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© Sven Simon / imago
Engagierte Erstklässler: In Sachsen-Anhalt wird geprüft, wie fit sie mit Blick auf ihre Gesundheit sind.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 6. September 2012

Dicke Luft im Klassenzimmer

Schlechte Luftqualität in Unterrichtsräumen wirkt sich ungünstig auf die Lungenfunktion aus.

Die Luftqualität in Klassenzimmern lässt in der Regel zu wünschen übrig. Dies hat negative Auswirkungen auf die Lungenfunktion der Kinder.

„Ich bin auf das Lebendigste überzeugt, dass wir die Gesundheit unserer Jugend wesentlich stärken würden, wenn wir in den Schulhäusern, in denen sie durchschnittlich fast den fünften Teil des Tages verbringt, die Luft stets so gut und rein erhalten würden, dass ihr Kohlensäuregehalt nie über ein Promille anwachsen könnte.“ Dieser Satz des Hygienikers Prof. Dr. Max von Pettenkofer ist über 150 Jahre alt, aber immer noch aktuell. Denn in den meisten Unterrichtsräumen mit Fensterlüftung kann der „Pettenkofer-Wert“ von 0,1 Prozent CO2 nicht eingehalten werden, zum Teil wird er deutlich überschritten. Dies wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit der Schüler aus.

Gute Pisa-Werte durch Lüften?

„Die beim Pisa-Test so erfolgreichen skandinavischen Schülerinnen und Schüler lernen in der Regel in mechanisch belüfteten Klassen, während unsere Jugend buchstäblich im eigenen ‚Dampf‘ sitzt“, betont etwa Dr. Heinz Fuchsig, Umweltmedizin-Co-Referent der Österreichischen Ärztekammer.

Projekt LuKi

Im Rahmen des österreichischen Kinder-Umwelt-Gesundheits-Aktionsplans beschäftigte sich das Projekt „LuKi“ (Luft und Kinder) ausführlich mit der Luftqualität in neun Ganztagsschulen in fünf Bundesländern (Wallner P. et al., Journal of Environmental Monitoring 2012, siehe Quellen). In praktisch allen Fällen wurden die CO2-Richtwerte überschritten.

Darüber hinaus untersuchten die Forscher eventuelle Auswirkungen der Qualität der Innenraumluft in den Schulen auf die Lungenfunktion von 433 Kindern (Erst- und Zweitklässler). Dabei wurden auch der sozioökonomische Status der Eltern, der Wohnort (Stadt beziehungsweise Land) und die Tabakrauchbelastung zu Hause bei der durchgeführten statistischen Analyse berücksichtigt.

Effekte auf die Lungenfunktion

Bei insgesamt 34 Schadstoffen, die deutliche Konzentrationsunterschiede zwischen den Schulen zeigten, wurde zudem überprüft, ob sie (statistisch) mit negativen Effekten auf die Lungenfunktion der Kinder assoziiert sind. „Es zeigte sich, dass dies für Formaldehyd, Xylol, Ethylbenzol und Benzylbutyl-Phthalat der Fall war, weiters für die Flammschutzmittel TDCPP und polybromierte Diphenylether“, fassten die Forscher zusammen.

Kinder vor Chemikalien schützen

Aus umweltmedizinischer Sicht seien daher strengere stoffpolitische Maßnahmen notwendig, um Kinder besser vor Chemikalien aus Gebrauchsgegenständen, Inneneinrichtung und Baumaterialen zu schützen.

„Von Bedeutung für eine gute Schulluft wäre auch eine Materialbeschaffung nach ökologischen Kriterien sowie der sorgsame und bestimmungsgemäße Gebrauch von lösungsmittelhaltigen Produkten wie etwa Klebstoffen“, so die Wissenschaftler, welche die Untersuchung durchgeführt haben. Empfehlenswert sei auch der Einbau mechanischer Lüftungsanlagen, da diese zu einer Reduktion der Schadstoffkonzentrationen führen.

Optimale Lüftungsanlagen

Auch der Arbeitskreis Innenraumluft im Lebensministerium empfiehlt in einem Positionspapier den Einbau von lüftungstechnischen Anlagen in Schul-, Unterrichts- oder Gruppenräumen. Unzureichend geplante, nicht optimal errichtete oder ungenügend gewartete lüftungstechnische Anlagen können allerdings zu einem hygienischen Risiko werden, wie der Arbeitskreis warnt.

Das Luftleitungsnetz sei aus diesem Grund so zu planen und auszuführen, dass Verunreinigungen einfach festgestellt werden können und eine Reinigung auch ohne Demontage von Anlagenkomponenten möglich ist. Zu bedenken sei zudem, dass die Anordnung der Außenluftansaugung einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität der Zuluft hat.

„Ein wichtiger Punkt ist auch die Vermeidung des Eintritts von Luftverunreinigungen in das Luftleitungsnetz durch entsprechend hohe Filterklassen“, so der Innenraumluft-Arbeitskreis des Ministeriums.

Die Montage der Anlage sollte möglichst erst nach Abschluss staubverursachender Tätigkeiten erfolgen. Falls nötig, ist eine Bauendreinigung des Luftleitungssystems durchzuführen.

Quellen:

Indoor air in schools and lung function of Austrian school children:

http://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2012/em/c2em30059a  

http://www.lebensministerium.at/umwelt/luft-laerm-verkehr/luft/innenraumluft/positionspapiere.html  

P. Wallner, Ärzte Woche 36/2012

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