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Kinder- und Jugendheilkunde 22. November 2012

Immer noch zu viele Verordnungen

Antibiotika bei Erkältungshusten: sinnlos bis schädlich.

Bei einem einfachen Erkältungshusten sind Antibiotika allgemein ungeeignet. Häufig werden sie nur zur Beruhigung der Eltern verschrieben, erläuterte Francesco De Blasio von der Universität Bologna seine Daten, die auf dem jährlichen Treffen der amerikanischen Pneumologen CHEST 2012 vorgestellt wurden.

Viele Eltern von hustenden Kindern sind erst beruhigt, wenn sie ein Rezept für ein Antibiotikum in Händen halten. Doch für den Nutzen bei einem einfachen Infekt fehlt bislang jeglicher Nachweis, ganz zu schweigen von möglichen Nebenwirkungen. Um die aktuelle Verschreibungspraxis der Ärzte zu untersuchen, beobachteten De Blasio und Kollegen 305 italienische Kinder, die wegen einer Erkältung mit akutem Husten einen Pädiater aufsuchten. 42 Prozent erhielten ein Antibiotikum: 89 als einziges Medikament, 38 zusammen mit einem Antitussivum. 44 Kinder erhielten ausschließlich ein zentral wirksames Hustenmittel und 79 nur ein peripher wirkendes. 55 Kinder wurden ganz ohne Medikation wieder nach Hause geschickt.

Die Antibiotikatherapie zeigte keinen Erfolg. Ob die Kinder nur antitussiv behandelt wurden oder in Kombination mit einem Antibiotikum, änderte nichts an der Dauer der Symptome. Im Gegenteil: Kinder, die nur ein Antitussivum einnahmen, hatten ihren Husten sogar schneller wieder los als diejenigen, die nur antibiotisch therapiert wurden. Gleichzeitig zeigte sich ein signifikanter Vorteil in der Wirksamkeit für Levodropropizin gegenüber zentral wirksamen Präparaten z. B. mit Codein (47% vs. 28%).

Seine Ergebnisse bestätigen die Empfehlungen in den evidenzbasierten Leitlinien zum Husten des American College of Chest Physicians. Zwar können Antibiotika hilfreich sein, wenn dem Husten eine bakterielle Infektion zugrunde liegt. Aber De Blasio warnte vor Übertherapie, da durch den wahllosen Einsatz dieser Medikamente mehr Schaden als Nutzen entstehe, vor allem im Hinblick auf Allergien und die Resistenzlage.

 

Quelle: Annual Meeting of the American College of Chest Physicians, 20.-25. Oktober 2012, Atlanta, Georgia.

springermedizin.de, Ärzte Woche 47/2012

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