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Cybermobbing macht Teenager kaputt

Wie viele Jugendliche werden in sozialen Netzwerken beleidigt und gehänselt? Die Antwort liefert eine Umfrage unter rund 10.000 Schülern in Deutschland.

Mobbing im Netz ist keine Ausnahme, das zeigt eine groß angelegte Untersuchung, die kürzlich in Köln vorgestellt wurde. Das Bündnis gegen Cybermobbing hat zwischen Ende 2012 und Anfang 2013 rund 10.000 Schüler im Alter von zehn bis 22 Jahren, Lehrer und Eltern befragt. In dem Bündnis engagieren sich unter anderem Eltern, Pädagogen, Juristen, Ärzte und Forscher.

Kritisches Alter 12 bis 15 Jahre

Nach der Befragung sind 16,6 Prozent der Schüler bereits Opfer von Cybermobbing-Attacken geworden, das kritischste Alter liegt zwischen zwölf und 15 Jahren. 19,1 Prozent gestanden ein, selbst schon einmal Täter gewesen zu sein. Das kann nach Angaben der Autoren darauf hindeuten, dass die tatsächliche Zahl der Opfer höher liegt.

Die häufigste Form des Cybermobbings sind Beschimpfungen und Beleidigungen, gefolgt von der Verbreitung von Lügen und Gerüchten, Hänseleien und Bedrohungen oder Erpressungen. Bei 15 Prozent der betroffenen Jungen und 14 Prozent der Mädchen war die Verbreitung unangenehmer oder peinlicher Fotos und Filme im Spiel.

„Für die Opfer ist das Cybermobbing dramatisch und tut weh“, sagte Dr. Catarina Katzer, Präventionsexpertin Gewalt und neue Medien des Bündnisses gegen Cybermobbing. „Fast ein Drittel hat dauerhafte Schädigungen.“ Die Kinder und Jugendlichen leiden zum Teil unter psychosomatischen Beschwerden, bekommen Leistungsprobleme und weigern sich, weiter in die Schule zu gehen. „Cybermobbing macht nicht jeden krank, aber es kann viele krankmachen und zwar so, dass sie Hilfe brauchen“, sagte Katzer.

Viele Eltern kennen das Phänomen, glauben aber nur in seltenen Fällen, dass ihre eigenen Kinder davon betroffen sind. Die Befragung zeigt, dass die Mehrheit der Eltern die Internetnutzung der Kinder kaum kontrolliert, nur 17 Prozent sind entsprechend wachsam. „Dabei sind die Eltern ein wichtiges Regulativ“, betonte sie. Kinder und Jugendliche, deren Eltern mit ihnen über das Internet und die damit verbundenen Gefahren reden, seien seltener Opfer von Cybermobbing.

Eltern und Lehrer fühlen sich oft hilflos

Nur 44 Prozent der Erwachsenen finden, dass sie über das Thema ausreichend informiert sind. „Beratung und Aufklärung müssen sich ändern, viele Eltern fühlen sich hilflos“, forderte die Medienpsychologin.

Ähnliches gilt für die Lehrer, von denen sich nur 39 Prozent für gut informiert halten. Dabei kennen fast 60 Prozent Cybermobbing-Fälle unter ihren Schülern. Die Lehrer müssten stärker unterstützt werden, denn sie stünden in einer großen Verantwortung und unter einer großen Belastung, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bündnisses gegen Cybermobbing Uwe Leest.

  • Frau Lilith Lilith, 17.07.2013 um 15:26:

    „Mobbing auf dem Weg zum Rechtsbegriff – Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz- für Österreich
    Der Begriff Mobbing ist im Zusammenhang mit der Arbeitswelt seit den achtziger Jahren durch die Literatur von Herrn Dr. Leymann bekannt geworden. Mobbing beschreibt einen prozesshaften Verlauf in welcher Vorgesetzte oder/und Kollegen durch seelische Gewaltakte (zB. verbale und nonverbale subtile doppeldeutige Kommunikationsformen, entmündigende, kontrollierende Kommunikation und Handlungen etc.) Mitmenschen in ihrer Integrität destabilisieren, mit dem Ziel diese aus der Arbeitsgemeinschaft zu drängen.
    Der gemobbte Mensch trägt weitgehend die verheerenden Konsequenzen wie Langzeitkrankenstand, Armutsgefährdung, Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, manchmal Suicid. Die Gesellschaft trägt einen großen Teil der Kosten. Für Österreich gibt es keine genauen Zahlen. In Vorarlberg wurden folgende Folgekostenabschätzung in Erwägung gezogen: pro Mobbingfall mindestens 175 000 – 200 000 €. Für Vorarlberg gesamt belaufen sich die Kosten mindestens 616 -680 Millionen (1). Die Mobber haben kaum Konsequenzen zu erwarten und können weiter mobben. In den meisten Fällen scheidet der gemobbte Mensch durch Krankheit, Kündigung etc. aus.
    Um den persönlich erlittenen Schaden und um den ungeheuren wirtschaftlichen Verlust zu sanktionieren bedarf es eines neuen spezifischen Tatbestandes mit Schadensersatzsprüchen Mobbing-Tatbestandes in Form eines Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetzes.
    Derzeit ist die rechtliche Beurteilung massiv erschwert, da bei ein und demselben Mobbinggeschehen zivil-, arbeits- und strafrechtliche Tatbestände rechtsübergreifend geprüft werden müssen. Dazu kommt noch, daß das österreichische Rechtssystem nur einzelne Vorfälle, nicht jedoch einen längerdauernden Verlauf im Rahmen eines einschüchternden, feindseligen oder demütigenden Arbeitsumwelt von den täglichen kleinen Gemeinheiten bis zum Rechtsbrüche durch Über- und Fehlgriffe der Entscheidungsträger sprich Vorgesetzten. Die Berufung auf viel zitierte Fürsorgepflicht wird von mobbinginvolvierten Fachkundigen eher belächelt und achselzuckend zur Kenntnis genommen.
    2006 (2), 2007 (3) wurden parlamentarische Anfragen zum Thema Mobbing eingereicht und abgelehnt mit dem Hinweis die gegenwärtige Rechtslage sei ausreichend.
    2008 (4) BM Hundstorfer hält seit 2008 eine „Verankerung von Mobbing im Strafgesetzbuch für notwendig“
    2009 (5) wurde von Herrn Walter Plutsch der Antrag seiner Bürgerinitiative zur Erreichung eines "Anti-Mobbing-Gesetzes“ eingereicht und ebenfalls abgelehnt.
    Zwischenzeitlich wurde 2009 (6) eine Dienstrechts-Novelle mit einem Mobbing-Verbot im öffentlichen Dienst und 2011 (7) wurden Schutzmaßnahmen für "Whistleblower" im Beamtendienstrecht verankert.
    2011 (8) AK Salzburg Dr. Gabriele Wonnebauer fordert ein Anti-Mobbing-Gesetz, die AK Salzburg fordert seit ca. 10 Jahren ein Anti-Mobbing-Gesetz
    2011 (9) AK Steiermark und ÖGB fordern ein Anti-Mobbing-Gesetz
    2011 (10) AK Kärnten Herr Goach „Anti-Mobbing-Gesetz längst überfällig“
    2013 (11) erfolgte ein neuerlicher Anlauf in Form einer Petition „Österreich braucht ein Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz“ eingebracht. Befürworter eines Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz für Österreich können dieser Petition online zustimmen:
    http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/index.shtml?jsMode=&xdocumentUri=&NRBR=NR&BBET=PET&ZUSTIMM=ZU&SUCH=&listeId=104&LISTE=Anzeigen&FBEZ=FP_004

    (1) http://www.pakte.at/attach/Mobbing-Bericht_Vbg_nov03.pdf
    (2) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXII/J/J_04323/index.shtml
    (3) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIII/J/J_01915/index.shtml
    (4) http://www.oe24.at/oesterrei... eit/257519
    (5) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/BI/BI_00009/index.shtml
    (6) http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2009/PK1070/index.shtml
    (7) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/I/I_01610/index.shtml
    (8) http://www.diesalzburgerin.at/bilder/pd... 5_2010.pdf, http://wirtschaftsblatt.at/archiv/1207167/index
    (9) http://steiermark.orf.at/news/stories/2508267/
    (10) http://www.mein-klagenfurt.at/aktuelle-pressemeldungen/pressemeldungen-dezember-2011/goach-anti-mobbing-gesetz-ueberfaellig/
    (11) http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/index.shtml?jsMode=&xdocumentUri=&NRBR=NR&BBET=PET&ZUSTIMM=ZU&SUCH=&listeId=104&LISTE=Anzeigen&FBEZ=FP_004“

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