jahren der Anteil von adipösen Klein- und Schulkindern nicht zugenommen hätte – problematisch sei jedoch der Anstieg der Adipositas bei Jugendlichen. Einen wichtigen Einfluss auf die Entstehung der Adipositas übt dabei das soziale Umfeld aus; vor allem Adipositas im Freundeskreis habe dabei große Bedeutung, so Kiess.

Nach den Daten seiner Arbeitsgruppe zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Hypertonie. Ab der 9. Klasse haben beispielsweise Schüler aus Haupt- und Realschule höhere Blutdruckwerte als Gymnasiasten. Besonders problematisch: „15,1 Prozent aller Leipziger Kinder verlassen die Schule ohne Abschluss!“

Die wichtigsten Einflussfaktoren für Adipositas bei Kindern sind nach Kiess der sozioökonomische Status der Eltern, Genetik und Bildung. Er verwies auf Untersuchungen seiner Arbeitsgruppe in Leipzig, nach denen unter der Woche im Kindergarten die körperliche Aktivität der Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten etwa vergleichbar war. Am Wochenende jedoch bewegten sich Kinder aus sozial schwachen Schichten um 50 Prozent weniger als Kinder aus Familien mit höherem sozialem Status.

Quelle: 109. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), 14. September 2013, Düsseldorf

springermedizin.de, Ärzte Woche 42/2013

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