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Lehrer und Ärzte: Wer weiß was?

ADHS: Mangelnde Kommunikation zwischen den Berufsgruppen verzögert die Diagnose.

Der erste Verdacht auf eine ADHS wird meist von Lehrern ausgesprochen. Bis zur Diagnose ist es aber unter Umständen noch ein langer Weg. Eine Untersuchung des Zentrums für Public Health der Medizinischen Universität Wien sollte die Ursachen für diese Verzögerung erfassen.

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einer Prävalenz von drei bis sieben Prozent eine der häufigsten Störungen von Kindern im schulpflichtigen Alter. Bei ihrer Entstehung dürften vor allem genetische Faktoren eine Rolle spielen; psychosozialen Faktoren kommt in der Aufrechterhaltung der Symptome eine Bedeutung zu.

Seit der Einführung neuer konsensueller Kriterien in die Diagnostik werden Lehrer zunehmend als Partner für die Diagnose wahrgenommen. Sie spielen eine wichtige Rolle im Management von Entwicklungsstörungen wie ADHS, bei der Durchführung von Verhaltensprogrammen und dem Umsetzen von ärztlich empfohlenen Interventionen. Trotzdem gibt es erst wenige Studien zur ADHS in Verbindung mit dem Schulalltag und den beteiligten Berufsgruppen: Beratungslehrer, Schulärzte, Schulpsychologen und Klassenlehrer.

Was Lehrer über ADHS wissen

Aus bisherigen Studien ist bekannt, dass Lehrer über einen guten Wissensstand zur ADHS verfügen, vor allem was die Hauptsymptome betrifft. Begrenzt ist allerdings ihr allgemeines Wissen über Entwicklungsstörungen und über die Behandlungsmöglichkeiten der ADHS.

In der Literatur werden immer wieder auch die fehlende Kommunikation und Verständnisschwierigkeiten zwischen schulischen Fachkräften und Ärzten diskutiert. Solche Barrieren tragen dazu bei, dass die Zeit vom ersten Verdacht auf eine ADHS, der sehr oft von Lehrern ausgesprochen wird, bis zur endgültigen Diagnose sehr lange ist. Die Früherkennung von ADHS könnte aber durch frühzeitige Behandlung die Belastung für betroffene Kinder, Lehrer und Eltern minimieren.

Kommunikation mit Hindernissen

Eine im Rahmen einer Diplomarbeit von Dr. Christina Schweifer durchgeführte Untersuchung an 124 Klassenlehrern, Beratungslehrern, Schulärzten und Schulpsychologen erhob Wissensstand und Ressourcen – gemessen an Kommunikation und Kooperation – in den Berufsgruppen. Ziel war es, zu erfassen, welche Kommunikations- und Kooperationsstrukturen bei verhaltensauffälligen Kindern und Kindern mit Verdacht auf ADHS in der Schule zur Verfügung stehen.

Die Ergebnisse: Der Wissensstand aller Berufsgruppen ist zufriedenstellend. Fast die Hälfte der Befragten beurteilt die Prävalenz der ADHS korrekt. Die besten Therapiemöglichkeiten kennen elf Prozent der Schulärzte, 21 Prozent der Schulpsychologen, 13 Prozent der Klassenlehrer und 16 Prozent der Beratungslehrer.

Trotzdem sind Schulärzte und Klassenlehrer nicht in der Lage, ihre Ressourcen auszuschöpfen und ein Kommunikationsnetzwerk aufzubauen. Schulärzte werden zudem nicht in das Krankheits-Management inkludiert. Klassenlehrer fühlen sich isoliert und sehen als einzige Ansprechpartner Beratungslehrer und Schulpsychologen. Schulpsychologen wären durchaus in der Lage, die Kommunikation zu verbessern, werden aber bisher im Schulsystem zu wenig eingesetzt. Die psychologisch geschulten Beratungslehrer sind die wichtigsten Ansprechpartner aller anderen Gruppen und agieren ähnlich zielgerichtet wie die Psychologen. Daher sollten sie auch von der abklärenden Klinik mehr in das ADHS-Management einbezogen werden.

 

Quelle: Wiener Medizinische Wochenschrift (2009) 159/7–8:183–187

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