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Kinder- und Jugendheilkunde 18. November 2012

Kleine Patienten, großes Leid

Speziell Kinder leiden häufig an Neurodermitis. Es gibt zwar keine Kausaltherapie, aber die Symptome können wirksam behandelt werden.

Wenn Kinder von Neurodermitis betroffen sind, leidet das ganze Umfeld mit. Eine kausale Therapie der chronischen Erkrankung ist nicht in Sicht, aber diverse Verhaltensmaßregeln und eine adäquate medikamentöse Behandlung können Erleichterung verschaffen.

Es sind nicht nur berufliche Gründe, warum Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer als Experte für Neurodermitis bei Kindern gilt. Als Vater eines Neurodermitis-Patienten kennt er aus erster Hand die Ohnmacht, ambivalenten Gefühle, den sozialen Druck und das Leiden der Betroffenen: „Stellen Sie sich vor, Ihr gesamter Körper ist ständig von Gelsenstichen überzogen.“

In Österreich leiden 10 bis 15 Prozent der Kinder unter Neurodermitis (Tendenz steigend), über die Hälfte der Erkrankungen beginnt bereits im Säuglings- oder Babyalter. Laut Zwiauer manifestiert sich die Erkrankung bei 60 Prozent der Patienten im ersten, bei 90 Prozent bis zum fünften Lebensjahr. Ein kleiner Trost: Je früher der Beginn, desto wahrscheinlicher ist eine Rückbildung in der Pubertät.

Eine Erkrankung, viele Namen

Die chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit zählt zur Gruppe der atopischen Erkrankungen und ist auch unter den Bezeichnungen atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, endogenes oder chronisch konstitutionelles Ekzem, Asthmaekzem oder Prurigo Besnier bekannt. Neurodermitis, die wohl geläufigste Bezeichnung, sei laut Zwiauer irreführend, weil mittlerweile widerlegt wurde, dass eine Nervenentzündung zugrunde liege.

Hinter den verschiedenen Namen verbirgt sich eine chronisch rezidivierende, stark juckende, ekzematöse Hauterkrankung aus dem atopischen Formenkreis, die schubweise verläuft. Charakteristisch ist die Hauttrockenheit, die Ausprägung der Symptome aber höchst variabel: Im Säuglingsalter dominieren große schuppige Auflagerungen und unregelmäßige Erosionen – vor allem im Gesicht und am Kopf – sowie Entzündungen der Epidermis und Dermis, ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr finden sich trockene stark juckende Herde an den Beugeseiten der Extremitäten und im Hals- bzw. Nackenbereich. Im Schulalter kommt es schließlich zunehmend zur Chronifizierung und Lichenifikation der Haut; die Ekzeme beschränken sich dann meist auf einzelne „Problembereiche“ wie Beugen, Hals/Nacken und Handgelenke. Auf den Juckreiz wird mit vermehrtem Kratzen reagiert, was wiederum zu Entzündungen führt, die noch mehr Disziplin und Konsequenz erfordern. Ein Teufelskreis.

Behandlung

Es gibt keine Kausaltherapie, die Behandlung der Erkrankung, muss von Fall zu Fall abgestimmt werden. Wenn es um Neurodermitis bei Kindern geht, sind natürlich auch die Eltern ganz besonders gefordert; beim individuellen Behandlungskonzept fungieren sie quasi als Co-Therapeuten: Im Vordergrund stehen die Patientenführung, Aufklärung und Beratung und ein generelles Management; der Therapieaufbau erfolgt stufenweise und reicht von Allgemeinmaßnahmen (Körperpflege, Entspannung,…) und Basispflege (regelmäßiges Eincremen), bis hin zur medikamentösen Therapie, die nur bei erhöhtem Leidensdruck zum Einsatz kommt: Dafür stehen neben Glucocorticoiden vor allem topische Calzineurininhibitoren (CI) wie Tacrolimus zur Verfügung, die, so Zwiauer, „ein neues, effektives und nebenwirkungsarmes Therapiekonzept bieten.“

Topische Calcineurininhibitoren

Topische CI haben laut Zwiauer einige Vorteile: Sie sind generell arm an Nebenwirkungen – abgesehen von einer passageren lokalen Irritation – und haben keinen Einfluss auf die Rate systemischer oder lokaler Infektionen Alle klinischen Studien und die Daten aus der klinischen Praxis zeigen keine Evidenz für ein erhöhtes Malignomrisiko im Zusammenhang mit der Anwendung von CI. Eine systemische Immunsuppression konnte nicht nachgewiesen werden, die immunmodulatorischen Effekte sind auf die Haut beschränkt. Auch gäbe es nach Zwiauer keine Kumulation, das heißt, man könne nicht „zu viel schmieren“. Trotzdem: Diese positiven Eigenschaften seien allerdings keinesfalls als Freibrief für eine unkontrollierte Behandlung zu sehen.

Quelle: Journalisten-Roundtable „Schule, juckt mich (nicht)! – Wenn Schulstress unter die Haut geht“, September 2012 in Wien; Veranstalter: Astellas Pharma

Ratgeber: „Alex, kratz dich nicht“
Oft geht es den Kindern nicht anders als ihren Eltern: Sie verstehen nicht genau, was mit und in ihnen vorgeht, wenn sie unter atoptischer Dermatitis leiden. „Alex, kratzt dich nicht“, ein Ratgeber von Astellas Pharma speziell für Kinder geschrieben, erklärt die Symptome und wie sich „Auslöser“ reduzieren oder vermeiden lassen können. In kindgerechter Sprache wird Ursache und Verlauf der Krankheit geschildert. Abbildungen runden den Text ab.
Zusätzlich zur Broschüre stellt Astellas auch einen Kurzfilm mit dem gleichnamigen Titel zur Verfügung. In der Fantasiegeschichte gehen Alex und die Figur „Gufi“ auf Entdeckungsreise. Sie erfahren u.a. wie atopische Haut beschaffen ist, wie man sie pflegen soll und wie man erneute Ausbrüche vermeiden kann. Broschüre und Kurzfilm werden den Kinderärzten und Dermatologen zur Verfügung gestellt und können direkt auf der Homepage unter www.astellas.at angesehen werden.

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