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Kinder- und Jugendheilkunde 21. September 2012

Fortschritte in der Kinderchirurgie

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie



Professor Dr. med. Jörg Fuchs, Präsident DGKCH, Ärztlicher Direktor der Kinderchirurgie und Kinderurologie mit Poliklinik am Universitätsklinikum Tübingen ging in der Pressekonferenz zur Tagung auf die medizinische Entwicklung der DGKC ein und sprach die Bereiche Qualitätssicherung und Prävention als Zukunftsthemen an.

„Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) kann in den letzten 50 Jahren auf eine erfolgreiche medizinische Entwicklung zurückblicken. Kinderchirurgen wie Fritz Rehbein etablierten in den 60er Jahren neue, international anerkannte Operationsmethoden, und auch heute nimmt die deutsche Kinderchirurgie international eine führende Rolle ein. Ein Beleg dafür ist unter anderem die Austragung von zwei international hochkarätigen Kongressen im Jahr 2013, dem Europäischen Kinderchirurgenkongress in Leipzig und dem Weltkongress für Kinderchirurgie in Berlin.

Durch die spezielle kinderchirurgische Behandlung konnten die Überlebensraten von angeborenen Fehlbildungen wie Nichtdurchgängigkeit der Speiseröhre, Bauchwanddefekte oder Darmatresien von 20 Prozent in den 1960er Jahren auf über 95 Prozent gesteigert werden: ein Erfolg, der nicht nur auf der Chirurgie allein, sondern auch der besseren intensivmedizinischen Betreuung der Neugeborenen beruht.

Außerdem gelang es, die Lebensqualität der Kinder deutlich zu verbessern (zum Beispiel soziale Stuhl- und Urinkontinenz bei Fehlbildungen) und durch die Einführung von minimal-invasiven Operationsverfahren das Operationstrauma zu reduzieren. Gleichzeitig wurden die kosmetischen Resultate erheblich verbessert. Beispiele hierfür sind die sogenannte „Knopflochchirurgie“ bei Lungenfehlbildungen oder Nichtdurchgängigkeit der Speiseröhre im Neugeborenenalter. All diese Entwicklungen basieren auf dem Engagement von Chirurgen, die sich ausschließlich der Behandlung von Kindern widmen.

Einen weiteren Meilenstein stellt die chirurgische Behandlung von Krebserkrankungen dar. Durch eine enge interdisziplinäre Kooperation mit Kinderärzten und Strahlentherapeuten gelang es, auf der Grundlage von bundesweit einheitlichen Behandlungsprotokollen die Überlebensrate der Kinder mit Krebserkrankungen von 20 Prozent Anfang der 1970iger Jahre auf 75 bis 80 Prozent zu verbessern. Diese Entwicklung stellt eigentlich eine medizinische Revolution dar und ist heute Vorbild für die Weiterentwicklung von Behandlungskonzepten in der Erwachsenenonkologie. Die Kinderchirurgen erarbeiten hierzu chirurgische Behandlungsrichtlinien mit dem Ziel der Organerhaltung und der Reduktion von verstümmelnden Operationsverfahren in der Kinderkrebstherapie. Eine weitere Optimierung in der Behandlung erhofft man sich durch eine Zentralisierung der onkologischen Betreuung auf der Grundlage des GBA-Beschlusses Kinderonkologie.

Die Entwicklung der Kinderurologie als weiteres Arbeitsfeld innerhalb der Kinderchirurgie wurde wiederum durch die „Knopflochchirurgie“ vorangebracht. Heute werden Nierenentfernungen oder Nierenteilentfernungen zum Teil nur über einen minimalen Zugang am Bauchnabel bzw. Operationen am Nierenbecken und Harnleiter über Drei-Millimeter-Einschnitte durchgeführt.

In den letzten Jahren setzt sich die DGKCH zunehmend mit Fragen der Qualitätssicherung auseinander, um allen Kindern eine optimale und fachgerechte Behandlung anzubieten. Ein Weg der Qualitätskontrolle ist die Zertifizierung von Behandlungszentren. Hierzu erarbeitet die Fachgesellschaft zum Beispiel in der Neugeborenenchirurgie ein bundesweit einheitliches Konzept.

Zukünftig sieht die Fachgesellschaft ihre Aufgabe aber auch in der Prävention von kindlichen Unfällen. Hierzu sind entsprechende Arbeitsgruppen aktiv“, berichtete der Experte.

 

Literatur

 

Guido Seitz, MD, Tobias M. Dantonello, MD, Christoph Int-Veen, Dipl-Med Inform.,

Gunnar Blumenstock, MD, MPH, Jan Godzinski, MD, Thomas Klingebiel, MD, Andreas Schuck, MD, Ivo Leuschner, MD, Ewa Koscielniak, MD, and Jorg Fuchs, MD on behalf of the CWS-96 Study Group: Treatment Efficiency, Outcome and Surgical Treatment Problems in Patients Suffering From Localized Embryonal Bladder/Prostate Rhabdomyosarcoma: A Report From the Cooperative Soft Tissue Sarcoma Trial CWS-96 Pediatr Blood Cancer_ 2010 Wiley-Liss, Inc. DOI 10.1002/pbc.22950. Published online in Wiley Online Library (wileyonlinelibrary.com)

Jan Godzinski, MD, PhD, Harm van Tinteren, PhD, Jan de Kraker, MD, PhD, Norbert Graf, MD, Christophe Bergeron, MD, PhD, Hugo Heij, MD, PhD, Dietrich von Schweinitz, MD, Joerg Fuchs, MD, Giovanni Cecchetto, MD, George Audry, MD, Frederic Gauthier, MD, and Bengt Sandstedt, MD on behalf of the SIOP Nephroblastoma Trial & Study Committee: Nephroblastoma: Does the Decrease in Tumor Volume Under Preoperative Chemotherapy Predict the Lymph Nodes Status at Surgery? Pediatr Blood Cancer 2011;57 : 1266 – 1269 _ 2011 Wiley Periodicals, Inc. DOI 10.1002/pbc.23147 Published online 29 April 2011 in Wiley Online Library (wileyonlinelibrary.com)

Joerg Fuchs, MD, Katarina Kienecker, MD, Rhoikos Furtwangler, MD, Steven W. Warmann, MD, Dietrich Bürger, MD, Joachim W. Thürhoff, MD, Josef Hager, MD and Norbert Graf, MD: Surgical Aspects in the Treatment of Patients With Unilateral Wilms Tumor A Report From the SIOP 93- 01/German Society of Pediatric Oncology and Hematology Annals of Surgery • Volume 249, Number 4, April 2009 © Lippincott Williams & Wilkins

 

Quelle:

Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) anlässlich der 50. Jahrestagung, 14. September 2012, CCH Hamburg; Presseaussendung

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