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Kinder- und Jugendheilkunde 8. Jänner 2013

Schwergewichtige Kids in Wien

15 bis mehr als 20 Prozent der Wiener Kinder sind übergewichtig oder adipös - Nachwuchs von Migranten besonders betroffen - Die APA berichtet über Studie in der Wiener Klinischen Wochenschrift.

Ein weiterer Hinweis auf Übergewicht und Fettsucht als Jugendproblem sowie darauf, dass Herkunft und soziale Situation das Gesundheitsverhalten prägen: Wiener Kinder mit deutschsprachigem Familienhintergrund sind zu etwa 15 Prozent übergewichtig oder adipös. Bei Kindern mit türkischer Muttersprache beträgt dieser Prozentsatz rund 23 Prozent, bei Buben mit anderem Familien-Migrationshintergrund knapp 21 und bei Mädchen etwa 17 Prozent. Das hat eine groß angelegte Studie von Wiener Wissenschaftern mit Untersuchung von knapp 25.000 Kindern im Alter zwischen zwei und 16 Jahren ergeben.


"Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, die Prävalenz von extremer Adipositas erstmals auf österreichischem Staatsgebiet zu bestimmen und den Zusammenhang zwischen dem Gewichtsstatus und der Muttersprache anhand eines repräsentativen Studienkollektivs von 24.898 Kindern und Jugendlichen aus Wien (zwei bis 16 Jahre) mit einem Migrationshintergrund von 46 Prozent zu untersuchen", schrieben jetzt Daniel Segna (Universitäts-Kinderklinik der MedUni Wien am AKH) und seine die Co-Autoren in der Wiener klinischen Wochenschrift  (siehe auch Was hat Muttersprache mit Adipositas zu tun?)

Ganz klar: Übergewicht und Adipositas (bis hin zu extremer Fettleibigkeit) sind mittlerweile insgesamt ein großes Problem bei Kindern und Jugendlichen. Doch - so die Wissenschaftler - Kinder unterschiedlicher Herkunft sind auch unterschiedlich betroffen. So befinden sich in der Gruppe der Übergewichtigen und Adipösen (obersten zehn Prozent beim Gewicht) 15,1 Prozent der Buben mit deutscher Muttersprache, 23,3 Prozent der Buben mit türkischer Muttersprache und 20,6 Prozent jener mit anderer sprachlicher Herkunft (Mädchen/Deutsch als Muttersprache: 14,5 Prozent; türkische Muttersprache: 22,5 Prozent; andere Muttersprache: 17,3 Prozent).

Adipös (oberste 97 bis 99,5 Prozent beim Gewicht) waren in der Studie 4,2 Prozent der Buben mit deutscher Muttersprache (Mädchen: ebenfalls 4,2 Prozent). Das traf auch auf 6,3 Prozent der Buben mit türkischer Muttersprache (Mädchen: 7,5 Prozent) und auf 6,2 Prozent der Buben mit anderer Muttersprache (Mädchen: 5,4 Prozent) zu.

Die größten gesundheitlichen Probleme sind bei extrem adipösen Kindern zu erwarten. Fettsucht und extreme Fettsucht bedeuten häufig das frühe Auftreten von Bluthochdruck, Stoffwechselerkrankungen (Diabetes) und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Auch hier haben die Wiener Wissenschafter sehr bedenkliche Werte registriert. "2,1 Prozent aller untersuchten Kinder und Jugendlichen waren extrem adipös, wobei Knaben (2,3 Prozent) häufiger als Mädchen (1,9 Prozent) daran litten. Kinder und Jugendliche mit deutscher Muttersprache (1,7 Prozent) zeigten eine niedrigere Prävalenz von extremer Adipositas als solche mit türkischer (2,5 Prozent) oder einer anderen Muttersprache (2,9 Prozent)." Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren in der Studie jeweils statistisch signifikant, betonten die Experten, unter ihnen auch federführend der Kinder-Ernährungs- und -Stoffwechselspezialist Kurt Widhalm.

Fazit der Fachleute: "Diese Studie zeigt, dass die extreme Adipositas eine allgegenwärtige, jedoch weitgehend vernachlässigte Krankheit auch schon bei Kindern und Jugendlichen in Österreich ist, wobei solche aus Migrantenfamilien ein deutlich erhöhtes Risiko für deren Entstehung aufweisen. Dies unterstreicht die Dringlichkeit auch hierorts wirkungsvolle präventive Strategien gegen Adipositas zu entwickeln."

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