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Fotos: Priv.-Doz. Dr. A. Saxena
Abb. 1: Mobiler Endoskopieturm mit hochauflösenden Bildschirmen, Lichtquelle, Kohlendioxydinsufflator, Videokamera und DVD Recorder.

Abb. 2: Laparoskopischer Blick auf die Appendix (mit einer Fasszange gehalten); die Gefäße der Mesoappendix werden mit einer bipolaren Pinzette (links im Bild) gefasst und koaguliert.

Abb. 3: Laparoskopischer Blick auf die Gallenblase nach Ligatur des Ductus Cysticus und der Arterie; die Gallenblase wird aus dem Gallenblasenbett geschält.

Abb. 4: Laparoskopischer Blick auf die Milz nach Druchtrennung mit einem Ultraschall-skalpell. Durch diese Technik kann der Blutverlust deutlich reduziert werden.

Abb. 5: Laparoskopischer Blick auf eine vollendete Toupet-Fundoplikatio bei welcher der Magenfundus manschettenartig 270° um den distalen Ösophagus gewunden und mit Nähten fixiert wurde.

Abb. 6: Laparoskopische Pyloromyotomie; der Muskel wird von einem Spreizer auseinandergedrängt und gibt den Blick auf die Mucosa frei.

Abb. 7: Blick auf einen offenen inneren Leistenring bei einem vierjährigen Mädchen.

Abb. 8: Darstellung einer eingebluteten linksseitigen Ovarialzyste bei einer 14-jährigen Patientin.

Abb. 9: Thorakoskopische Darstellung einer emphysematösen Bulla vor Laserablation.

 

Endoskopische Chirurgie in der Pädiatrie

Vor 15 Jahren wurde die minimal invasive Chirurgie (auch Knopflochchirurgie genannt) zum großen Teil nur bei Konventionellen Endoskopien (Zystoskopie, Tracheo-Bronchoskopie, Ösophagogas- troskopie, Colonoskopie) zu diagnostischen Zwecken sowie bei gynäkologischen Operationen an Ovar und Tube angewandt. Einige europäische Chirurgen begannen die primär gynäkologischen Techniken nun auch bei der Entfernung von Gallenblasen und Appendices durchzuführen. Die Vorteile z.B. einer Cholezyst-ektomie, bei der mehrere kleine Hautschnitte anstelle eines großen Ober- bauchschnittes gemacht werden, liegen klar auf der Hand. Daher verbreitete sich diese neue Technik weltweit sehr schnell. Mit zunehmender Anwendung auf weitere Operationsbereiche stieg die Nachfrage für spezielle Geräte, die für diese Verfahren notwendig sind, rasch an (Abb. 1). Insbesondere wurden Instrumente entwickelt, mit denen man z.B. Blutgefäße unterbinden, Lungengewebe resezieren und Darmschlingen anastomosieren kann. Hernienoperationen werden endoskopisch durch Anbringen von Folien auf den inneren Leistenring operiert. Heute werden zahlreiche chirurgische Verfahren laparoskopisch durchgeführt, und bei manchen Indikationen wird derzeit nur mehr minimal invasiv operiert. Kinderchirurgen haben diesen Verfahrenswechsel genau beobachtet. Einige waren von den Vorzügen der minimal invasiven Chirurgie im Kindesalter weniger überzeugt, möglicherweise weil kleinere Patienten sowieso kleinere Hautschnitte haben.

Kinder erholen sich in der Regel von großen operativen Eingriffen schneller als Erwachsene und brauchen auch postoperativ weniger Schmerzmittel. Generell sind jüngere Patienten wesentlich schneller wieder voll aktiv als ältere. Trotzdem ist jeder chirurgische Eingriff ein Trauma für den Patienten. Die minimal invasive Chirurgie bietet die Möglichkeit, dieses Trauma für die Patienten im Kindes- und Jugendalter weiter zu minimieren. Anfangs bestanden technische Probleme, da die Instrumente der Erwachsenen- chirurgie wesentlich zu groß waren. Daher wurden kleinere und kürzere Instrumente, speziell für den Gebrauch in der Kinderchirurgie entwickelt. Dieser technische Fortschritt führte dazu, dass heute immer mehr Kinderchirurgen minimal invasiv operieren.

Sowohl die konventionelle, als auch die endoskopische Technik haben gemeinsame Voraussetzungen: Die betreffenden Organe müssen freigelegt und die Körperhöhle ausreichend beleuchtet werden. Bei offenen Operationen muss daher meist für den Zugang ein großer Hautschnitt an der entsprechenden Körperstelle durchgeführt werden. Die inneren Strukturen werden mit Haken weggehalten. Das Licht kommt von Deckenlampen oder von Kopflampen, die das Operationsteam tragen muss.

Bei laparoskopischen oder thorakoskopischen Eingriffen schafft man sich den Zugang in die Bauch- oder Brusthöhle, indem man Ports verwendet. Das sind röhrenförmige Instrumente mit Ventilen, die man durch schmale Hautschnitte in die Bauch- oder Brusthöhle einbringt. Insufflation von CO2 über einen der Ports hebt die Bauchdecke von inneren Organen und erlaubt so einen besseren Überblick. Die Optik wird ebenfalls durch einen Port eingebracht. Diese Optik steht mit einer Minikamera in Verbindung, so dass die Operationsmannschaft ihre Arbeit auf einem Bildschirm beobachten kann. Das Licht einer externen Halogenlampe wird über Fiberglasfasern in den Bauchraum geleitet, um das Operationsgebiet aufzuhellen. Nach Einsetzen des ersten Ports und Plazieren der Optik werden zusätzlichen Ports für weitere chirurgische Instrumente, die der Operateur benötigt, gesetzt.

Bei jedem offenen operativen Eingriff wird Gewebe geschnitten, getrennt und oder entfernt, es müssen Nähte angebracht und Blutungen gestillt werden. Die speziell entwickelten Instrumente erlauben dem Chirurgen nun die gleiche Handlungsfreiheit bei laparoskopischen Eingriffen. In der Kinderchirurgie haben die Instrumente meist einen Durchmesser von 3 oder 5 mm. Spezielle Greifzangen ermöglichen auch zartes Gewebe (z.B. Darm) ohne Traumatisierung zu bearbeiten. Geeignete Scheren und Dissektionsinstrumente wurden entwickelt, um alle Manipulationen durchzuführen, die bei offenen Eingriffen auch nötig sind. Ebenso kann bei laparoskopischen Operationen gespült und abgesaugt werden, um das Arbeitsgebiet freizuhalten. Um Blutungen zu stillen, werden Ligaturen geknüpft und/ oder Clips angelegt. Auch die Anwendung eines Kauters, eines Klammernahtgerätes (Stapler) und einer Ultraschallkoagulation ist möglich. Knoten werden innerhalb des Operationsgebietes geknüpft oder extern angelegt und dann zur entsprechenden Stelle vorgeschoben. Gewebeproben können direkt durch einen Port oder mit speziellen Bergebeutelen entfernt werden.

Appendektomie

In der Kinderchirurgie ist die Appendektomie die häufigste Notfalloperation. Die Behandlung einer akuten Appendizitis bedeutet die operative Entfernung des Wurmfortsatzes sowie bei ausgeprägter Entzündung die Gabe von intravenösen Antibiotika. Die offene Appendektomie wird durch einen einzigen Schnitt im rechten Unterbauch begonnen. Die Bauchdeckenmuskulatur wird in Faserrichtung getrennt (muscle-splitting) und auseinander gezogen um das Bauch- deckentrauma zu minimieren. Die Peritonealhöhle wird eröffnet und der Wurmfortsatz lokaliziert. Die Appendix wird aus der Wunde herausgezogen, die zuführenden Gefäße durchtrennt und die Appendix abgetragen.

Die laparoskopische Appendektomie braucht in den meisten Fällen nur drei kleine Hautsinzisionen. Ein Port ist notwendig für das Laparoskop, die anderen beiden Ports ermöglichen dem Chirurgen die Instrumente einzuführen, die nötig sind um die Appendix und das umgebende Gewebe zu entfernen. Gewöhnlich wird der Nabel für die Kamera verwendet. Kleine Inzisionen im linken unteren Quadranten und der suprapubischen Region sind für den Zugang zum rechten unteren Quadranten und dem kleinen Becken notwendig. Blutgefäße werden koaguliert und der Appendixstumpf mit Ligaturen, Clips, Klammern oder eine Kombination davon gesichert (Abb. 2). Das abgetrennte Organ kann direkt durch den größten Port entfernt werden oder wird in einem Bergebeutel aus der Bauchhöhle heraus- gezogen.

Bei der laparoskopischen Appendektomie ist es zusätzlich möglich, einen Großteil der Bauchhöhle zu überblicken. Die Appendix kann in verschiedenen Positionen lokalisiert werden (retrocoecal oder im kleinen Becken). Bei Perforation der Appendix kann es zum Freiwerden von Kotsteinen kommen, die unter Umständen ins kleine Becken absinken und bei den offenen Operationen übersehen werden können. Auch die Begrenzungen eines Abszesses können laparoskopisch genau beschrieben werden. Es ist außerdem möglich, andere Ursachen für Bauchschmerzen zu evaluieren, auch Zufallsbefunde werden entdeckt und können gleichzeitig behandelt werden

Cholezystektomie

Bei den Erwachsenen hat die laparoskopische Technik die offene Chole- zystektomie bei der Entfernung der Gallenblase verdrängt. Auch in der Kinder- chirurgie wird dieses Verfahren bei Patienten mit einer Entzündung der Gallenblase vorgezogen. Am häufigsten findet man bei Kindern Gallensteine auf Grund einer hämolytischen Erkrankung. Gallensteine in den ableitenden Gallenwegen sind bei Kindern seltener als bei Erwachsenen. Aber eine sekundäre Pankreatitis, die durch einen kleinen Stein in den Gallengängen hervorgerufen wird, ist nicht selten.

Der laparoskopische Zugang zur Gallenblase braucht gewöhnlich vier Ports. Ein Port im Bereich des Nabels ist für die Optik notwendig, ebenso ein zweiter Port lateral in der rechten Subcostalregion. Der Fundus der Gallenblase wird mit der Greifzange erfasst und durch diesen Port nach cranial gezogen. Zwei weitere Ports werden rechts unter dem Rippenbogen, in der mittleren Klavikularlinie, und in der Nähe des Xyphoids angelegt. Wenn der proximale Anteil der Gallenblase freigelegt ist, werden der Ductus cysticus und die dazugehörige Arterie dargestellt.

 

Mit größter Vorsicht muss der Übergang des Ductus cysticus in den Ductus hepaticus communis präpariert werden, um Verletzungen des Ductus hepaticus communis zu vermeiden. Der Ductus und dazugehörige Arterie werden mit Clips unterbunden und durchtrennt. Anschließend wird die Gallenblase von medial nach lateral abpräpariert, wobei man einen Kauter benutzt, um Blutungen und das Austreten von Gallenfüssigkeit zu verhindern (Abb. 3). Die abpräparierte Gallenblase wird dann in einem Bergebeutel manipuliert und mit diesen über den größten Port entfernt.

Splenektomie und andere Manipulationen an der Milz

Der anatomische Zugang zur Milz eignet sich besonders gut für eine laparoskopische Entfernung. Die Blutgefäße befinden sich im Bereich des zentralen Hilus; jedoch müssen kleine Gefäße, wie die untere Polarterie oder die kurzen Magenarterien, beachtet werden. Indikationen für eine Milzentfernung im Kindesalter sind: Sichelzellanämie, Hypersplenismus, manche Formen der Thrombozytopenie, eine symptomatische Milzvergrößerung, Speicherkrankheiten und Tumore.

 

Gewöhnlich verwendet man für die Milzentfernung vier Ports. Der Port im Nabelbereich ist für die Optik. Ein 10 mm Port wird in den linken unteren Quadranten der Bauchdecke geschoben, um die Milz während des ersten Teils der Abtragung zurückziehen zu können. Weitere Ports werden im Bereich des Xyphoids und im Bereich des linken oberen Quadranten gesetzt. Mit den Instrumenten über diese beiden Ports wird der operative Eingriff begonnen. Nach der Splenektomie oder Teil-Splenektomie wird die abgetragene Milz in einen großen endoskopischen Bergesack gelegt, um die Verteilung von Milzgewebe in der Bauchhöhle zu vermeiden (Abb. 4.). Nebenmilzen werden gesucht und entfernt. Man kann die Milz stückweise durch den Hautschnitt des linken unteren Quadranten entfernen oder durch Vergrößerung dieses Schnittes das Organ als Ganzes aus der Bauchhöhle heraus holen.

 

Eine Milzzyste, angeboren oder erworben, kann laparoskopisch gut behandelt werden. Man therapiert diese Zysten mit Drainagen, partieller oder vollständiger Milzentfernung. Ein spezielles Instrument, das sogenannte Ultraschallskalpell, mit dem man gleichzeitig schneiden und koagulieren kann, ohne anhaftendes Gewebe zu verletzen, hat erst die endoskopische Kapselentfernung möglich gemacht. Die ebenfalls seltenen Wandermilzen, die die Gefahr von Torsion des Gefäßsteiles mit konsekutiver Infarzierung bergen, können laparoskopisch im linken Oberbauch fixiert werden.

Die Chirurgie des gastroösophagealen Reflux

Bei Kindern kommt der gastroösophageale Reflux (GÖR) häufig vor. Bei Refluxkrankheit werden die Patienten zunächst meist mit Medikamenten und einer speziellen Ernährung behandelt, jedoch bedürfen Kinder, deren Reflux auf diese Behandlungsmethoden nicht anspricht, einer operativen Behandlung. Auch neurologisch behinderte Patienten brauchen häufig eine Antirefluxoperation. Refluxpatienten, die wiederholt aspirieren oder sogar ein „near miss event“ erlitten haben, sind ebenfalls Kandidaten für eine Anti-refluxoperation.

Bei uns wird am häufigsten eine laparoskopische Toupet-Fundoplikatio durchgeführt. Bei dieser Operation wird der intraabdominalen Ösophagus verlängert und ein Teil des Magenfundus hinter die Speiserohre durchgezogen und ca. 270 Grad um den distalen Ösophagus gelegt. Der Anteil des Magenfundus bildet eine lockere Hülse, die es dem Patienten auch nach der Operation erlaubt Luft aufzustoßen und den Magen zu entlasten, jedoch den Rückfluss von Mageninhalt verhindert.

Der Zugang zur Bauchhöhle erfolgt im Nabelbereich. Ein weiterer Zugang befindet sich im linken oberen Quadranten, um den Magen zu erfassen und zu mobilisieren. Weitere Ports werden im Bereich des Epigastriums und unterhalb des linken Rippenbogens platziert. Zuerst wird der Ösophagus mobilisiert und verlängert. Dann wird der Fundus um ca. 270 Grad von hinten um den Ösophagus herumgeschlungen (Abb. 5). Der Vagus darf bei diesem Manöver nicht verletzt werden. Der mobilisierte Fundusanteil wird mit nicht resorbierbaren Nähten am Ösophagus beidseits angenäht. Atraumatische laparoskopische Instrumente wurden für diesen Eingriff entwickelt, um beim Erfassen der Gewebsstrukturen keine Verletzungen zu verursachen. Die Nähte werden mit endoskopischen Nadelhaltern gesetzt. Knoten können sowohl intrakorporal als auch extrakorporal geknüpft werden. Die laparoskopische Toupet Fundoplikatio ist dank der Verfügbarkeit von 3 mm Instrumenten auch bei Säuglingen möglich.

Pyloromyotomie

Viele Kinderchirurgen durchtrennen die hypertrophe Pylorusmuskulatur laparoskopisch. Früher wählte man den offenen Zugang zum Pylorus im Bereich des rechten oberen QuadrINguanten der Bauchdecke. Später benutzte man einen offenen Zugang im Nabelbereich, um das Problem der wachsenden Narbe zu verhindern und so das kosmetische Ergebnis zu verbessern. Kinder, deren hypertrophe Pylorusmuskulatur laparoskopisch jedoch gespalten wird, können noch am selben Tag gefüttert werden und leiden seltener unter postoperativem Erbrechen (Abb. 6). Außerdem haben diese Patienten einen kürzeren Krankenhausaufenthalt, ein deutlich schöneres kosmetisches Ergebnis und weniger postoperative Schmerzen.

Leistenbruch

Verschiedene laparoskopische Techniken wurden entwickelt, um den Bruchsack zu verschließen. Eine Technik mit drei Ports ist am besten für diesen operativen Eingriff. Nachdem der Bruchsack dargestellt worden ist, wird er mit einer Greifzange in die Bauchhöhle hineingezogen und abgetrennt (Abb. 7). Bei männlichen Patienten ist Vorsicht geboten. Der Samenstrang muss dargestellt und darf nicht verletzt werden. Um das Peritoneum nach Abtragung des Bruchsackes zu verschließen, wird ein monofiler Faden verwendet. Die Naht wird in Form einer Acht angelegt und die Knoten innerhalb der Bauchhöhle geknüpft.

Pathologien des Darmes

Viele Darmoperationen können erfolgreich laparoskopisch durchgeführt werden:

  • Legen einer PEG Sonde
  • Beurteilung des Darmes bei Patienten mit einem suspekten Morbus Crohn
  • Entfernung von Ileum und Colon bei Morbus Crohn
  • laparoskopische Mobilisierung des Dickdarms für eine Durchzugs- operation bei Morbus Hirschsprung
  • Operation von Darmduplikaturen
  • Entfernung eines Meckel´schen Divertikels
  • Korrekturoperation bei Malrotation des Darmes
  • Invagination bei erfolgloser pneumatischer Desinvagination
  • Hohe Analatresie
  • Lösung von Verwachsungen im Darmbereich
  • Magenvolvolus mit Fundopexie

Bauchhöhlenhoden

Die Laparoskopie spielt eine wichtige Rolle bei Kindern, deren Hoden überhaupt nicht getastet werden können. Bauchhöhlenhoden können zwischen dem inneren Leistenring und der Niere gefunden werden, es gibt auch Fälle, bei denen der Hoden komplett verschwunden ist (vanishing testis). Die Gonaden und die dazu gehörigen Gefäße werden, falls vorhanden, in der Bauchhöhle laparoskopisch dargestellt. Die Laparoskopie ist auch dann von Bedeutung, wenn sich die Hoden im Bereich des inneren Leistenringes tasten lassen, jedoch die Hodengefäße so kurz sind, dass eine Orchidopexie im Skrotum ohne Mobilisation unmöglich ist. Die Gefäße werden durchtrennt und das umgebende Gewebe mobilisiert. Bei einer kombinierten operativen Technik beginnt man primär mit einer Laparoskopie und durchtrennt die Hodengefäße (Operation nach Fowler Stephens). Die Hoden werden im Abdomen belassen, und ca. sechs Monaten später werden die Hoden in das Skrotum verlagert.

Varicocele

Viele laparoskopisch tätige Chirurgen behandeln junge Männer mit Varicocelen. Vorangegangene Operationen im Leistenbereich (Hernienoperation, Orchidopexie) sind keine Kontraindikation für eine Varicocelenoperation nach Palomo (Ligatur der Arterie und Vene spermatica proximal des inneren Leistenringes). Nach der laparoskopischen Durchtrennung dieser Gefäße konnte kein Unterschied des Hodenvolumens beidseits festgestellt werden. In großen Untersuchungsserien fand sich keine Hodenatrophie bei Kindern, die eine laparoskopische Varicocelenoperation durchführen ließen. Komplikationen gibt es bei ungefähr zehn Prozent der Patienten, die größtenteils aus ipsilateralen Hydrocelen, einem Emphysem im Scrotalbereich und Nabelgranulomen bestehen.

In unserer Klinik werden Varico- celen ebenfalls minimal invasiv, jedoch durch einen kleinen Schnitt am Skrotaleingang, durch retrograde Sklerosierung des Vena testicularis behandelt. Dadurch wird die Bauchhöhle überhaupt nicht berührt und das Problem der postoperativen Verwachsungen völlig ver- hindert.

Weitere intraabdominelle Erkrankungen

Die Laparoskopie wird bei Patienten mit einem chylösen Aszites eingesetzt, um die undichte Stelle des abnormal verlaufenden Ductus lumphaticus zu finden. Außerdem kann die laparoskopische Technik benutzt werden, um einen Katheter für die Peritonealdialyse bei Kindern zu setzen. Diese Kinder lernen frühzeitig den Katheter zu benutzen und können schneller aus dem Krankenhaus entlassen werden. Weiters entwickeln Kinder mit ventriculo-peritonealen Shunts intraabdominale Komplikationen, zum Beispiel Verwachsungen und Pseudozysten. Auch hier kann die minimal invasive Technik bei der Therapie von Nutzen sein. Außerdem wurde von Fällen berichtet, bei denen mesenterielle Zysten gleichzeitig mit einem Magenvolvolus aufgetreten sind, und der Magen laparoskopisch pexiert wurde.

Krankheiten des Ovars

Schon seit langem behandelte man Erkrankungen des Ovars laparoskopisch. Erfolge wurden vor allem bei einfachen Zysten und Torsionen erzielt (Abb. 8). Zystische Teratome lassen sich mit Erhaltung von ovariellem Gewebe resezieren. Auch Entzündungen im kleinen Becken werden mit dieser Technik diagnostiziert und behandelt. Erwachsene Frauen mit chronischen Bauchschmerzen, die sich auf die üblichen therapeutischen Maßnahmen nicht bessern, leiden vielfach unter Endometriose. Bei einer Laparoskopie können geringfügige Veränderungen erkannt und sachgemäß versorgt werden. Weiters werden rudimentäre Gonaden bei Patienten mit Turner-Syndrom oder anderen intersexuellen Erkrankungen laparoskopisch entfernt.

Endoskopische Chirurgie bei Neugeborenen

Auch in Neugeborenen werden endoskopische Eingriffe routinemäßig durchgeführt. Auf Grund des limitierten Platzangebotes erfordert dies jedoch große endoskopische Erfahrung des Chirurgen. Diese Eingriffe wurden erst durch die Entwicklung spezieller, kleinerer Instrumente mit Durchmessern von 2.5 – 2.7mm möglich. Bei der Auswahl der laparoskopischen Instrumente wie Klammergerät, Ultraschallskalpell, Clips und endoskopischem Cauter muss auf den, für die bei Neugeborenen verwendeten 2.5 – 2.7mm Ports, oft zu großen Durchmesser dieser Geräte geachtet werden. Neben der Pyloromyotomie werden in diesem Alter auch Eingriffe bei Darmatresie, gastrointestinalen Duplikaturen sowie urogenitalen Pathologien durchgeführt. Zusätzlich zu den abdominellen Eingriffen findet die endoskopische Chirurgie auch bei Operationen im Thoraxraum wie dem Verschluss von Zwerchfellhernien oder des persistierenden Ductus Arteriosus Botalli ihre Anwendung.

Thorakoskopie

Die Thorakoskopie erlaubt eine große Vielfalt von minimal invasiven Operationen im Neugeborenen, Kindes- und Jugendalter. Diese Eingriffe reichen von Pathologien der Lunge (Biopsien, Resektion von Sequestern, bronchogenen Zysten, emphysematischen bullae oder Dekortikation bei Empyemen) bis zu jenen des Mediastinums (Thymektomie, Mediastinalbiopsien und Aortopexie bei Tracheomalazie) (Abb. 9). Zusätzlich werden auch die thorakale Durchtrennung des Parasympathikus bei hyperhidrosis palmaris oder einige Formen thorakaler Tumoren minimal invasiv operiert. Eingriffe im Berich von Ösophagus (wie Myotomie, Verschluss von tracheo-ösophagealen Fisteln oder operative Eingriffe bei Ösophagus- atresie) oder Zwerchfell (Raffung bei Zwerchfellhochstand oder Verschluss der Zwerchfellhernie) stellen noch anspruchsvollere thorakoskopische Operati- onen dar.

Tumore

Ausgewählte Tumorerkrankungen können minimal invasiv diagnostiziert und behandelt werden. Früher mussten zur Entnahme einer Biopsie sowohl Bauch- als auch Thoraxhöhle eröffnet werden, heute bekommt man einen direkten Zugang durch Laparo- und Thorakoskopie. Tumore von Nieren, Nebennieren, Milz und Ovarien können in vielen Fallen vollständig entfernt werden. Auch Lymphknotenbiopsien des Abdomens oder der Brusthöhle sind laparoskopisch möglich. Kleine knotige Metastasen der Lunge können entfernt werden. Ebenso ist eine partielle Entfernung von isolierten Läsionen der Milz und der Leber möglich, jedoch ist die genaue Indikation wesentlich. Auch im Rahmen eines Massenscreenings diagnostizierte Neuroblastome werden bereits laparoskopisch entfernt. Eine erfolgreiche minimal invasive Tumorentfernung hängt natürlich von der Erfahrung und der Geschicklichkeit des Chirurgen ab.

Zum Autor
Priv. Doz. Dr. Amulya Saxena
ist Facharzt für allgemeine Kinderchirurgie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie an der Medizinischen Universität Graz. Er ist Herausgeber des Buches „Essentials of Pediatric Endoscopic Surgery“ das im Springer Verlag erschienen ist.
Fazit für die Praxis
In den letzten zehn Jahren hat die Bedeutung der minimal invasiven Chirurgie in der Pädiatrie ständig zugenommen. Weltweit haben Kinderchirurgen daran gearbeitet, ihre Visionen durchzusetzen, so dass heutzutage viele chirurgische Eingriffe ohne einen großen Hautschnitt durchgeführt werden können. In vielen Fällen hat sich gezeigt, dass die minimal invasive Chirurgie im Vergleich zur standardisierten offenen Chirurgie gleichwertig oder sogar vorteilhafter ist, da die laparoskopisch behandelten Patienten kürzere Krankenhausaufenthalte haben, postoperativ weniger Schmerzmittel brauchen, schneller in die Schulen zurückkehren können und mit den kosmetischen Ergebnissen eindeutig zufriedener sind.

Priv.- Doz. Dr. med. Amulya K. Saxena, Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Medizinische Universität Graz, Pädiatrie & Pädologie 2/2009

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