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Abb. 1: Erst ab einer Körpertemperatur von etwa 39°C wird bei Säuglingen und Kindern üblicherweise eine medikamentöse Fiebersenkung empfohlen.
 

Primär Beschwerden lindern

State of the art in der Behandlung von fiebrigen Infekten bei Babys und Kleinkindern.

Wenn ein Kind Fieber bekommt, greifen besorgte Eltern oft viel zu schnell und viel zu häufig zu Antipyretika und Antibiotika. Doch Fieber ist nur das Symptom, keine Krankheit, und in der Regel eine sinnvolle Reaktion des Körpers, um Viren im Körper zu bekämpfen. Wann es sinnvoll ist, Fieber, Entzündungen und Schmerzen zu therapieren, welche Mittel sicher und wirksam sind und wie Gefahren der Selbstmedikation minimiert werden können, diskutierten Experten im Rahmen eines Pressegesprächs.

„Wenn ein Kind bei banalen Infektionen Fieber hat, es ihm insgesamt aber gut geht und der Allgemeinzustand nicht schlecht ist, muss dieses nicht sofort gesenkt werden“, sagte Prof. Dr. Karl Zwiauer, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Leiter der Kinder- und Jugendabteilung, Landesklinikum St. Pölten.

 

Ab einer Körpertemperatur von etwa 39°C wird bei Säuglingen und Kindern aber üblicherweise eine medikamentöse Fiebersenkung empfohlen, da die hohe Temperatur dann, auch bedingt durch den enormen Leistungsabfall, mehr schadet als hilft. Zu den bekanntesten Antipyretika, die in der Apotheke angeboten werden, zählen die Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol.

Ibuprofen: hohe Sicherheit und Verträglichkeit

Ibuprofen besitzt neben fiebersenkender und schmerzstillender Wirkung auch einen stark entzündungshemmenden Effekt, der besonders bei Kindern mit schwerer Mittelohr- oder Mandelentzündung wichtig ist. Daher ist Ibuprofen bei allen fieberhaften Krankheitsbildern, bei denen auch eine Entzündungshemmung gewünscht ist, erste Wahl. Auch durch die mehrfach größere therapeutische Breite besitzt Ibuprofen im Vergleich zu Paracetamol wesentliche Vorteile. „Für Ibuprofen spricht auch seine gute Verträglichkeit“, so Zwiauer.

Paracetamol: Risiko für Asthma und Dehydrierung

„Große epidemiologische Untersuchungen haben einen klaren Zusammenhang zwischen der Paracetamol-Anwendung und dem Auftreten von Asthma eindrucksvoll nachgewiesen. Das Asthmarisiko ist demnach sowohl unmittelbar nach der Paracetamol-Einnahme als auch latent mit Beginn des Schulalters deutlich erhöht“, warnte Zwiauer. Auch die Häufigkeit von Symptomen wie Rhinokonjunktivitis und/oder Ekzem steige dosisabhängig mit dem Paracetamol-Verbrauch.

 

Paracetamol wird von Eltern auch häufig ohne Arztkonsultation an ihre Kinder verabreicht. Stellt sich der gewünschte Erfolg nicht bzw. nicht rasch genug ein, wird oft in zu kurzen Intervallen und mit zu hoher Dosis weiter behandelt. Eine Überdosierung kann die bei Fieber ohnehin durch erhöhte Neigung zu Dehydrierung belastete Niere weiter schädigen und außerdem auch zu Leberproblemen führen oder diese verstärken.

Antibiotikaeinsatz – Wait & see

„Nach wie vor werden zur Behandlung von Atemwegsinfekten, wie sie in der kalten Jahreszeit vermehrt auftreten, zu häufig Antibiotika eingesetzt“, unterstrich Dr. Oskar Janata, Facharzt für Innere Medizin und Leiter der Krankenhaushygiene, Donauspital im SMZ-Ost. „Diese sind in den meisten Fällen unnötig, weil sie die Beschwerden nur in geringem Ausmaß lindern, den Krankheitsverlauf kaum verkürzen und auch vor potenziellen Komplikationen wenig schützen. Auf der anderen Seite können Antibiotika Nebenwirkungen verursachen und die Resistenzbildung von Krankheitserregern vorantreiben.“

 

Besonders die in der kalten Jahreszeit gehäuft auftretenden viralen Infekte der Atemwege wie grippale Infekte, Husten und Schnupfen lassen den Einsatz von Antibiotika saisonal stark ansteigen. „In Österreich werden zwar im internationalen Vergleich generell eher weniger Antibiotika verschrieben, allerdings häufig nicht die optimalen Substanzen verwendet“, so Janata. Während Penicillin nach wie vor gegen viele Erreger wirkt, ist bereits eine Resistenzzunahme gegen modernere Antibiotika wie z.B. Makrolide oder Cephalosporine zu verzeichnen.

Kein Schutz vor Komplikationen

Häufig werden Antibiotika verordnet, um einer Verschlimmerung der Erkrankung durch andere Krankheitserreger vorzubeugen. Es gibt allerdings wenig Evidenz dafür, dass der Einsatz von Antibiotika vor Komplikationen schützt. So zeigt eine Studie, dass Antibiotika bei Atemwegsinfekten kaum Vorteile gegenüber Placebo besitzen. Die meisten Patienten wurden sowohl mit Placebo als auch mit Antibiotikum gesund, nur selten dauerte dies unter Placebo etwas länger. Die Rate an Komplikationen war in beiden Gruppen vergleichbar. Der Vorteil einer Antibiotikagabe ist nur bei wenigen Atemwegsinfektionen nachgewiesen, beispielsweise bei Streptokokken-Angina.

Fünf Tage Therapie bei Atemwegsinfekten

„Nach wie vor sind im Zusammenhang mit Antibiotikatherapien einige Irrmeinungen weit verbreitet“, sagte Janata. Der am häufigsten vertretene Irrtum laute, Antibiotika müssten über eine Dauer von zehn Tage eingenommen werden. Ein weiteres Dogma besage, dass die volle Behandlungsdauer einzuhalten sei, auch wenn sich während der Therapie herausstellt, dass eine Antibiotikagabe doch nicht notwendig gewesen wäre. „Diesen Ansichten ist strikt entgegenzutreten, speziell bei den klassischen Indikationen wie Nasennebenhöhlen-, Mittelohrentzündung oder Bronchitis. Zuverlässige Daten zeigen, dass vier bis fünf Tage Antibiotikatherapie – sofern sie überhaupt nötig ist – bei banalen Infekten ausreichen, da das krankheitsverursachende Bakterium sehr rasch abgetötet wird“, so Janata.

 

Zudem steige die Resistenzgefahr mit der Behandlungsdauer. Als Faustregel gelte: Wenn ein Antibiotikum kürzer als sieben Tage eingenommen wird, ist die Gefahr einer bleibenden Resistenz deutlich geringer als bei längerer Einnahme. Diese Resistenzentwicklung wird nicht bei den krankheitsverursachenden Erregern – die eben rasch unschädlich gemacht werden – beobachtet, sondern bei Keimen, die davon unabhängig in anderen Organen, beispielsweise im Darm, lokalisiert sind und mit dem Antibiotikum zwar in Kontakt kommen, jedoch nicht von diesem abgetötet werden.

 

Quelle: Pressegespräch „Wait & see“, 15. Dezember 2011, Wien

Fazit
Antibiotika sollten insbesondere bei tendenziell harmlosen Erkrankungen wie Atemwegsinfekten bei Kindern sparsam eingesetzt werden. In den meisten Fällen kann durch Fiebersenkung, Entzündungshemmung und Schmerzstillung mit einem sicheren, rasch wirksamen und gut verträglichen Arzneimittel eine Erleichterung erreicht werden, in deren Folge die Infektion durch das körpereigene Abwehrsystem selbst erfolgreich bekämpft wird.

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