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© Werner Münzker / fotolia.com
„Überfüttern“ vermeiden, das hilft häufig schon gegen Reflux.
 

Reflux beim Baby behandeln?

Oft reicht Aufklärung der Eltern.

Schon im Kleinkindalter wird ein gastroösophagealer Reflux zunehmend mit Medikamenten behandelt. „Doch bei Säuglingen sind Regurgitationen durchaus ein physiologisches Phänomen“, betonte Prof. Dr. Almuthe Christine Hauer vom Universitätsklinikum für Kinder- und Jugendheilkunde Graz im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung in Heidelberg.

„Fast immer bessert sich ein solcher gastroösophagealer Reflux durch das Längenwachstum des Ösophagus und den zunehmenden Tonus des unteren ösophagealen Sphinkters bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Meist ist es daher bei ansonsten gesunden, gut gedeihenden Säuglingen ausreichend, die Eltern aufzuklären und ein „Überfüttern“ zu vermeiden, so Hauer. So habe sich auch ein oft empfohlenes Eindicken der Nahrung in einem systematischen Review als nur mäßig effektiv erwiesen. Auch wenn eine Bauchlage den Reflux verbessern kann, ist von dieser Schlafposition bei Säuglingen aufgrund des erhöhten Risikos für plötzlichen Kindstod strikt abzuraten. Einen Versuch wert ist dagegen eine Lagerung in Rückenlage mit erhöhtem Oberkörper und bei älteren Kindern auf der linken Seite. Auch Nikotinexposition verschlechtert gastroösophagealen Reflux, ein Grund mehr, Säuglinge keinem Zigarettenrauch auszusetzen, so Hauer.

Die Frage nach zusätzlichen pharmakologischen Maßnahmen stelle sich insbesondere, wenn Gedeihstörungen, eine Ösophagitis oder auch respiratorische Beschwerden hinzukommen und eine gastroösophageale Refluxkrankheit vorliegt. Bei Babys sei die Trias ausgeprägte Regurgitation, exzessives Schreien und Irritabilität beim Füttern typisch für eine gastroösophageale Refluxkrankheit. Prokinetika und Antazida sollten im Säuglingsalter nicht gegeben, Histamin2-Rezeptor-Antagonisten können bei Refluxösophagitis erwogen werden. Protonenpumpeninhibitoren sind zur initialen Therapie des gastroösophagealen Refluxes bei Säuglingen nicht empfohlen und zudem erst ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen. Der derzeitigen Datenlage zufolge könne ein Behandlungsversuch bei gut dokumentierter Refluxkrankheit, sorgfältigem Monitoring und beispielsweise bei neurologischen Problemen jedoch gerechtfertigt sein, so Hauer.

 

Quelle: Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung, 20. bis 23. März 2013, Heidelberg

springermedizin.de, Ärzte Woche 22/2013

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