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Allergieprävention mit partiellem Molkenhydrolysat

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Beba HA wurde intensiv untersucht.

Stillen ist die beste Ernährung, auch im Hinblick auf die Allergieprävention. Alle Säuglinge sollten, wenn möglich, vier bis sechs Monate ausschließlich gestillt werden. Für nicht vollgestillte Säuglinge mit familiär bedingtem Allergierisiko werden Hydrolysatnahrungen empfohlen.

Allergieprävention bei nicht gestillten Säuglingen

Stillen ist die beste Säuglingsernährung und auch die einfachste und beste Möglichkeit, eine frühe massive Belastung des Säuglings mit potentiellen Nahrungsmittelallergenen zu vermeiden. Wie aber sollte eine massive Allergenexposition vermieden werden, wenn keine oder nicht genügend Muttermilch verfügbar ist? Nahrungsproteine sind lebenswichtig. Zwar standen auch vor 25 Jahren schon extensive Hydrolysate für die diätetische Behandlung von Säuglingen mit Kuhmilchallergie zur Verfügung. Diese kamen aber wegen der extrem hohen Herstellungskosten zu jener Zeit und des stark bitteren Geschmacks für eine breite Verwendung zu Präventionszwecken nicht in Betracht.

Die „Erfindung“ von Beba HA

Wissenschaftler im Forschungszentrum Nestlé entwickelten einen neuen Typ Hydrolysat, ein partielles Molkenhydrolysat. Durch den geringeren Hydrolysegrad wurden ein angenehmer Geschmack erzielt und die Herstellungskosten reduziert. Somit erfüllte dieser neue Hydrolysattyp die Voraussetzungen für eine breite Verwendung zu Präventionszwecken. Wie aber war der mit dem geringeren Hydrolysegrad assoziierte höhere Restgehalt an Antigenen mit der Wirksamkeit vereinbar?

Training des Immunsystems statt Allergenkarenz

Die Wissenschaftler im Nestlé Forschungszentrum setzen sich das Ziel, durch gesteuerte moderate enzymatische Hydrolyse den Restgehalt an Antigenen in dem Hydrolysat so weit zu reduzieren, dass er selbst bei empfindlichen jungen Säuglingen mit erblicher Neigung zu Allergien in der Regel keine allergische Sensibilisierung mehr verursacht, aber noch fähig ist, orale Toleranz zu induzieren. Ihr Motto war also sanftes, schonendes Training des noch unreifen Immunsystems, damit es frühzeitig lernt, selbst aktiv einen Schutz gegen „falsche“ Immunantworten aufzubauen. Das verstieß gegen die damals vorherrschende wissenschaftliche Meinung, dass nur ein praktisch allergenfreies Hydrolysat bei nicht gestillten Allergierisikokindern eine Sensibilisierung verhindern kann.

Diese etablierte Meinung konnte die Wissenschaftler im Nestlé Forschungszentrum nicht von ihrem Vorhaben abhalten. Sie entwickelten zusammen mit in der Proteintechnologie erfahrenen Ingenieuren in den Nestlé Werken ein ausgeklügeltes Hydrolyseverfahren. Nach jahrelangen Experimenten und Tierstudien sowie erfolgreichen klinischen Studien mit Säuglingen konnte das partielle Molkenhydrolysat dann 1987 für den Markt freigegeben werden.

Als Beba HA 1987 auf den Markt kam, sprach sich seine besonders gute Verträglichkeit und präventive Wirkung schnell unter den Eltern allergiegefährdeter Kinder und praktisch tätigen Kinderärzten herum. Von da an wurde HA-Nahrung zum Synonym für Allergiepräventionsnahrung und später von anderen Herstellern als Bezeichnung für ihre Nachfolgeprodukte übernommen.

HA ist nicht gleich HA

Die Bezeichnung HA ist aber keine Garantie für die Wirksamkeit des Hydrolysats. Das demonstrieren die Ergebnisse der German Infant Nutritional Intervention (GINI) Studie, der weltweit größten Allergiepräventionsstudie mit über 2000 Neugeborenen mit familiärer Allergiebelastung sehr eindrucksvoll. Diese prospektive, randomisierte, doppelblinde Ernährungsinterventionsstudie untersuchte die Wirkung von drei verschiedenen Hydrolysaten auf Allergien im Vergleich zu einer Standard Säuglingsmilch. Die Ergebnisse zeigten, dass nicht jedes Hydrolysat wirksam ist. Das partielle Molkenhydrolysat von Nestlé (Beba HA) und das extensive Caseinhydrolysat von Mead Johnson reduzierten signifikant das Risiko für atopische Dermatitis im Vergleich zu einer Standard-Säuglingsmilch in den ersten drei Lebensjahren. Das in dieser Studie getestete extensive Molkenhydrolysat hatte dagegen keinen Effekt. Damit war die bis dahin von einigen Wissenschaftlern noch vertretene Auffassung, dass nur extensive Hydrolysate, die praktisch allergenfrei sind, zur Allergieprävention geeignet sind, klar widerlegt.

Die Wahl des richtigen Hydrolysats

Die Ergebnisse der GINI Studie machen eines ganz klar: Für den Erfolg der Allergieprävention ist entscheidend, dass bei der Auswahl des Hydrolysats darauf geachtet wird, ob die Allergiepräventionswirkung des Hydrolysats in gut designten klinischen Studien bewiesen ist. Bei einem nicht in klinischen Studien getesteten Hydrolysat besteht immer das Risiko, dass es keine Wirkung hat.

Wissenschaftliche Daten

Es gibt keine andere Hydrolysatnahrung, deren Sicherheit und Wirksamkeit so intensiv untersucht wurde wie Beba HA. Mehr als 15 klinische Studien, darunter die weltweit größte Allergiepräventionsstudie, die GINI Studie, sowie zwei Metaanalysen beweisen die gute Verträglichkeit und präventive Wirkung von Beba HA gegen atopische Dermatitis bei Säuglingen mit familiärer Allergiebelastung. Beba HA reduziert das Risiko der atopischen Dermatitis im ersten Lebensjahr um rund 50 Prozent. Die Präventionswirkung ist auch im Alter von fünf bis sechs Jahren noch signifikant. Die Langzeitstudien beweisen, dass Beba HA eine dauerhafte Präventionswirkung hat. (Abb. 1)

Gesundheitsökonomische Studien haben den wirtschaftlichen Nutzen von Beba HA auf der Basis der Studienlage hochgerechnet. Die Verwendung von Beba HA bei nicht vollgestillten Säuglingen kann mehr als 10 000 neue Fälle atopische Dermatitis pro Jahr verhindern. Dadurch kann nicht nur vielen Kindern und ihren Familien jahrelanges Leid erspart werden. Die Vermeidung so zahlreicher Fälle dieser chronischen Erkrankung bringt auch für das Gesundheitswesen und die Gesellschaft erheblichen wirtschaftlichen Nutzen.

Wie wirkt das partielle Molkenhydrolysat?

Wenn der Effekt eines Hydrolysats nicht vom Hydrolysegrad und auch nicht von dem Basisprotein abhängt, was ist dann entscheidend für die klinische Wirkung eines Hydrolysats? Diese Frage ist bis heute noch nicht völlig geklärt. Nach Meinung der GINI-Studiengruppe scheint für den klinischen Effekt entscheidend zu sein, inwieweit die Antigenität der durch den Hydrolyseprozess entstehenden Epitope reduziert ist. Die Erklärung für den klinischen Effekt von Beba HA könnte demnach sein, dass bei dem patentierten gesteuerten enzymatischen Hydrolyseprozess, den Nestlé zur Herstellung des partiellen Molkenproteins verwendet, genau die richtigen „Schnittstellen“ im Ausgangsprotein getroffen werden: Im Verlauf des Hydrolyseprozesses werden die für die starke allergene Potenz des Molkenproteins verantwortlichen Epitope zerstört, und es entstehen geringe Mengen antigener Determinanten mit abgeschwächter allergener Potenz, die nicht mehr sensibilisieren, aber noch orale Toleranz induzieren können.

Klinische Studie zu oraler Toleranz

Eine aktuelle prospektive, randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studie zeigt, dass Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko, die in den ersten 4 Lebensmonaten mit Beba HA ernährt wurden, im Alter von 6 und 12 Monaten signifikant geringere Serum-IgE-Spiegel hatten als diejenigen, die in den ersten 4 Lebensmonaten mit einem extensiven Molkenhydrolysat (Alfaré) ernährt wurden (Abb.2). Suppression der Bildung von IgE-Antikörpern, auch Allergieantikörper genannt, ist ein Zeichen für Entwicklung oraler Toleranz.

Beba HA: seit 2011 noch besser

„Nicht auf Erfolgen ausruhen!“ ist die Devise von Nestlé. Im Allgäu in Biessenhofen wurde 2011 eine neue moderne Produktionsstätte errichtet. Zu den Highlights dieser Anlage gehört ein 23 Meter hoher Sprühturm. Er ist das Herzstück für das neu entwickelte hochmoderne Sprühtrockenverfahren, durch das Geschmack und Löslichkeit des Beba HA Pulvers noch einmal deutlich verbessert werden konnten. Jetzt ist Beba HA nicht nur das am besten untersuchte Hydrolysat sondern auch mit Abstand das Hydrolysat mit dem besten Geschmack. Der Hydrolyseprozess selbst wurde übrigens seit der ersten Markteinführung 1987 nicht verändert. Das ist auch richtig, denn besser geht nicht!

 

Mike Poßner Medizinischer Direktor Nestlé Nutrition Literatur beim Verfasser

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