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Kleine Künstler * Kunstwerk Körper * Kinder Heilkunst

Vorschau: 50. Jahrestagung für Kinder- und Jugendheilkunde in Salzburg, September 2012

Die Jahrestagung in Salzburg ist Anlass, das 50. Jubiläum der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) zu feiern. Der Zusammenschluss aller Kinder- und Jugendfachärzte in Österreich wurde 1962 durch die Vereinsgründung auf Initiative von Prof. Kundratitz und Prof. Walter Swoboda aus Wien, Prof. Asperger aus Innsbruck bzw. Prof. Lorenz aus Graz begründet. Die Geschichte der Kinder- und Jugendmedizin in Österreich geht natürlich schon viel länger zurück. Das St. Anna Kinderspital, 1837 durch Ludwig Wilhelm Mautner gegründet, gehörte zu den ersten bedeutenden Einrichtungen in Europa, war es doch seit 1849 auch staatlich dotierte Universitätsklinik mit Mautner als außerordentlichem Professor. Wien in der Periode der Habsburger Monarchie war eines der Zentren der beginnenden Pädiatrie in Europa, der erste deutschsprachige Lehrstuhl für Kinder- und Jugendheilkunde wurde durch Hermann Widerhofer 1884 besetzt, im Vergleich wurde in Berlin Otto Heubner 1893 als erster Ordinarius für Pädiatrie berufen. Die Kinderfachärzte in Wien waren bereits 1904, nachdem sie zuvor eine pädiatrische Sektion der Gesellschaft für Innere Medizin gebildet hatten, offiziell in der „Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde” zusammengefasst, Prof. Theodor Escherich fungierte als Vizepräsident.

Die Jahrestagung in Salzburg wird Gelegenheit bieten, auf die Leistungen der österreichischen Kinder- und Jugendmedizin zu blicken und auch das Selbstverständnis der Kinder- und Jugendfachärzte als Advokaten der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich zu bekräftigen.

Die Tagung soll besonders die Kinder in den Mittelpunkt stellen, ihr großes Entwicklungspotential, ihre Bedürftigkeit zur Förderung und Schutz, Hilfe und Heilung, alles ein großes Anliegen von Kinder- und Jugendfachärzten.

Das Motto unserer Tagung: Kleine Künstler/Kunstwerk Körper/Kinder Heilkunst bringt klar zum Ausdruck, dass Können und Kreativität im Einsatz für unsere Patienten mehr als nur medizinisches Handwerk ist. Außerdem, dass Kinder und Jugendliche ein besonders Patientengut sind. Es ist zweifelsfrei ein Vorrecht, mit Kindern und Jugendlichen, insbesondere kranken und bedürftigen Heranwachsenden arbeiten zu dürfen. Die Kommunikation und Beziehung zu ihnen ist herausfordernd, verlangt Ehrlichkeit und Transparenz, benötigt Zeit und ist bereichernd. Die Kinder- und Jugendmedizin hat sich zu einer hochspezialisierten Medizin entwickelt, die sich von der Erwachsenenmedizin klar abgrenzt. Die österreichischen Kinder- und Jugendfachärzte haben Wesentliches zur Entwicklung dieses faszinierenden Fachgebietes beige- tragen.

Für unsere Jubiläumstagung haben wir spezielle Plenarthemen gewählt, die z.T. Tagungsthemen aus der Vergangenheit aufnehmen aber auch neue wichtige Aspekte der Kinder- und Jugendmedizin aufzeigen sollen:

a) Der richtige Zeitpunkt, b) Brückenbauen, c) Blick in die Zukunft, d) Blick über die Grenzen.

Es ist gerade der Kinder- und Jugendmediziner, der durch die Kenntnisse der unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Kindes und damit der Parameter von Wachstum und Entwicklung auch ein Gespür und eine auf Wissen basierende Intuition entwickelt hat, den richtigen Zeitpunkt einerseits von Intervention, Förderung und Behandlung zu entdecken. Dieses Gespür gilt es auch in der Frühdiagnostik der verschiedensten Krankheiten einzusetzen. Gerade Differenzierungs- und Wachstumsaspekte sind ein roter Faden der Kinder- und Jugendheilkunde mit einer Fülle von neuen Forschungsaspekten. Beispielhaft wird die Frage nach dem richtigen Beginn der Beikost aber auch für die Wachstums- und Sprachentwicklung herausgegriffen. Beim Thema Brücken bauen soll auf die Vernetzung der Kinder- und Jugendheilkunde mit benachbarten Disziplinen, hier als Beispiel die Geburtshilfe und Perinatalmedizin, aber auch das jüngste Tochterfach, die Kinder- und Jugendpsychiatrie, hingewiesen werden, weiters auf die Übergabe von Jugendlichen an die Erwachsenenmediziner, hier am Beispiel von Erfahrungen aus dem Deutschen Rheumazentrums in Berlin. Beim Blick über die Grenzen wollen wir bei dieser Tagung ebenfalls nur exemplarisch aufzeigen, dass wir uns in der österreichischen Pädiatrie mit den Nachbarländern einerseits vernetzt wissen und die Zusammenarbeit schätzen, andererseits gerade Unterschiede zu gemeinsamen überregionalen Konzepten herausfordern. So werden an den Beispielen des Neugeborenenscreenings, der Pneumologie und Allergologie, aber auch der Palliativmedizin ein Blick in die Vorgangsweise in diesen Nachbarländer ermöglicht. Zum Abschluss richten wir das Tagungsthema in die Zukunft und konnten zu den Themenkreisen Hämato/Onkologie, Impfungen, Gentherapie und medizinische Ausbildung bedeutende Referenten gewinnen.

Wir freuen uns auf diese spezielle Tagung, wir sind stolz, gemeinsam ein Jubiläum zu feiern. Zudem freuen wir uns, dass die Gesellschaften für Kinder und Jugendchirurgie und Prä- und Perintalmedizin sich unserer Tagung angeschlossen haben.

Diese Jahrestagung soll den großen Stellenwert der Kinder- und Jugendmedizin in unserer Gesellschaft mit gesundheitspolitischer Bedeutung, aber auch in der Medizinischen Fakultät mit Forschung und Lehre betonen. Wesentlich ist, dass wir mit dieser Tagung die niedergelassenen Kinderfachärzte inklusive deren Ordinationshelfer, die Ausbildungsärzte aber auch die Fachärzte aus den verschiedenen Krankenhäusern und Universitätskliniken ansprechen wollen. Wir sind ferner stolz auf die pädiatrischen Forschungsaktivitäten in unserem Land, die Kompaktheit und Kleinheit von Österreich ermöglichen guten Vernetzungen in den vielen Fachdisziplinen mit international herzeigbaren Kooperationen.

Prof. Dr. Wolfgang Sperl, Tagungspräsident

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