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Dr. Bert Nagel, MedUni Graz
(c)MedUni Graz
 
Kinder- und Jugendheilkunde 23. August 2013

Angeborene und erworbene Herzfehler im Jugend- und Erwachsenenalter

Die Arbeitsgruppen der ÖKG stellen sich vor: Arbeitsgruppe 02

Die Langzeitüberlebensrate von Kindern mit angeborenen Herzfehlern liegt heute bei über 90 Prozent. Diese erfreuliche Entwicklung, die den Fortschritten in der Kinderkardiologie und Kinderherzchirurgie zu verdanken ist, hatte zur Folge, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein neues, ständig wachsendes Patientenkollektiv entwickelt hat, nämlich jenes der Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Dieses Kollektiv stellt zwar im Gesamtspektrum der von „ErwachsenenkardiologInnen“ zu betreuenden PatientInnen eine kleine Gruppe dar, die jedoch in den D-A-CH (Deutschland-Österreich-Schweiz)-Ländern bereits 350.000 Personen umfasst. Die Probleme dieser Patienten unterscheiden sich in vielen Belangen grundlegend von jenen der sonst in der Erwachsenkardiologie zu betreuenden Patienten. Die Hälfte der EMAH-Patienten hat mäßig schwere bis schwere, komplexe angeborene Herzfehler, die im Kindesalter meist reparativ, nicht korrigierend operiert wurden. Es handelt sich somit um chronisch kranke Patienten, die häufig einer lebenslangen spezialisierten ärztlichen Betreuung bedürfen. Diesem Umstand wurde in vielen westlichen Ländern, so auch in Österreich, Rechnung getragen, indem eigene Betreuungseinrichtungen geschaffen wurden. In Graz, Innsbruck, Linz und Wien stehen EMAH-Zentren zur Verfügung, wo nicht nur klinisch, sondern auch wissenschaftlich eng zwischen Kinder- und ErwachsenenkardiologInnen zusammengearbeitet wird.

Internationalen Trends folgend kam es in den letzten Jahren auch zu einer Erweiterung des Aufgabenbereiches der ÖKG-Arbeitsgruppe für angeborene Herzfehler. Es wurde der Bereich der erworbenen Herzfehler in diese AG integriert. Ziel der Arbeitsgruppe für Angeborene und Erworbene Herzfehler im Jugend- und Erwachsenenalter ist es, Empfehlungen für adäquate Strukturen der regionalen und überregionalen Versorgung zu erarbeiten und diese Richtlinien unter KinderkardiologInnen und InternistInnen mit kardiologischem Schwerpunkt bzw. KardiologInnen zu verbreiten. Diese Empfehlungen werden in Kürze publiziert. Außerdem hat es sich unsere Arbeitsgruppe zur Aufgabe gemacht, durch Veranstaltungen und Teilnahmen an nationalen und internationalen Fortbildungen und Kongressen eine Behandlungsqualität auf höchstem Niveau zu gewährleisten.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Mitwirkung an der Entwicklung und Anwendung neuer kathetergestützter Behandlungsformen des Klappenersatzes (perkutaner Pulmonalklappenersatz) oder der Korrektur erworbener Vitien (z. B. perkutaner Aortenklappenersatz bzw. Mitralclipping). An der Erarbeitung von nationalen und internationalen Richtlinien zum Einsatz dieser neuen Therapieformen wirken AG-Nukleusmitglieder mit. Zudem nimmt die AG an nationalen und internationalen Projekten und Registern, u.a. an dem „Registry of Pregnancy and Cardiac Disease (ROPAC)“ der ESC teil. Regelmäßig wird auch unter aktiver Teilnahme der Nukleusmitglieder auf dem Gebiet der angeborenen und erworbenen Herzfehler national und international publiziert. Nicht zuletzt ist es eine wichtige Aufgabe unserer AG, das Bewusstsein für Besonderheiten in der Betreuung angeborener und erworbener Herzfehler zu steigern und Voraussetzungen für das Verständnis der Anliegen der Betroffenen in der Bevölkerung zu schaffen.

Dr. Bert Nagel, Klinische Abteilung für Kinderkardiologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz

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