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Kinder- und Jugendheilkunde 20. Dezember 2012

Muskelaufbaupräparate bei Jugendlichen äußerst beliebt

Der Wunsch nach einem muskulöseren Körper ist nicht nur auf männliche Sportler beschränkt.

Methoden, um den Muskelaufbau zu fördern, gehören bei amerikanischen Jugendlichen offenbar zum Alltag. Fast jeder versucht, mit irgendeiner Maßnahme einem muskulösen Traumkörper näher zu kommen. Jeder Dritte greift dabei allerdings in die Kiste, wo möglicherweise gesundheitsgefährdende Substanzen wie Proteinpulver, Steroide und andere Präparate zum Einsatz kommen. Dass sich dies längst zu einer Art Breitensport ausgeweitet hat, zeigt eine Studie der University of Minnesota, USA.

Um die Methoden zum Muskelaufbau bei Jugendlichen zu untersuchen, werteten die Autoren die Daten der EAT 2010 (Eating and Activity in Teens) aus. In dieser Studie waren u. a. Gewicht, Ernährung, körperliche Aktivität und Maßnahmen zur Gewichtskontrolle bei Jugendlichen von 20 öffentlichen Mittelschulen und High Schools in Minnesota erfasst worden. Die 2.793 Studienteilnehmer unterschiedlicher Herkunft waren im Mittel 14,4 Jahre alt, 58 Prozent waren in mindestens einem Sportteam aktiv, 46,8 Prozent der Probanden waren männlich. Die Befragten hatten Angaben dazu gemacht, wie häufig sie zum Zweck des Muskelaufbaus ihre Nahrung änderten, mehr trainierten, Proteinshakes oder -pulver konsumierten oder Steroide sowie andere muskelaufbauende Präparate einnahmen.

Auch Mädchen streben nach muskulösem Körperbau

Die Auswertung zeigte, dass Praktiken zum Muskelaufbau bei den Jugendlichen alltäglich waren, und zwar sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen. Mehr als zwei Drittel der männlichen Jugendlichen wählten bewusst Lebensmittel, die die Muskelmasse und den Muskeltonus positiv beeinflussen. Über 90 Prozent versuchten, den Muskelaufbau zu beschleunigen, indem sie verstärkt trainierten. Auch eventuell gesundheitsschädliche Methoden waren weit verbreitet: So konsumierten 34,7 Prozent Proteinpulver oder -shakes, 6,3 Prozent davon häufig. Insgesamt 5,9 Prozent der Jungen hatten während des vergangenen Jahres Steroide eingenommen, 10,5 Prozent andere muskelaufbauende Präparate.

Aber auch die Mädchen wollen offenbar nicht nur schlank, sondern auch muskulös sein. So berichteten die meisten über verstärktes Training (81 %) oder eine entsprechende Ernährung (62 %), um das Muskelbild zu beeinflussen. Mehr als jede Fünfte hatte im vergangenen Jahr Proteinpulver zu sich genommen, und selbst unter den Mädchen war der Steroidkonsum mit 4,6 Prozent und der Gebrauch anderer Muskelaufbaupräparate mit 5,5 Prozent keine Seltenheit.

Zwölf Prozent der Jungen und 6,2 Prozent der Mädchen gaben an, im Verlauf des Jahres drei oder mehr der fünf abgefragten Methoden zum Muskelaufbau genutzt zu haben. Darunter waren bei den Jungen doppelt so viele Sportler wie Nichtsportler. Unter Berücksichtigung verschiedener Kovarianten fielen einige Besonderheiten auf: etwa dass übergewichtige und adipöse Jungen dreimal so häufig Steroide einnahmen wie normalgewichtige oder dass Mädchen mit hohem BMI ihre Muskeln besonders gern mit Proteinpulver und -shakes aufpäppelten. Aber auch innerhalb von Sportteams war die zusätzliche Eiweißzufuhr bei Mädchen und Jungen ein beliebtes Mittel.

Fazit der Autoren

Auch wenn die Daten aus einem einzelnen US-Bundesstaat nicht ohne Weiteres auf die gesamten USA oder anderen Länder übertragbar seien, zeigten sie dennoch, so die Autoren, dass deutlich mehr Jugendliche als bislang berichtet zu muskelaufbauenden Methoden greifen würden. Dabei ist der Wunsch nach einem muskulöseren Körper durchaus nicht auf männliche Sportler beschränkt. Nach Ansicht der Autoren sollten Ärzte grundsätzlich nach den angewendeten Maßnahmen fragen, wenn sie bei einem Jugendlichen den Verdacht schöpfen, dass dieser gezielten Muskelaufbau betreibt. Dies böte eine Chance, über geeignete Methoden zu informieren und vor potenziellen Gesundheitsgefahren zu warnen.

Quelle: springermedizin.de

Originalpublikation: Eisenberg M. E. et al. Pediatrics 2012

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