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Auch selbstständige Kinder brauchen immer wieder Unterstützung.

Prof. Dr. Burkhard Simma, Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde und Mitglied der ÖGKJ

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Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar, Universitätsklinik für Kinder-und Jugendheilkunde,Wien

 
Kinder- und Jugendheilkunde 21. Jänner 2013

Wenn Kinder Insulin brauchen

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft informiert über die Versorgungssituation von Kindern mit Diabetes.

Maßvolles Essen ist bereits für gesunde Menschen schwierig, für Kinder, die an Diabetes leiden, ist es eine pure Notwendigkeit. Eine kontrollierte Nahrungszufuhr in Kombination mit einer entsprechenden Insulintherapie begleitet von Diabetes betroffene Kinder ein Leben lang. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) unterstreicht die Notwendigkeit von geschulten Betreuungspersonen und geeigneten Versorgungsstrukturen in Kindergarten und Schule, denn diese tragen wesentlich zur Therapiesicherheit bei und erleichtern den Lebensalltag der betroffenen Kinder.

In Österreich erhalten junge Diabetiker die beste verfügbare medizinische Therapie, bei den Rahmenbedingungen sind allerdings noch einige Verbesserungen möglich. Dies betont die Österreichische Arbeitsgruppe für Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie (APEDÖ, eine Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde – ÖGKJ) und fordert Rehabilitationsplätze für die betroffenen Kinder.

Jährlich erkranken 300 Kinder

Von den zwei bekanntesten Formen des Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2) verbreitet sich unter Kindern und Jugendlichen vor allem der Diabetes mellitus Typ 1 (DMT1, „insulinabhängiger Diabetes“) rasant. Jedes Jahr erkranken in Österreich rund 300 Kinder und Jugendliche an DMT1. Die Zahlen haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, wobei immer jüngere Kinder – sogar Kleinkinder unter fünf Jahren – davon betroffen sind (Schober et al., J. Pediatr. 2009). Mehr als 95 Prozent der Kinder mit Diabetes mellitus haben einen DMT1. Die Zahl der Neuerkrankungen von Kindern an Diabetes mellitus Typ 2 (DMT2, „Altersdiabetes“) blieb hingegen – trotz Zunahme der Zahl an übergewichtigen Kindern – nahezu konstant.

Diabetes mellitus in Kindergarten und Schule

Von Diabetes mellitus Typ 1 betroffene Kinder müssen mehrmals am Tag ihren Blutzucker messen, den Gehalt an Kohlenhydraten berechnen und eine entsprechende Menge an Insulin verabreichen. Die meisten dieser Kinder verwenden eine Insulinpumpe oder einen Insulin-Pen. Je nach Alter benötigen diese Kinder bei der Verabreichung des Insulins Unterstützung durch Erwachsene.

Zu Hause wird den Kindern durch Familienmitglieder geholfen, in Kindergarten und Schule sind sie auf Betreuungspersonen angewiesen, die diese Aufgabe übernehmen. Aufgrund mangelnden Wissens über die Erkrankung, des zusätzlichen Betreuungsaufwands für die Pädagogen, aber auch wegen der ungeklärten Rechtslage bezüglich der Abgabe von Insulin, können viele Kindergärten und Schulen betroffene Kinder bei ihrer Therapie nicht entsprechend unterstützen. Die Verunsicherung von Betreuern und Lehrern führt mitunter sogar dazu, dass den betroffenen Kindern die Teilnahme an Schulveranstaltungen untersagt wird.

Der dramatische Anstieg von Diabeteserkrankungen bei Kindern erfordert eine verbesserte Betreuung der betroffenen Kinder. Bereits jetzt organisieren Diabetes-Teams der verschiedenen Behandlungszentren in Schulen und Kindergärten Schulungen für die Betreuer von erkrankten Kindern. Für diese Tätigkeit muss es aber eindeutige Reglementierungen und eine ebensolche Finanzierung geben. „Aufgrund der Heterogenität der Betreuungseinrichtungen und der verschiedenen Zuständigkeiten – private Träger, Gemeinde, Länder, Bund – konnte in Österreich bisher keine einheitliche Vorgehensweise gefunden werden. Diese wäre aber für die Betreuung der betroffenen Kinder absolut notwendig“, appelliert Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien. Neben einer verbesserten Betreuung der betroffenen Kinder in Kindergarten und Schule müsste es in Österreich auch pädiatrische Zentren mit einer diabetologischen Spezialisierung und multidisziplinären Spezialistenteams (Kinderärzte, Diätologen, Diabetesberater, Psychologen und Sozialarbeiter) geben.

Bedarf an Rehabilitationsplätzen für Kinder

Eine weitere Verbesserung in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus würde die Schaffung einer Diabetesrehabilitation darstellen. „Rehabilitationsplätze für Kinder und Jugendliche mit Diabetes würden eine wichtige aktive Präventionsmaßnahme zur Vermeidung von Diabetes-bedingten Spätkomplikationen wie Erblindung, Nierenversagen oder schwere Nervenstörungen darstellen, da die Krankheitseinsicht der Kinder verbessert, die metabolische Kontrolle optimiert und die Therapiesicherheit erhöht würden“, erklärt Prof. Dr. Burkhard Simma vom Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde und Mitglied der ÖGKJ. Für Kinder unter zwölf Jahren mit Diabetes mellitus Typ 1 empfiehlt die ÖGKJ außerdem eine familienorientierte Diabetesrehabilitation, bei der die Bezugsperson des erkrankten Kindes in der Rehabilitation mit einbezogen wird.

Diabetes-Camps für Kinder

In Österreich gibt es mehrere Diabetes-Camps, die von erkrankten Kindern genutzt werden, da es in Österreich für Kinder mit Diabetes noch keine Kur- oder Rehabilitationsmöglichkeiten gibt. Neben den sozial und psychologisch wichtigen gemeinsamen Freizeitaktivitäten mit gleichaltrigen Betroffenen bieten die Camps kindgerechte Diabetes-Schulungen, beispielsweise bezüglich richtiger Ernährung, Kohlehydratberechnung oder der Insulinanpassung beim Sport, abseits einer stationären Versorgung.

Quelle: ÖDG

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