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Diagnose Gehirnerschütterung: Fragen Sie, ob das Kind bewusstlos war.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 14. September 2012

Unaufmerksam und vergesslich

Gehirnerschütterung bei Kindern: oft langfristige Folgen.

Ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma kann bei Kindern spürbare kognitive Defizite nach sich ziehen. Wie eine US-amerikanische Studie gezeigt hat, können neu aufgetretene Störungen wie Konzentrationsschwäche oder Vergesslichkeit langfristig anhalten und die Alltagsfunktionen beeinträchtigen.

186 Kinder mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) hatten an der Studie des Pädiater-Teams um Keith Owen Yeates von der Universität Ohio teilgenommen. Alle waren zwischen acht und 15 Jahre alt und hatten nach dem Unfall entweder das Bewusstsein verloren, wiesen einen Wert von mindestens 13 oder 14 im Glasgow Coma Scale auf (maximale, d.h. optimale Punktzahl bei vollem Bewusstsein: 15) oder zeigten in der Notaufnahme mindestens zwei klinische Zeichen/Symptome einer Gehirnerschütterung. Als Vergleichsgruppe dienten 99 gleichaltrige Patienten mit orthopädischen Traumata (Arm- oder Beinbrüchen).

Prognosefaktor Bewusstlosigkeit

Die Gehirnerschütterung hatte dafür gesorgt, dass die Kinder im Schnitt unaufmerksamer, vergesslicher und langsamer wurden, insbesondere wenn eine Ohnmacht eingetreten war. Sowohl zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung als auch nach drei und zwölf Monaten schnitten die Kinder mit Hirntrauma eindeutig schlechter ab als die orthopädischen Patienten. Die jeweiligen Veränderungen haben die Autoren mithilfe des „Reliable Change“ berechnet, ein statistisches Instrument, das sich zum Erfassen von Funktionsunterschieden zu verschiedenen Zeitpunkten bewährt hat. Im Hinblick auf die somatischen Beschwerden waren die Gruppenunterschiede zunächst zwar ebenfalls signifikant, sie nahmen aber mit zunehmender Dauer ab.

Bei der initialen Einschätzung gaben in der Gruppe mit SHT noch deutlich mehr Patienten Müdigkeit oder Kopfschmerzen an als in der Vergleichsgruppe. Ein auffälliger MRT-Befund war damit eindeutig assoziiert. Der Unterschied zwischen den Gruppen hatte sich jedoch nach drei Monaten relativiert.

Auswirkungen auf die Lebensqualität

Sofern die Symptome persistierten, schlugen sie sich erheblich auf die Lebensqualität nieder. Dies traf sowohl für die physische Komponente des HRQOL-Scores (Health Related Quality of Life) als auch für dessen psychosoziale Komponente zu. Kinder, die drei Monate nach dem Trauma noch unter Symptomen einer Gehirnerschütterung litten, waren häufig Kandidaten für eine pädagogische Intervention. Für die Wissenschaftler ist das ein Hinweis, dass anhaltende Symptome durchaus Konsequenzen für das Funktionieren im Alltag haben. Es sei daher wichtig, gefährdete Kinder frühzeitig zu identifizieren, um entsprechende Fördermaßnahmen einleiten zu können.

springermedizin.de, Ärzte Woche 37/2012

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