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Satellitensymposium: Update Allergien

Diagnostik, Therapie & Prävention

Jeder kennt sie – keiner will sie. Doch immer mehr haben sie: Allergische Erkrankungen wie Asthma bronchiale, Heuschnupfen, atopische Dermatitis oder Nahrungsmittelallergien haben während der letzten 50 Jahre dramatisch zugenommen. Schätzungen zufolge leiden etwa 30 % der industrialisierten Bevölkerung an einer Allergie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet allergische Erkrankungen als die häufigste chronische Krankheit bei Kindern in der Europäischen Union.

Von der Mücke zum Elefanten

Aus der Sicht des Immunologen ist die allergische Reaktion eine „falsche Antwort“ des Immunsystems auf völlig harmlose Moleküle. Im Gegensatz zu Viren, Bakterien oder Parasiten, besteht keine Notwendigkeit einer aggressiven Abwehrreaktion. Die häufigsten und typischen Allergene sind ungefährliche „Naturstoffe“, in der Regel Proteine, die in Pollen von Bäumen oder Gräsern, im Speichel und Fell von Tieren, im Kot von Milben, in Insekten und in Pilzsporen vorkommen. Im Laufe der allergischen Entwicklung kann sich diese fehlgeleitete Immunreaktion ausbreiten. Sie kann zu schweren systemischen Formen wie Allergien gegen Nahrungsmittel und allergischem Asthma führen.

Früherkennung als A und O der Therapie

Eine Allergie ist keine vorübergehende Unpässlichkeit, die sich mit der Zeit „auswächst“, sondern eine ernst zu nehmende Erkrankung, die es so bald als möglich in den Griff zu bekommen gilt. Die frühzeitige und exakte Diagnose ist der entscheidende Eckpfeiler bei der Allergie-Behandlung. Neueste Verfahren der molekularen und genetischen Charakterisierung von Allergenen ermöglichen eine verbesserte Therapie. Dank der Entschlüsselung der Erbinformationen der einzelnen Allergene konnten verwandtschaftliche Verhältnisse zwischen Allergenproteinen definiert werden. Mit der Kenntnis der Proteinfamilien, gegen die der Patient sensibilisiert ist, lässt sich zukünftig eine „Risiko-Landkarte“ erstellen, auf die Ernährung und Lebensweise abgestimmt werden können.

State-of-the-Art der Diagnostik

Im Mittelpunkt der In-vitro-Allergie- diagnostik allergischer Erkrankungen steht der Nachweis spezifischer IgE-Antikörper. Damit wird der Status einer allergischen Sensibilisierung belegt. Demgegenüber spielt IgG (IgG4) Diagnostik keine Rolle bei der Identifikation einer allergischen Reaktion. Im Gegenteil: IgG-/IgG4-Antikörper sind ein Hinweis darauf, dass sich eine eher tolerante Immunantwort ausgebildet hat. Im Rahmen der zellulären Diagnostik rücken der Basophilen-Degranulationstest und die Tryptase-Messung mehr und mehr in den Mittelpunkt. Klarer Vorteil letzterer Methode: Die Messung kann aus verschiedenen Biomaterialien durchgeführt werden wie z. B. Blut oder Harn und es lassen sich auch noch etwas länger zurückliegende Reaktionen nachweisen.

Neueste Erkenntnisse zur Allergie-Therapie

Bislang beschränkten sich alle therapeutischen Ansätze gegen allergische Erkrankungen auf die Reduktion der Symptome. Wirksame Medikamente sind diesbezüglich Antihistamine, Mastzellstabilisatoren, Bronchospasmolytika, aber auch IgE Blocker und ähnliche Therapeutika. Jedoch kann keiner dieser Ansätze die ursächliche pathogene Polarisierung des Immunsystems rückgängig machen und Allergie heilen. Auch die spezifische Immuntherapie, die zwar in ihrem Ansatz über eine symptomatische Therapie hinausgeht, schafft bestenfalls eine gute Linderung der allergischen Symptome. Immerhin aber kann sie das Fortschreiten der Allergie zu schwerem allergischen Asthma verringern. Es liegt auf der Hand, dass ein dringender Bedarf zur Optimierung von bereits vorhandenen Therapien, aber vor allem an neuen Konzepten für protektive Strategien, besteht. Aktuelle Ansätze zur Bekämpfung von Allergien reichen von neuen Applikationsmethoden (sublingual, oral, transdermal), optimierten Therapeutika (biotechnologisch hergestellten Hypoallergenen) bis zu Impfstrategien gegen Allergie (genetische Vakzine).

Prävention: Risikofaktoren vermeiden ...

Heute bereits überholt ist die These, dass mittels simpler Allergenvermeidung oder Allergenreduzierung eine primäre Allergieprävention durchgeführt werden kann. Wesentlich erfolgversprechender sind Strategien, die dem Körper über Nahrung oder Atemwege protektive, immunmodulierende Substanzen zuführen. Der in epidemiologischen Studien gefundene Schutzfaktor des traditionellen Bauernhoflebens wurde inzwischen in mehreren Tiermodellen bestätigt. Es könnte sich daraus eine allgemein anwendbare Präventionsmöglichkeit ergeben.

... oder Schutzfaktoren geben?

Probiotika konnten die in sie gesetzte Hoffnung, nachhaltig das Immunsystem zu programmieren und damit eine allgemeine Allergieprotektion zu erzielen, nicht erfüllen. Präbiotika sind noch nicht so gut untersucht. Untersuchungen von Präbiotika an Kindern mit und ohne besonderem Allergie- oder Asthmarisiko sind bezüglich Reduktion der Häufigkeit der atopischen Dermatitis und dem kleinkindlichen Asthma bronchiale erfolgversprechend.

 

Was konkret hinter Basophilen-Degranulationstest und Tryptase-Messung steckt, welche neuen Ansätze es zur Bekämpfung von Allergie gibt und wie Präbiotika im Bereich Allergie-Prävention wirken, wird im Rahmen des Symposiums „Update Allergien“ anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde vorgestellt.

Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft
für Kinder- und Jugendheilkunde
MILUPA-Satellitensymposium
28. September 2012, 10.15–11.45 Uhr
Update Allergien – Diagnostik, Therapie & Prävention
Vorsitz: Prim. Univ. Prof. Dr. Josef Riedler

Die Suche nach dem schwarzen Peter
State-of-the-Art der Allergie-Diagnostik
Univ. Prof. Dr. Harald Renz
Institut für Laboratoriumsmedizin und Molekulare Diagnostik, Universitätsklinikum Marburg



SLIT, SCIT & Co.
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Allergie- Therapie
Univ. Prof. Dr. Josef Thalhamer
Abteilung Allergologie und Immunologie, Universität Salzburg



Die beste Intervention ist die Prävention
Risikofaktoren vermeiden oder Schutzfaktoren geben?
Prim. Univ. Prof. Dr. Josef Riedler
Kardinal Schwarzenberg’sches Krankenhaus Schwarzach


Anschließend Podiumsdiskussion

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