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Abb. 1: Studien bestätigen, dass Kinder und Jugendliche den Umgang mit Kontaktlinsen schnell lernen. Die äußere Erscheinung,
 

Die Vorteile von Kontaktlinsen bei Kindern

Aktuelle Studien wie das Projekt ACHIEVE befassen sich mit dem Thema Kontaktlinsen bei Kindern und Jugendlichen.

Das Tragen von Kontaktlinsen beeinflusst das Leben junger Menschen nachweislich positiv. Jonathon Bench erläutert, weshalb sich das Anpassen von Kontaktlinsen bei Kindern und Teenagern sowohl für die Patienten bzw. Kunden, als auch für das Geschäft lohnt.

Wie oft haben Sie schon in hochwertigen Publikationen oder Fachbeiträgen gelesen oder von der Kontaktlinsenindustrie gehört, dass Sie mehr Fehlsichtigen Kontaktlinsen anpassen und jüngere Patienten bzw. Kunden mit dem Kontaktlinsentragen gedanklich vertraut machen sollten? Aber warum sollten Sie wirklich darüber nachdenken?

In diesem Beitrag wird erläutert, weshalb das eine gute Empfehlung ist. Es wird nachgewiesen, dass es sich in zweierlei Hinsicht auszahlt, Kindern und Jugendlichen Kontaktlinsen anzupassen. Erstens haben Sie durch die Anpassung der Kontaktlinsen einen positiven Einfluss auf das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen. Zweitens sorgen Sie für den Erfolg, den Gewinn und das zukünftige Wachstum Ihres Kontaktlinsengeschäfts.

Wann / wie fängt man damit an?

Die Mehrheit der Patienten bzw. Kunden in Deutschland kommt wegen einer Augenprüfung oder eines Brillenkaufs zum Augenarzt bzw. Augenoptiker. Die Kontaktlinsenträger sind deutlich in der Minderheit.

Der Anteil von Kindern und jungen Teenagern an der Gruppe der Kontaktlinsenträger ist unbekannt, da die üblichen Umfragen unter 16-Jährige nicht erfassen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass für die große Mehrheit der Kontaktlinsenspezialisten Kinder und Teenager zum Alltagsgeschäft gehören, aber nur ein geringer Anteil von ihnen als Kontakt- linsenträger.

Auch wenn der durchschnittliche Kontaktlinsenanpasser also nur wenige junge Kontaktlinsenträger unter seinen Patienten bzw. Kunden hat, ist die Frage zulässig, ab wann es angebracht ist, bei Kindern mit dem Anpassen von Kontaktlinsen zu beginnen. Eine Umfrage unter 1376 Kontaktlinsenanpassern im Jahre 2007 hat gezeigt, dass etwa ein Fünftel von ihnen bei Kindern unter elf Jahren Kontaktlinsen anpasst, während drei Viertel bei elf- bis 16-Jährigen damit anfangen, Kontaktlinsen anzubieten [2]. Bei einer ähnlichen Untersuchung mit Kontaktlinsenanpassern, die im Jahre 2008 abgeschlossen wurde, wurde festgestellt, dass das Alter ab 13 Jahren anscheinend der Zeitpunkt ist, ab dem sich die meisten Kontaktlinsenspezialisten bei dem Gedanken wohl fühlten, Kontaktlinsen für ihre jüngeren Patienten bzw. Kunden in Betracht zu ziehen [3]. Im Rahmen einer aktuellen Befragung US-amerikanischer Optometristen wurde eine veränderte Haltung festgestellt: 21 Prozent gaben an, es sei wahrscheinlicher als noch vor einem Jahr, dass sie der Altersgruppe von 10 bis 12 Jahren Kontaktlinsen anpassen [4]. Fast ein Drittel führte diesen Meinungsumschwung auf die Anpassung von Ein-Tages-Kontaktlinsen zurück und ein Viertel führte „verbesserte Kontaktlinsenmaterialien“ als Grund an.

Im Gegensatz zur Haltung der Kontaktlinsenanpasser, die in diesen Untersuchungen zum Ausdruck kommt, lauten die Empfehlungen von Wissenschaftlern auf diesem Gebiet, dass Kontaktlinsen routinemäßig bei Kindern ab circa acht Jahren angepasst werden können und sollten. Diese Altersgrenze liegt niedriger als die derzeit tatsächlich praktizierte.

Die Studie „Contact Lenses in Pediatrics“ (Kontaktlinsen in der Pädiatrie; CLIP) befasste sich mit den Unterschieden bei der Anpassung bei jüngeren Kindern (im Alter von acht bis zwölf Jahren) und Teenagern (im Alter von 13 bis 17 Jahren) [5,6]. Es handelte sich um eine dreimonatige bilaterale Studie zum Tagestragen, die an drei Orten in den USA durchgeführt wurde. Dabei wurden mehrere Aspekte der Kontaktlinsenanpassung untersucht. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Altersgruppen lag beim Üben des Auf- und Absetzens. Die jüngere Gruppe brauchte dafür etwa 15 Minuten länger. In Bezug auf die Erfolgsrate bei der Anpassung oder die Verweildauer im Anpassraum gab es keine Unterschiede. Weder Kinder, noch Teenager hatten im Verlauf der Studie Probleme, die mit dem Kontaktlinsentragen in Verbindung gebracht werden konnten. Die jüngere Altersgruppe kam damit genauso gut zurecht und hatte dieselben Vorteile in Bezug auf die Lebensqualität wie die Gruppe der Teenager. Das deutet darauf hin, dass Kontaktlinsenanpasser bereits Achtjährigen routinemäßig Kontaktlinsen als Option anbieten sollten.

Unsere ersten Lebensjahre sind sehr wichtig. Das versteht man wahrscheinlich am besten, wenn man seine eigenen Kinder aufwachsen sieht. Als Eltern spüren wir die große Verantwortung, zu gewährleisten, dass unsere Kinder alle Möglichkeiten zur Verfügung haben, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Wie wir wissen bedeutet das für den Bereich Sehhilfen, dass die Anpassung einer Brille sowohl für die Sehentwicklung als auch für die Fähigkeit des Kindes, in der Welt zurechtzukommen von wesentlicher Bedeutung sein kann. Für manche Kinder kann das Tragen einer Brille aber auch eine Einschränkung bei der Ausübung bestimmter Tätigkeiten bedeuten. In diesen Fällen profitieren Eltern und Kinder davon, wenn sie einen Kontaktlinsenspezialisten aufsuchen, der Kontaktlinsen als Option gern anbietet.

Die ACHIEVE Studie

Die Studie „Adolescent and Child Health Initiative to Encourage Vision Empowerment“ (ACHIEVE) befasste sich mit dem Selbstwertgefühl und den visusbedingten Vorteilen des Kontaktlinsentragens für die Lebensqualität von Kindern [7]. Es handelte sich um eine randomisierte, einfach maskierte Studie, bei der die Kinder drei Jahre lang weiche Kontaktlinsen oder Brillen trugen. Sie wurden zu Beginn, nach einem Monat und danach alle sechs Monate untersucht.

Dabei stellte sich heraus, dass das Tragen von Kontaktlinsen die allgemeine Selbstwahrnehmung der Kinder nicht veränderte. Die Selbstwahrnehmung in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild, die sportlichen Fähigkeiten und die soziale Anerkennung jedoch verbesserte sich durch das Kontaktlinsentragen.

In dem folgenden Abschnitt zeigt Dr. Mitch Prinstein, Kinderpsychologe und Koautor der genannten Studie, vor dem Hintergrund seiner Berufserfahrung die Bedeutung dieser Erkenntnisse und deren Beziehungen zu anderen Bereichen der Kinderpsychologie auf.

Sowohl Eltern als auch Kontaktlinsenanpasser sind manchmal besorgt hinsichtlich der Folgen einer Kontaktlinsenanpassung bei Kindern. Es gibt zahlreiche Belege, die gegen diese Barrieren und „Mythen“ sprechen [8]. Unter anderem führt das Kontaktlinsentragen bei jungen Menschen nicht zu einem höheren Komplikationsrisiko. Kinder sind reif genug, sich um ihre Kontaktlinsen zu kümmern. Oft stellen jedoch die Eltern eine Hürde dar, was dazu führt, dass ihren Kindern keine Kontaktlinsen angepasst werden. Denn sie gehen davon aus, dass Kontaktlinsen keine angemessene oder sichere Option sind. Ihre Hauptsorgen gelten der Gesundheit und der Compliance. An diesem Punkt ist die Rolle des Kontaktlinsenanpassers als Vermittler zwischen Eltern und Kind besonders wichtig.

Der Kontaktlinsenspezialist kann mit den Eltern und dem Kind alle Optionen einschließlich Materialien und Modalitäten, Trageintervall, Kontaktlinsenpflege und Tragezeiten besprechen. Darüber hinaus kann er auf die Bedeutung eines ganzjährigen UV-Schutzes für die Augen hinweisen [9]. Kinderaugen sind aufgrund der größeren Pupille, der klareren Augenlinsen [10] und der oft mangelhaften Compliance im Bereich UV-Schutz bei Aufenthalten im Freien anfälliger für die Wirkung der UV-Strahlung. Die Anpassung von Kontaktlinsen mit einem UV-Schutz der Klasse I oder II kann einen wertvollen zusätzlichen Schutz vor der kumulierenden Wirkung der UV-Strahlung auf die Augen bieten.

Im Rahmen einer aktuellen Langzeitstudie wurde die Augengesundheit von Fehlsichtigen, denen als Kind (von bis zu 12 Jahren) Kontaktlinsen angepasst wurden, verglichen mit der Augengesundheit von Probanden, bei denen die Anpassung erst als Teenager (ab 13 Jahren) stattfand [11,12]. Die in Frage kommenden Probanden trugen seit zehn Jahren weiche Kontaktlinsen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Anpassung bei 12-jährigen oder jüngeren Kindern weder den Visus beeinflusst, noch zu stärkeren Cornealradien – oder Endothelveränderungen führt. Der einzige signifikante Unterschied war, dass bei der Gruppe, der die Kontaktlinsen schon in jüngeren Jahren angepasst worden waren, der Grad der Myopie höher war. Allerdings war dieses Ergebnis möglicherweise zu erwarten, da eine stärker ausgeprägte Ametropie sowohl die Patienten bzw. Kunden als auch den Kontaktlinsenanpasser dazu bringen könnte, schon bei einem geringeren Alter an Kontaktlinsen zu denken. Die Anpassung bei Kindern erhöht laut den Studienergebnissen nach zehn Jahren Trageerfahrung mit weichen Kontaktlinsen auch nicht das Risiko für mangelnde Compliance, für mangelnden Tragekomfort und für Komplikationen.

Aktuelle Fallbeispiele

Nachfolgend finden Sie zwei aktuelle Fallbeispiele von der Kontaktlinsenanpassung bei Kindern. Im ersten Fall war die Notwendigkeit, eine Sehhilfe zu tragen, verbunden mit Unannehmlichkeiten beim Brillentragen in bestimmten Situationen ausschlaggebend für die Kontaktlinsenanpassung. Im zweiten Fall war der Hauptgrund, die Sehhilfe beim Sport tragen zu können. In der Folge wurde eine Verbesserung der sportlichen Leistung des fehlsichtigen Kindes festgestellt.

Fallstudie 1

Ersttermin

EM ist ein zehnjähriges Mädchen mit seit zwei Jahren stabiler Refraktion (Tabelle 1). Sie fühlte sich durch ihre Brille zunehmend gestört und sowohl sie als auch ihre Mutter gaben an, dass sie die Brille in der Schule regelmäßig abnahm. EM ist ein aufgewecktes und temperamentvolles Mädchen mit einer Leidenschaft für das Tanzen und die Schauspielerei. Aufgrund der Notwendigkeit, eine Brille zu tragen, fühlte sie sich jedoch anders als ihre Freundinnen. Daher bat sie ihre Mutter um die Erlaubnis, Kontaktlinsen tragen zu dürfen. Ihre Mutter war aufgrund ihres jungen Alters und ihrer nach eigener Einschätzung hohen Fehlsichtigkeit davon weniger überzeugt.

Beide erschienen gemeinsam zum Termin. EM erläuterte ihre Wünsche. Ihre Mutter unterstützte sie darin und äußerte zugleich ihre Bedenken. Es wurde das Für und Wider aller Optionen besprochen. Denn wer Kontaktlinsen tragen möchte, muss sich auch der damit verbundenen Verantwortung bewusst sein. Auf dieser Grundlage kann man dann die positiven Aspekte des Kontaktlinsentragens herausstreichen. Bevor mit der Anpassung der Kontaktlinsen begonnen wurde, wurde sichergestellt, dass sowohl das fehlsichtige Mädchen als auch ihre Erziehungsberechtigte mit diesem Schritt glücklich waren. Diese Einigungsphase sowie Offenheit sind für den potenziellen Erfolg beim Kontaktlinsentragen sowie für die Beziehung zwischen dem Kontaktlinsenanpasser und dem Elternteil/Erziehungsberechtigten wesentlich.

Es wurden eine Untersuchung des vorderen Augenabschnitts und Keratometrie durchgeführt. Beide vorderen Augenabschnitte schienen unauffällig mit Spuren konjunktivaler und bulbärer Hyperämie (Grad 0,5 nach Efron) und Spuren von Papillen (Grad 0,5 nach Efron). Auch die Tränen der Fehlsichtigen waren von guter Qualität; die Tränenfilmaufreißzeit betrug über zehn Sekunden. Tabelle 1 zeigt die Refraktion, Visus und Keratometrie-Werte der Fehlsichtigen.

Die ersten Probelinsen wurden ausgewählt und aufgesetzt. Sollte dies an demselben Tag nicht möglich sein, sei es aus Zeitmangel oder weil die Probelinsen erst bestellt werden müssen, ist der Autor dieses Beitrags der Ansicht, dass es sich lohnt, dem Fehlsichtigen beim ersten Termin trotzdem eine erste Erfahrung im Umgang mit Kontaktlinsen zu ermöglichen. Das Kind und seine Eltern können die Gelegenheit erhalten, weiche Kontaktlinsen auf den Finger zu setzen. Sofern Zeit dafür übrig ist, sollten dem Kind kurz Ein-Tages-Kontaktlinsen aufgesetzt werden, damit es einen Eindruck vom Tragekomfort bekommt. So überwindet es die mögliche anfängliche Sorge, die Kontaktlinse sei auf dem Auge zu spüren.

Um das formulierte Ziel zu erreichen, die Kontaktlinsen beim Tanzen und ab und zu auch in anderen Situationen tragen zu können, wurden Ein-Tages-Kontaktlinsen ausgewählt. So steht für jede Tragesituation ein neues Paar zur Verfügung. Gleichzeitig ist es die beste Möglichkeit, die Bedenken der Mutter in Bezug auf die Compliance und die Fähigkeit der Tochter, die Kontaktlinsen zu pflegen, auszuräumen. EM reagierte sehr gut auf das Aufsetzen der Kontaktlinsen und hielt sich äußerst genau an die Anweisungen.

Die Kontaktlinsen wiesen ein gutes Sitzverhalten auf und kehrten nach dem Lidschlag bzw. dem Push-up-Test gut in ihre Position zurück. EM gab an, dass sich die Kontaktlinsen auf beiden Augen sehr angenehm anfühlten und strahlte, als sie sich im Zimmer umsah. Nach der Überrefraktion war der Visus ähnlich wie der mit der Brille erzielte. Somit wurden die Kontaktlinsen für das Probetragen als geeignet eingestuft.

EM wurde beigebracht, wie sie mit den Kontaktlinsen umzugehen hatte. Sie nahm die Informationen bestens auf, hörte zu und führte jede Anweisung aus. Nach zwei Versuchen pro Auge konnte sie jede Kontaktlinse sicher und kompetent aufsetzen und abnehmen. Ihre Mutter merkte bei dieser Gelegenheit an, wie reif EM war und hatte die Bestätigung, dass Kontaktlinsen ihr nicht die befürchteten Probleme bereiten würden.

EM erhielt mehrere Paare Ein-Tages-Kontaktlinsen, mit denen sie das Handling üben und die sie zu Hause tragen sollte. Obwohl sie vorhatte, nur ab und zu Kontaktlinsen zu tragen, wurde sie instruiert, sie in der Probephase täglich zu tragen. Auf diese Weise sollte sie bis zum nächsten Termin so viele Erfahrungen wie möglich sammeln. Das Mädchen und ihre Mutter unterzeichneten eine Einverständniserklärung und erhielten schriftliche Informationen über die Grundlagen des Kontaktlinsentragens und die empfohlene Vorgehensweise im Problemfall. Die Verwendung solcher schriftlichen Erklärungen gewährleistet, dass alle Patienten bzw. Kunden über alle wichtigen Punkte zum sicheren Tragen von Kontaktlinsen konsequent informiert werden. Informationsmaterial zum Mitnehmen dient den Patienten bzw. Kunden als wichtige Erinnerung und enthält Tipps für das sichere Kontaktlinsentragen. Dies unterstreicht nochmals den Service und erhöht hoffentlich auch die Compliance des Patienten bzw. Kunden.

Zweiter Termin

Eine Woche später erschien das Mädchen zum Kontrolltermin. Sie gab an, mit den Kontaktlinsen wirklich gut umgehen zu können. Auch hatte sie Lust zu zeigen, wie gut sie die Kontaktlinsen aufsetzen und abnehmen kann. Das tat sie dann auch, nachdem die Untersuchung des vorderen Augenabschnitts ohne Befund abgeschlossen war.

Der Kontaktlinsensitz war noch immer optimal. Bei diesem Termin wurde keine Überrefraktion festgestellt. Der Visus war gleich geblieben.

Sie erhielt eine Anleitung, um in der Lage zu sein, Ein-Tages-Kontaktlinsen in Absprache mit ihrer Mutter nach Bedarf zu verwenden. Ein weiterer Kontrolltermin sollte einen Monat später stattfinden mit dem Ziel, den Abstand zwischen den Kontrollterminen dann auf sechs Monate auszudehnen, sofern keine Probleme auftreten. Sie wurde daran erinnert, was zu tun wäre, wenn in der Zwischenzeit Probleme auftreten sollten. Auch die zukünftigen Optionen für EM in Bezug auf Kontaktlinsenmaterial und -modalität wurden besprochen. Sowohl die Mutter als auch das Kind wurden auf die Notwendigkeit regelmäßiger Augenuntersuchungen hingewiesen. Nach einigen Monaten trug EM ihre Kontaktlinsen an circa drei Tagen pro Woche gern bis zu zehn Stunden lang und das ohne Probleme beim Tragekomfort bzw. Visus. Der vordere Augenabschnitt blieb ohne Befund, die Refraktion und die Keratometrie-Werte blieben stabil.

Die Eltern sind mit dem Verhalten ihrer Tochter sehr zufrieden. EM war zwar schon vorher ein zufriedenes und geselliges Kind, aber die Kontaktlinsen haben ihr mehr Selbstvertrauen bei ihren Lieblingsaktivitäten Tanz und Schauspielerei gegeben. Bisher ist sie glücklich, die Kontaktlinsen bei diesen Tätigkeiten tragen zu können. Aber allen Beteiligten ist bewusst, dass es auch noch andere Optionen gibt, falls sie beschließen sollte, das Kontaktlinsentragen in Zukunft auszudehnen.

Fallstudie 2

Ersttermin

Häufig werden Kontaktlinsen bei Kindern nur in Betracht gezogen, wenn die Korrektionswerte hoch sind oder wenn das Kind oder ein Elternteil darauf drängt. HD ist ein Beispiel für ein Kind mit niedrigen Korrektionswerten und „normalem“ schulischen Verhalten, dem die Möglichkeit, Kontaktlinsen zu tragen, im Rahmen einer routinemäßigen Augenuntersuchung vorgestellt wurde (Tabelle 2).

HD ist ein neunjähriger Junge. Der Vorschlag, ihm Kontaktlinsen anzupassen, wurde von seinem Vater, der auf eine Fußballkarriere für HD hofft, positiv aufgenommen. Seine Mutter hatte eher Vorbehalte. Sie war ehemalige Kontaktlinsen- trägerin und mit der Leistung ihrer früheren Kontaktlinsen nicht immer ganz zufrieden gewesen. Die verfügbaren Optionen und die Gründe, weshalb diese Optionen geeignet sein könnten, wurden besprochen. Alle Familienmitglieder bekamen im Laufe des Gesprächs Gelegenheit, eine Kontaktlinse auf den Finger zu setzen.

Der vordere Augenabschnitt des Jungen wurde untersucht und die Augen wurden für gesund befunden. Die Wimpern des Jungen waren lang, aber sowohl Lider als auch Wimpern waren sauber. Es wurden Spuren von Papillen sowie bulbärer und tarsaler Hyperämie (0,5 Grad nach Efron) festgestellt.

Sobald sicher war, dass auf alle Bedenken eingegangen worden war, wurden mit Zustimmung des Jungen und seiner Eltern Probelinsen ausgewählt. In dem Gespräch mit dem Jungen und seinen Eltern zeigte sich, dass HD Kontaktlinsen eher regelmäßig und nicht nur zeitweise tragen wollte. Dies wurde bei der Auswahl der Kontaktlinse berücksichtigt.

Nachdem Eigenschaften und Vorteile besprochen worden waren, wurde eine bestimmte Marke ausgewählt. Die UV-Schutz-Eigenschaften der Kontaktlinse wurden erläutert. Den Eltern erschien dies ein wertvoller Zusatznutzen, insbesondere angesichts der Zeit, die HD im Freien verbrachte. Die bessere Sauerstoffleistung von Silikon-Hydrogelmaterial im Vergleich zu herkömmlichen Hydrogelen wie auch der hervorragende Tragekomfort sowohl insgesamt als auch am Ende des Tages wurden angesprochen.

HD reagierte gut auf das Aufsetzen der Kontaktlinsen. Sie richteten sich schnell aus und saßen bald stabil. Visus und Sitzverhalten waren hervorragend. Es wurden weder eine Instabilität noch Überrefraktion festgestellt. Die Rotationsstabilität wurde überprüft, indem der Junge gebeten wurde, ausgedehnte Augenbewegungen in der Waagerechten zu machen. Dabei wurde festgestellt, dass die Kontaktlinsenmarkierungen vor und nach der Bewegung immer in Position blieben [15].

Anschließend wurde mit dem Jungen das Handling der Kontaktlinsen und deren Pflege geübt. Es wurde eine Multifunktions-Desinfektionslösung ausgewählt. Nach den ersten Versuchen konnte der Junge gut mit den Kontaktlinsen umgehen. Die Einführung in das Kontaktlinsentragen ist selbstverständlich nicht anders als bei einem Erwachsenen. Und tatsächlich wurde festgestellt, dass HD nicht länger brauchte als ein durchschnittlicher erwachsener Patient bzw. Kunde, um die korrekten Techniken zu erlernen.

Nach dem Ausfüllen der schriftlichen Einverständniserklärung und dem Erhalt des Informationsmaterials, ging HD nach Hause und genoss die Möglichkeit, Kontaktlinsen in seinem Alltag auszuprobieren. Auch wusste er, was ein vernünftiges Trageschema ist und dass er die Kontaktlinsen sofort abnehmen sollte, falls Probleme auftreten würden. Ihm wurde empfohlen, die Kontaktlinsen täglich zu tragen, um sich an das kontinuierliche Tagestragen zu gewöhnen.

Zweiter Termin

Zwei Wochen später erschien HD zum Kontrolltermin. Er fand die Kombination aus Kontaktlinsen und Brille großartig. Seine sportlichen Leistungen hatten sich verbessert und ihm ein Lob seines Trainers eingebracht.

Derzeit trägt der Junge die Kontaktlinsen fünf bis sechs Tage pro Woche. Er trägt sie regelmäßig und gern bis zu elf Stunden täglich. Der Sitz der Kontaktlinsen, die Ausrichtung und die Rotationsstabilität sind weiterhin gut. Er erreicht einen binokularen Visus von 1,2 (rechtes Auge 1,2, linkes Auge 1,0) ohne weitere Überrefraktion. Beim Kontrolltermin waren seine zwei Wochen alten Kontaktlinsen sauber und frei von Ablagerungen. Seine Augen zeigten keine Auffälligkeiten. Die Spaltlampenbefunde waren im Vergleich zur Erstuntersuchung unverändert.

Dies sind nur zwei Routinefälle, die zeigen, wie positiv und lohnend es ist, Kindern Kontaktlinsen anzupassen. In einem Fall wurden das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, im anderen die sportlichen Leistungen merklich verbessert. Beide Fälle waren unkompliziert und die Anpassung dauerte nicht länger als bei einem durchschnittlichen erwachsenen Patienten bzw. Kunden. Tabelle 3 enthält einige der wichtigsten Praxis-Tipps, um die Möglichkeiten der Anpassung von Kontaktlinsen bei jungen Menschen auszuschöpfen.

 

Dieser Beitrag wurde von Johnson & Jonson Vision Care unterstützt und erstmals am 5. 8. 2011 im „Optician“ veröffentlicht.

Korrespondenz Jonathon Bench BSc (Hons.) MCOptom Johnson & Johnson Vision Care Pinewood Campus Nine Mile Ride Wokingham RG40 3EW E-mail:

1 Optometrist in einer selbstständigen Praxis in Northampton (GB)

Literaturhinweise

 

1 ACLM Market Report, 2010

2 JJVC “Be the best you can be” Roadshow, 2007. A survey of 1376 UK practitioners. Questions asked on the day and responses captured anonymously via voting keypads.

3 Dollond & Aitchison practitioner survey, 2008. N = 60

4 Sindt, CW & Riley CM. Practioner attitudes on children and contact lenses. Optometry, 2011Jan;82(1):44-5 5.

5 Walline J, Jones L, Rah M et al. Contact Lenses in Pediatrics (CLIP) study: chair time and ocular health. Optom Vis Sci. September 2007;84(9): 896-902

6 Walline J et al. Benefits of CL wear for children and teens. Eye Contact Lens 2007; 33 (6): 317-321

7 Walline J, Jones LA, Sinnot L et al. Randomised trial of the effect of contact lens wear on self-preception in children. Optom Vis Sci. 2009; 86 : 222-32

8 Sulley A. Fitting children with contact lenses, part 1. Optician March 2009; 26-30

9 Sasaki H. UV exposure to eyes greater in morning, late afternoon. Proc. 111th Ann. Meeting, Japanese Ophthalmological Soc. Osaka, Japan, April, 2007

10 Godar DE, Urbach F, Gasparro FP, van der Leun JC. UV doses of young adults. Photochem Photobiol 2003;77(4):453-7.

11 Walline J, Emch AJ, Laui A et al. Comparison of Contact Lens Wearers Fitted as Children Vs Teenagers. BCLA Poster Presentation, 2011

12 Walline J, et al. Comparison of Success in Contact Lens Wearers Fitted as Children vs Teenagers Invest Ophthalmol Vis Sci. 2011 ARVO E-abstract 6499

13 JJVC EMA Purchase Channel Attitude Behaviour Quantitative Study, (UK, DE, SE, PO, IT) Nielsen July 2008

14 TNS CL Market Study August 2009

15 Chamberlain P, Morgan P, Moody K & Maldonado-Codina C. Fluctuation in visual acuity during soft toric contact lens wear. Optom Vis Sci 2011, April; 88(4): 534-8

Zur Person
Jonathon Bench
arbeitet als Optometrist in einer selbstständigen Praxis in Northampton. Zuvor war er in einer große Gemeinschaftspraxis tätig. Darüber hinaus ist er Berater von Johnson & Johnson Vision Care.
Die Bedeutung der Ergebnisse von ACHIEVE
Wenn Kinder zu Jugendlichen heranreifen, beginnen sie, ein eigenes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Dieses basiert auf der Wahrnehmung ihrer Kompetenz in verschiedenen Bereichen (u. a. Sport, äußeres Erscheinungsbild, soziale Kompetenz usw.). Das Selbstbild beeinflusst wohl wesentlich alle psychologischen Funktionen im Laufe des ganzen Lebens. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Selbstbild mit den schulischen Leistungen, dem Beziehungserfolg, dem Verhalten und sogar mit Symptomen psychischer Störungen in Zusammenhang steht. Dementsprechend sind Kinderpsychologen sehr daran interessiert, die Einflussfaktoren für die Entwicklung des Selbstbildes zu verstehen.
Um das Selbstbild von Jugendlichen mit einem Risiko für geringes Selbstwertgefühl zu verbessern, wurden komplexe therapeutische Maßnahmen entwickelt und im Rahmen klinischer Studien getestet. Leider haben sogar die kostspieligsten Maßnahmen nur bescheidene Auswirkungen im Sinne eines veränderten Selbstbildes. Einige Maßnahmen helfen möglicherweise nicht, langanhaltenden und eindringlichen Erlebnissen der Jugendlichen in ihrem Umfeld, die ihr Selbstbild geformt haben, entgegenzuwirken.

Die Studiengruppe zum Projekt ACHIEVE stellte die Hypothese auf, dass die Verwendung von Brillen oder Kontaktlinsen als Sehhilfe bei Kindern in einem signifikanten Zusammenhang mit der Entwicklung des Selbstbildes beim Übergang vom Kind zum Jugendlichen steht. Die Intuition gibt ihnen Recht: Das Tragen einer Brille kann beeinflussen, inwiefern ein Kind Sport treibt, in der Schule mitarbeitet und an Gruppenerlebnissen teilnimmt. Das Brillentragen kann die Erlebnisse des Kindes also in vielerlei Hinsicht verändern und diese Veränderungen können wiederum Auswirkungen auf das Selbstbild haben.

An fünf Orten in den Vereinigten Staaten wurden fast 500 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren für eine randomisierte klinische Studie gewonnen. Die Kinder gaben an, mit ihren Brillen zufrieden zu sein. Eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Hälfte der Probanden wurde auf Kontaktlinsen umgestellt. Das Selbstbild der Kinder wurde im Laufe der folgenden drei Jahre gemessen. Verglichen mit komplexeren Maßnahmen ist das Kontaktlinsentragen eine sehr einfache, relativ kostengünstige und schnelle Möglichkeit, um das Selbstbild von Kindern zu verbessern.

Die Ergebnisse der ACHIEVE-Studie waren sehr vielversprechend! Sie deuteten darauf hin, dass insbesondere für Jugendliche, die ursprünglich mit ihrer Brille weniger zufrieden waren, das Tragen von Kontaktlinsen in einem signifikanten Zusammenhang mit einem sich zunehmend anpassendem Selbstbild steht. Dies gilt für die Bereiche äußeres Erscheinungsbild, soziale Anerkennung und allgemeines Selbstwertgefühl.
Angesichts der Tatsache, wie beständig das Selbstbild ist und wie schwer es ist, dieses bei Jugendlichen zu verändern, sind diese Erkenntnisse in ihren Auswirkungen besonders bedeutend. Eine kleine Veränderung des Selbstbildes von Kindern kann zu signifikanten langfristigen Vorteilen in Bezug auf die Art der Tätigkeiten führen, die sie bereit sind auszuüben, und auf den Erfolg in verschiedenen Lebensbereichen.

Dr. Mitch Prinstein: paediatric psychologist and co-author of the ACHIEVE study
Tabelle 1
 RechtsLinks
Refraktion +5,50 +4,00/-0,25/175
VisusCC 0,66 0,8
Erste Probelinse 1-DAY ACUVUE® MOIST®
8,50/14,20 +6,00
1-DAY ACUVUE® MOIST®
8,50/14,20 +4,00
HH-Radien 7,65/1800 7,60/900 7,75/1800 7,80/900
Überrefraktion Plan Plan
VisusCC 0,66 0,8
Bestell-Kontaktlinse 1-DAY ACUVUE® MOIST®
8,50/14,20 +6,00
1-DAY ACUVUE® MOIST®
8,50/14,20 +4,00
Tabelle 2
 RechtsLinks
Refraktion -0,75/-0,75/85 -1,00/-0,75/82
VisusCC 1,2 1
Erste Probelinse ACUVUE® OASYS® for ASTIGMATISM
8,6/14,5 -0,75/-0,75/90
ACUVUE® OASYS® for ASTIGMATISM
8,6/14,5 -1,00/-0,75/80
HH-Radien 7,55/1800 7,55/900 7,55/1800 7,55/900
Überrefraktion Plan Plan
VisusCC 1,2 1
Bestell-Kontaktlinse ACUVUE® OASYS® for ASTIGMATISM
8,6/14,5 -0,75/-0,75/90
ACUVUE® OASYS® for ASTIGMATISM
8,6/14,5 -1,00/-0,75/80
Tabelle 3 Wichtige Praxistipps zur Anpassung von Kontaktlinsen bei Kindern
  • Behandeln Sie das Kind so, wie Sie selbst behandelt werden möchten und achten Sie auf eine einfache und angemessene Sprache.
  • Beziehen Sie die Eltern/Erziehungsberechtigten in alle Entscheidungen und Diskussionen über Kontaktlinsen mit ein – alle sollten am gleichen Strang ziehen und sich bei jedem einzelnen Schritt einig sein.
  • Die Zeit, die Sie sich nehmen, um das Für und Wider gleich am Anfang gründlich zu besprechen, erspart Ihnen langfristig Zeit und Probleme. Fangen Sie nicht mit der Anpassung an, bevor Sie einen Plan haben.
  • Besprechen Sie die Optionen zum Schutz der Augengesundheit beim Kontaktlinsentragen: Silikon-Hydrogelmaterialien, häufiger Austausch und UV-Schutz.
  • Halten Sie immer Ein-Tages-Kontaktlinsen bereit, um Patienten bzw. Kunden und deren Eltern die Gelegenheit zu geben, herauszufinden, wie sich Kontaktlinsen anfühlen. Die meisten gehen davon aus, dass alle Kontaktlinsen hart sind und sie verletzen könnten.
  • Genießen Sie die Erfahrung: Je positiver und entspannter Sie sind, desto mehr sind es auch die Personen, die mit Ihnen im Anpassraum sind. Seien Sie professionell – der Spaß muss dabei nicht zu kurz kommen!
  • Sagen Sie deutlich, was Sie vom Kontaktlinsenträger und von dessenEltern erwarten und was diese von Ihnen erwarten können. Vereinbarungen sind wichtig. Überprüfen Sie Ihre Vereinbarungen bei jedem weiteren Termin, um festzustellen, ob sie noch eingehalten werden.
  • Was mache ich, wenn…? Diese Hinweise gelten für alle Patienten bzw. Kunden, aber vergewissern Sie sich, dass sie der junge Kontaktlinsenträger besonders gut versteht (damit er z. B. in der Schule weiß, was zu tun ist). Dabei helfen die drei folgenden Fragen:
  • Sehen meine Augen gut aus?
  • Fühlen sich meine Augen gut an?
  • Sehe ich gut?
  • Lautet eine der Antworten „Nein“, sollten die Kontaktlinsen abgenommen werden. Tritt keine Besserung ein, sollte der Patient bzw. Kunde den Kontaktlinsenspezialisten aufsuchen.
Fazit für die Praxis
Es kann sehr lohnenswert sein, Kindern Kontaktlinsen anzupassen – nicht nur weil man dadurch langjährig loyale Patienten bzw. Kunden gewinnen kann. Die Belohnung erfolgt auf vielfältige Art und Weise: Das Kind und die Eltern sind zufrieden und empfehlen den Kontaktlinsenanpasser gerne weiter. Noch wichtiger ist jedoch die Veränderungen im Alltag der jungen Menschen durch das Kontaktlinsentragen, wie sie von der ACHIEVE-Studie aufgezeigt wird. Abgesehen von dem wirtschaftlichen Aspekt, gibt es weniges in unserem Alltagsgeschäft, das sich so sehr lohnt, wie das Leben eines Kindes positiv beeinflusst zu haben.

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