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Die drei Kleidungsstile – förmlich, halbförmlich, informell.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 17. Oktober 2012

Kleider machen Ärzte

Beeinflussung der Arzt-Patienten-Eltern-Beziehung durch Kleidung.

Hat die Kleidung des Kinderarztes einen Einfluss auf die Wahrnehmung von Kindern und Eltern auf einer Kinderstation? Um diese Frage zu beantworten, wurde im Rahmen einer Diplomarbeit der Medizinischen Universität Graz eine Studie am LKH Leoben-Eisenerz durchgeführt. Die Ergebnisse der einzigartigen Studie wurden nun in der angesehenen Zeitschrift Acta Paediatrica publiziert.

 

Im Rahmen der Studie wurde unter anderem untersucht, ob bunte Kleidung einen Kinderarzt sympathischer für die Kinder macht und ob Eltern einem leger gekleideten Arzt dasselbe Vertrauen schenken. Dazu wurden drei Kleidungsstile ausgewählt: förmlich – mit Krawatte & weißem Mantel, halbförmlich – mit weißem Poloshirt und informell – mit buntem T-Shirt.

Weiters wurden zwei Fragebögen (einer für Eltern, einer für Kinder zwischen 6 und 18 Jahren) und ein Beobachtungsbogen (für Kinder unter 6 Jahren) ausgearbeitet. Insgesamt wurden über einen Zeitraum von zwei Monaten die Daten an 179 Personen (48 Kinder unter 6 Jahren, 59 Kinder zwischen 6 und 18 Jahren und 72 Eltern) erhoben.


Beeinflussung der Arzt-Patienten-Eltern-Beziehung durch Kleidung

Im Anschluss an die Visite, bei der der Arzt eines der drei Outfits trug, fand die Befragung der Kinder und Eltern statt. Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, nicht unerwartet, dass das „bunte Outfit“ von den Kindern eindeutig favorisiert wird. Bei den 6 bis 18 jährigen wählten 100 % der Kinder, die das „bunte Outfit“ gesehen hatten, die beste Note für dieses Outfit aus. Danach wurde die Frage gestellt, welches Outfit die Kinder bevorzugen. Dazu wurden drei Fotos von einem Arzt in den Outfits förmlich, halbförmlich, informell gezeigt. 52,9 % der Gruppe 1 (Kinder, die die förmliche Kleidung des Arztes bei der Visite gesehen hatten), 41,17 % der zweiten Gruppe (halbförmlich) bzw. 85,7 % der Gruppe 3 (informell) wählten das bunte „informelle Outfit“. Interessant ist, dass auch die Eltern das „informelle Outfit“ bevorzugen – 95,45 % der Eltern, die das informelle Outfit des Arztes bei der Visite gesehen haben, gaben die Note eins.

Auch in den anderen beiden Gruppen bewegte sich die Zustimmung zwischen 53,85 % (formelle Gruppe) und 70,83 Prozent in der „halbförmlichen“ Gruppe. Ein weiteres überraschendes Ergebnis: Patienten als auch Eltern haben zum "bunten Arzt" am meisten Vertrauen. 95,45 % der befragten Eltern haben in der „informellen“ Gruppe höchstes Vertrauen zu ihrem Arzt, in der „förmlichen Gruppen“ waren es 84,6 %. Bei der Auswertung der Daten von den Kleinkindern bis 6 Jahre (Verhaltensbeobachtung) zeigte sich, dass das Outfit des Arztes keine Rolle spielte.

„Es freut uns sehr, dass die Ergebnisse der Diplomarbeit in der angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift „Acta Paediatrica“ publiziert werden“, erläutert Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche des LKH Leoben und Betreuer der Diplomarbeit. „Weiters planen wir die Vorstellung der Ergebnisse dieser Diplomarbeit unter unseren KollegInnen“. „Als Gesundheitsuniversität sind für uns auch solche Fragen wichtig. Außerdem ist die Studie ein gutes Beispiel der Zusammenarbeit der Universität mit den steirischen Krankenhäusern“, so Prof. Dr. Josef Smolle, Rektor der Medizinischen Universität Graz.

Publikation in Acta Paediatrica
How to dress as a paediatrician?Julia Hofmann, Heinz Zotter, Reinhold Kerbl
DOI:10.1111/apa.12020
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22962859  

MedUni Graz, springermedizin.at

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