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Kinder- und Jugendheilkunde 1. November 2012

Wenn der Computer zur Sucht wird

Burschen häufiger betroffen.

Ob im Zusammenhang mit ADHS oder generell: Exzessiver Medienkonsum und dessen Folgen für Kinder und Jugendliche rücken zunehmend in den Fokus des Interesses.

Eine Zahlengrundlage zur Häufigkeit psychischer Auffälligkeiten bietet die Bella-Studie, bei der Wissenschaftler vom UKE mit dem Berliner Robert Koch-Institut (RKI) zusammenarbeiten. ADHS ist der Bella-Studie zufolge bei Burschen mit 2,9 Prozent etwas ausgeprägter als bei Mädchen mit 1,4 Prozent. Diskutiert wird, ob exzessives Spielen an Computern oder Konsolen ein Auslöser sein könnte, wenn die Kinder sich nicht mehr konzentrieren oder nicht still sitzen können. Andererseits gelten diese Kinder als anfälliger für eine Mediensucht. „Es gibt bislang keinen direkten Beweis, dass exzessive Tätigkeit vor dem Bildschirm zu ADHS führt, wohl aber ist ein Zusammenhang zu beobachten“, sagte Dr. Christian Fricke, Tagungspräsident der 64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin.

Risikofaktoren

Von exzessivem Spielverhalten gehen die Experten aus, wenn Kinder mehr als 4,5 Stunden pro Tag vor dem Bildschirm hängen, sagte Fricke. Von einer „Sucht nach Computerspielen“ spreche man derzeit, wenn wie bei anderen körperlichen Abhängigkeiten ein starkes unwiderstehliches Verlangen danach bestehe. Die Kinder gingen ihren alten Interessen nicht mehr nach und verleugneten, wie lange sie eigentlich am Rechner gehockt hätten.

Bei männlichen Jugendlichen seien etwa drei Prozent betroffen, bei den Mädchen etwa 0,3 Prozent. Die Daten stammen aus einer Erhebung unter mehr als 15.000 Neuntklässlern. Diese Daten sind bereits einige Jahre alt, gelten aber noch als aktuell.

Eine zweijährige Studie aus Singapur mit mehr als 3.000 Kindern benannte im Jahr 2011 drei Risikofaktoren für eine Videospiel-Abhängigkeit: viel Zeit pro Woche vor dem Computer, wenig Sozialkompetenz und Einfühlungsvermögen in andere Menschen und eine höhere Impulsivität. Die Anerkennung dieser Phänomene als eigenständiges Krankheitsbild steht noch aus. Dies gilt laut Fricke etwa auch für den „krankhaften Internetgebrauch“, einheitliche Diagnoseverfahren liegen noch nicht vor.

springermedizin.de, Ärzte Woche 48/2012

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