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Grippe – oder bloß Erkältung?

Kinder unter fünf Jahren haben ein erhöhtes Risiko, an Influenza zu erkranken.

Die Influenza ist im Gegensatz zur banalen Erkältung eine ernstzunehmende Erkrankung, die bei gefährdeten Personen – das sind Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke – Komplikationen auslösen kann. Bis zu 15 Prozent der Kinder erkranken jährlich während der Wintermonate an der Influenza, die laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) nicht nur eine der häufigsten, sondern auch eine der folgenschwersten Infektionskrankheiten ist.

Speziell Kinder unter fünf Jahren sind einem erhöhten Risiko im Hinblick auf Influenza-Infektionen ausgesetzt. Hier liegt die Inzidenz zwischen 18-21 Prozent. Im Vorschulalter kann diese aber auch bis zu 40 Prozent betragen. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Dichte Menschenansammlungen – wie eben in Schulen und Kindergärten – fördern die Virusausbreitung. Die klinischen Symptome einer Influenza sind charakterisiert durch einen plötzlichen Krankheitsbeginn, hohes Fieber (> 38 C), Husten, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen. Otitis Media ist eine der häufigsten Folgen einer Influenza-Infektion bei Kindern. In der Regel erkranken Kinder schwerer, da ihr Körper kaum Erfahrungen mit Infektionen unterschiedlicher Influenza-Subtypen gemacht hat. Kinder sind zudem bis zu sieben Tage infektiös. Therapie der Influenza bei Kindern Wird die Diagnose Influenza gestellt, ist grundsätzlich eine umgehende antivirale Therapie angezeigt. Mittel der Wahl sind Neuraminidasehemmer: Tamiflu® (Oseltamivir) Kindersaft bzw. Kapseln für Kinder ab einem Jahr, Relenza® (Zanamivir) Pulver zur Inhalation für Kinder ab fünf Jahren. Studien zeigen, dass bei rechtzeitiger Einnahme die Erkrankungsdauer und die Häufigkeit von Komplikationen signifikant gesenkt werden kann. Ein rascher Therapiebeginn kann die Genesung wesentlich fördern. Zudem ist eine Eindämmung der Ausbreitung von Influenza-Infektionen im Umfeld der Kinder zu erwarten. In jedem Fall sollte mit der Einnahme innerhalb von zwei Tagen nach Auftreten der ersten klinischen Symptome begonnen werden. Der österreichische Kinderarzt und Impfexperte OMR Dr. Wilhelm Sedlak hat gemeinsam mit anderen niedergelassenen Ärzten in den letzten Jahren Erfahrungen mit der Therapie von Influenza bei Kindern gesammelt und kommt zu dem Schluss, dass keinem Kind eine Therapie verwehrt bleiben sollte. „Die Therapie mit Neuraminidasehemmern wie Oseltamivir ist einfach und vor allem effektiv. Durch den Einsatz antiviraler Medikamente kann nicht nur das Auftreten von Komplikationen verringert, sondern auch der Einsatz von Antibiotika bei sekundären Komplikationen drastisch gesenkt werden. Trotz Bedenken einer gewissen Resistenzentwicklung gegen Tamiflu ist der Einsatz antiviraler Medikamente sinnvoll. Wie im aktuellen Konsensuspapier zur Prävention, Diagnose und Therapie der Influenza nachzulesen ist, haben auch die im Rahmen des Influenza Monitoring routinemäßig erfassten Resistenzzahlen bislang keine Relevanz für die therapeutische Praxis. Beginn und Ausmaß der Grippewelle werden vom Klinischen Institut für Virologie der Medizinischen Universität Wien im Rahmen des Diagnostischen Influenza Netzwerks (www.influenza.at) festgestellt“, so der Experte. Prophylaxe der Influenza bei Kindern Aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos raten Experten zur Influenza- Impfung. Die Prophylaxe mit antiviralen Medikamenten hat sich in zahlreichen Studien als effektiv erwiesen, ersetzt aber nicht die Grippeimpfung. Sind im selben Haushalt Personen an der Influenza erkrankt und besteht keine ausreichende Immunisierung, kann eine antivirale Postexpositionsprophylaxe (PEP) über einen Zeitraum von zehn Tagen (halbe therapeutische Dosis) erwogen werden. Darüber hinaus kann eine PEP mit Neuraminidasehemmern jedem angeboten werden, der über keinen aufrechten Impfschutz verfügt und sich nach Kontakt mit einer an Influenza erkrankten Person vor der Erkrankung schützen will. Quellen: Österreichische Empfehlungen zur Prävention, Diagnose und Therapie von Influenza-Infektionen, Konsensus November 2008, Focused Publishing William Paul Glezen, MD, „Modifying Clinical Practices to Manage Influenza in Children Effectively“, The Pediatric Infectious Disease Journal • Volume 27, Number 8, August 2008: 738–743) Poehling et al., „The Underrecognized Burden of Influenza in Young Children“, N Engl J Med 2006;355:31-40. Ramet, Weil-Olivier, Sedlak, „Influenza vaccination: The paediatric perspective“, Vaccine 25 (2007) 780–787 Whitley, „The role of oseltamivir in the treatment and prevention of infl uenza in children“, Expert Opin. Drug Metab. Toxicol. (2007) 3(5):755-767 American Academy of Pediatrics „Antiviral Therapy and Prophylaxis for Influenza in Children“, Committee on Infectious Diseases, Pediatrics 2007;119;852-860Literatur auf Anfrage
Tab. 2: Dosierungsschema für Tamiflu®
  Therapie über 5 Tage Prophylaxe postexpositionell über 10 Tage saisonal bis zu 6 Wochen
Erwachsene/Jugendliche ab 13 Jahren: 75 mg zweimal täglich 75 mg einmal täglich
Kinder ab einem Jahr    
≤ 15 kg Körpergewicht 30 mg zweimal täglich 30 mg einmal täglich
> 15 kg Körpergewicht 45 mg zweimal täglich 45 mg einmal täglich
> 23 bis 40 kg Körpergewicht 60 mg zweimal täglich 60 mg einmal täglich
> 40 kg Körpergewicht 75 mg zweimal täglich 75 mg einmal täglich
Tab. 1: Influenza Impfschema für Kinder*
Alter des Kindes Dosis (Erwachsenenimpfstoff) Intervall
6 bis 36 Monate 0,25ml Bei Erstimpfung zwei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat**
3 bis 8 Jahre 0,5ml Bei Erstimpfung zwei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat**
> 8 Jahre 0,5ml  
*gemäß Österreichischem Impfplan 2008 **Wenn ein Kind (bis zum achten Lebensjahr) zur Erstimmunisierung nur eine Dosis erhalten hat, sollten im darauf folgenden Jahr zwei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat verabreicht werden; dann jährlich eine Dosis.

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