zur Navigation zum Inhalt
 

Wecken oder belohnen?

Enuresis: Der nächtliche Gang aufs Klo braucht kein Passwort.

Nächtliches Einnässen kann für die betroffenen Kinder und ihre Eltern extrem nervenaufreibend sein. Bevor allerdings komplexere Therapien wie die „Klingelhose“ oder Medikamente indiziert sind, lohnt es sich, einfache Verhaltensmaßnahmen auszuprobieren.

Bis zu 20 Prozent der Fünfjährigen lassen ihr Bett regelmäßig nachts nicht trocken, unter den Zehnjährigen ist es immer noch jedes zehnte Kind, und manch eines hat selbst als Jugendlicher noch Probleme damit. Besonders bei den Kleineren wird oft einfaches Verhaltenstraining empfohlen. Niederländische Forscher wollten genauer wissen, inwieweit derartige Maßnahmen zum Ziel führen und welches Vorgehen dabei am effektivsten ist (Journal of Pediatrics 2009; 154: 636-7). Sie nahmen insgesamt 570 Kinder im Alter zwischen vier und fünf Jahren in ihre Studie auf. Alle hatten in den letzten drei Monaten mindestens zweimal wöchentlich ins Bett genässt, ohne dass körperliche Ursachen dafür bekannt waren. Die Kinder wurden in vier Gruppen geteilt: Eltern der Gruppe-1-Kinder sollten ihre Sprösslinge etwa eineinhalb bis zwei Stunden nach dem Einschlafen wecken, nach einem Passwort fragen und sie dann auf die Toilette setzen. Das Passwort sollte sicherstellen, dass die Kinder tatsächlich wach waren. Ein identisches Vorgehen galt für Kinder der Gruppe 2, wobei jedoch auf das Passwort verzichtet wurde. Kinder der dritten Gruppe durften nach jeder „trockenen Nacht“ ein Sternchen auf einer Karte aufrubbeln und bekamen nach einer bestimmten Anzahl eine vorher vereinbarte Belohnung. Die vierte Gruppe diente als Kontrollgruppe: Ihre Eltern sollten tatenlos abwarten. Das jeweilige Vorgehen sollte sechs Monate durchgehalten werden oder so lange, bis die Kinder an 14 aufeinander folgenden Tagen trocken waren.

Die erfolgreichste Maßnahme war offensichtlich der nächtliche „Toilettengang“ ohne Passwort. Insgesamt 37 Prozent der Kinder waren nach sechs Monaten dadurch trocken geworden, während in der gleichen Zeit nur 21 Prozent der Kontrollgruppenkinder selbstständig ihr Problem gelöst hatten. Bei einer Kontrollbefragung nach etwa drei Jahren zeigten beide Toilettengruppen mit 78 Prozent trockener Kinder die besten Erfolgsquoten. Offensichtlich lohnt es sich auch durchzuhalten: Kinder, die sechs Monate lang regelmäßig auf die Toilette gehievt worden waren, hatten ungefähr die doppelte Chance, dadurch kontinent zu werden, im Vergleich zu Kindern, deren Eltern bereits nach drei Monaten aufgegeben hatten.

 

Quelle: Medizin-Online.de

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben