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Foto: pixelio.de / B.Stolze
Der Gang auf die Toilette ist für manche Kinder problematisch.
 

Schüler gehen zu selten aufs Klo

Ängste und mangelnde Sauberkeit verhindern die Notdurft.

Verschmutzte Toiletten, schlechte Klo-Regelungen durch die Lehrer oder fehlende Sicherheit halten Kinder davon ab, während des Unterrichts aufs Klo zu gehen. Das berichtet die Kinderkrankenschwester Barbo Lundblad von der Universität Göteburg im Journal of School Health.

 

400 Schüler zwischen sechs und 16 Jahren wurden nach ihren Gewohnheiten in Sachen Toilettenbenutzung während des Unterrichts befragt. Die meisten müssen demnach mindestens einmal pro Schultag auf die Toilette. Jedes sechste Kind uriniert jedoch nie und zwei Drittel der Befragten meiden den Stuhlgang in der Schule, wobei besonders 13- bis 16- Jährige negativ gegenüber dem Toilettenbesuch eingestellt sind.

Schlechte Hygiene zeigte sich in der Befragung als die wichtigste Barriere für den Klobesuch. Viele Kinder beklagten sich über üble Gerüche, über Urin- und Fäkalienreste auf der Klobrille, über einen nassen und beschmutzten Boden sowie über das Fehlen von Toilettenpapier, Seife und Papierhandtüchern. Ein weiterer Aspekt sei die Sicherheit. „Viele Kinder haben Probleme mit dem Türschloss oder fürchten sich davor, auf der Toilette eingeschlossen zu werden", so Lundblad. Doch auch die Vorgänge im Klassenzimmer und das Verhalten des Lehrers entscheiden darüber, ob Schüler einer Notwendigkeit nachkommen oder nicht. „Ältere Kinder finden es beschämend und als Verstoß gegen den Anstand, die Hand zu heben und den Lehrer vor der ganzen Klasse zu informieren, dass sie aufs Klo gehen müssen.“

Wer trotz Bedarf nicht aufs Klo geht, senkt damit das Wohlbefinden während des Unterrichts. Darüber hinaus kann solches Verhalten auch auf Kosten der Gesundheit gehen. Laut Lundblad leidet jedes fünfte Kind an Problemen mit Blase oder Darm. Für diese Kinder sei Sauberkeit und Sicherheit auf der Toilette besonders bedeutend.

Keine Hemmungen in Österreich

Erich Lemberger, Vizepräsident der Gesellschaft der Schulärzte Österreichs, sieht kaum derartige Probleme im Schulalltag. „Kinder haben heutzutage bis zu drei Jahre früher als in vergangenen Zeiten eine ausgeprägte Persönlichkeit. Sie haben dadurch kaum Hemmungen, dem Lehrer gegenüber eigene Wünsche auszudrücken", erklärt der Schularzt. Entsprechend Lembergers Erfahrungen bei Schülern zwischen zehn und 18 Jahren gehören Probleme mit Sauberkeit und Sicherheit auf den Toiletten der Vergangenheit an. „Manche Lehrer lassen die Türe offen, sobald jemand auf die Toilette geht. Dadurch werden sie nach zwei bis drei Minuten an die Rückkehr der Schüler erinnert“, so der Wiener Mediziner.

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