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Universitätskurs Kinderkardiologie

Lifelong Learning: neuer Fortbildungskurs an der Medizinischen Universität Innsbruck

Pädiatrie & Pädologie: Herr Professor Dr. Geiger, Sie haben im Herbst 2011 den ersten Universitätskurs für Kinderkardiologie ins Leben gerufen. Wie kam es zu dieser Idee, und was waren Ihre Beweggründe?

Geiger: Durch die diagnostischen und therapeutischen Fortschritte hat sich die Überlebensrate bei herzkranken Kindern in den letzten zwei Jahrzehnten enorm verbessert – dennoch führt diese wichtige Spezialdisziplin quasi ein Schattendasein im Medizinstudium. Klinisches Wissen über Kinderkardiologie kann nur an wenigen Spezialabteilungen in Österreich erworben werden. Ärzte/Ärztinnen sind deshalb erfahrungsgemäß mit der Betreuung und Begleitung solcher Patienten kaum vertraut und fühlen sich überfordert. Weil das kinderkardiologische Vorwissen fehlt, meiden meines Erachtens viele Ärzte diesen Bereich und weisen bereits bei niedrigem Level den Spezialisten zu. Mein Ziel war es, eine Plattform zu bilden, auf der interessierten Ärzten/Ärztinnen die Möglichkeit geboten wird, sich Wissen und Fähigkeiten über Kinderkardiologie anzueignen. Mit der Veranstaltungsorganisation der Medizinischen Universität (s.u.) ergab sich hierfür eine ideale Möglichkeit der Kooperation.

 

Was ist Lifelong Learning, und wie ist diese Institution in den Betrieb der Medizinischen Universität Innsbruck eingebunden?

Geiger: Ergänzend zur universitären Ausbildung baut die Medizinische Universität Innsbruck seit zweieinhalb Jahren ein umfassendes Fort- und Weiterbildungsangebot in medizinischen bzw. medizin-relevanten Disziplinen auf, dies insbesondere unter Berücksichtigung der lokalen Bedürfnisse. Institutionell wurde der Bereich „Lifelong Learning“ im Mai 2009 an der Medizinischen Universität Innsbruck eingerichtet und ist direkt dem Büro des Vizerektors für Lehre und Studienangelegenheiten zugeordnet.

 

„Lifelong Learning“ steht für das Verständnis des Lernens als Kontinuum, als „lebensbegleitende Bildung“. Diese ist in ihrer Zielsetzung auf die Bedürfnisse des/der Lernenden ausgerichtet - sowohl in den Lehr- und Lernmethoden, als auch in der praktischen Organisation.

 

Wie ist der Kurs konkret aufgebaut, und welche Inhalte werden vermittelt bzw. an welche Zielgruppen richtet sich diese Ausbildung?

Geiger: Der Universitätskurs Kinderkardiologie umfasst 120 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten und ist in sechs thematisch in sich geschlossene, aufeinander aufbauende Module unterteilt, die nacheinander innerhalb eines Jahres (Oktober–Juni) durchlaufen werden müssen. Der Kurs findet jeweils Freitag und Samstag, ganztägig, in Innsbruck statt und vermittelt einen profunden Einblick in die grundlegenden Pathomechanismen, die Symptomatik, Diagnostik und Therapie kindlicher Herzerkrankungen. Der Kurs ist in erster Linie praktisch-klinisch orientiert. Die Inhalte werden in anschaulicher Weise dargeboten. Dabei wird besonderer Wert auf Interaktivität und Praxisrelevanz gelegt. Ein Schwerpunkt dieses Kurses stellt die Bildgebung und apparative Dia-gnostik dar; echokardiografische „Hands-on sessions“ sollen hierbei helfen, wichtige Grundlagen effektiv zu erlernen und praktisch anzuwenden. An einer lebensechten Simulationspuppe wird zum Beispiel auch das Management von lebensgefährlichen Rhythmusstörungen sehr praxisnah und authentisch trainiert.

Das Kursangebot richtet sich in erster Linie an Ärzte/Ärztinnen in Ausbildung und Fachärzte/-ärztinnen für Pädiatrie, sowie an Ärzte/Ärztinnen in Ausbildung und Fachärzte/-ärztinnen benachbarter Disziplinen, wie Innere Medizin/Kardiologie, Anästhesiologie/Intensivmedizin und Allgemeinmedizin, die in ihrer beruflichen Tätigkeit mit diesen Patienten konfrontiert sind.

 

Wie wurde dieses Projekt finanziert? Konnten Sie außeruniversitäre Förderer für dieses Projekt gewinnen?

Geiger: Der Kurs wird zum einem über die Kursgebühr von 1970,- Euro finanziert und zum anderen über einen fix zugesicherten Betrag der Firma Actelion. Die Firmenleitung war vom Konzept eines universitären Kurses zur Förderung der Kinderkardiologie in Österreich so angetan, dass sie interessensunabhängig eine Unterstützung als Anschubfinanzierung zusagte. Die Firma Actelion erhebt dabei ausdrücklich keinerlei Anspruch auf Exklusivität des Sponsorings, wünscht sich allerdings eine möglichst fächer- und universitätsübergreifende Mitwirkung nationaler und internationaler Spezialisten. Ich bin derzeit im Gespräch mit einer weiteren Firma, die ebenfalls Interesse an einem Sponsoring angemeldet hat. Das für beide Seiten Interessante an dieser Art der Unterstützung ist sicher die interessensunabhängige Förderungsmöglichkeit, die nur wenig Kritikfläche bietet.

 

Sind Sie mit dem Start zufrieden? Wie viele Teilnehmer haben sich für den ersten Lehrgang angemeldet, bzw. gibt es schon Pläne für einen zweiten Lehrgang?

Geiger: Ich bin mit dem Start und dem bisherigen Ablauf des Kurses außerordentlich zufrieden. Der Kurs wird sehr gut angenommen, davon zeugen die durchwegs positiven Rückmeldungen der Kursteilnehmer in den einzelnen Modul-Evaluierungen. Dass wir mit diesem Kursangebot genau richtig liegen, zeigt auch die Tatsache, dass die 25 Kursplätze bereits kurz nach der Bekanntgabe und lange vor dem Ende der Anmeldungsfrist komplett ausgebucht waren. Einige Kollegen sind leider nicht zum Zug gekommen – es ist jedoch geplant, diesen Kurs im Herbst erneut anzubieten.

 

Wie soll die Ausbildung zum Kinderkardiologen Ihrer Meinung nach in der Zukunft aussehen?

Geiger: Diese Frage ist für mich nicht leicht zu beantworten, da dies in erster Linie in den Gremien der Ärztekammer und den Interessensverbänden der Fachgesellschaften abgestimmt wird und auch im europäischen Kontext gesehen werden muss. Die Arbeitsgruppe Pädiatrische Kardiologie innerhalb der ÖGKJ unter ihrer derzeitigen Leiterin Univ. Prof. Dr. Ina Michel-Behnke ist jedenfalls sehr an der Fortführung und dem Ausbau dieses Kurses interessiert und hat das Zustandekommen dieser Ausbildung unter Beteiligung aller kinderkardiologischen Zentren in Österreich ausdrücklich in ihrem Jahresbericht positiv erwähnt. Die Möglichkeiten, sich in Österreich zum Kinderkardiologen/zur Kinderkardiologin ausbilden zu lassen, sind naturgemäß limitiert, umso mehr sollte ein einheitliches Curriculum eine Absolvierung einzelner Abschnitte an den entsprechenden Zentren ermöglichen. Damit wäre übrigens auch beiden Seiten geholfen – den an notorischer Personalnot leidenden Zentren und den nach Ausbildungsmöglichkeiten suchenden Ärzten. Eine gewisse Flexibilität auf beiden Seiten wäre hier sicher nützlich.

 

Soll dieser Universitätskurs fixer Bestandteil der theoretischen Ausbildung zum Kinderkardiologen werden?

Geiger: Bereits bei der Konzeption dieses Kurses wurde die Möglichkeit einer Implementierung als fixer Bestandteil der theoretischen Ausbildung zum Kinderkardiologen erwogen und an eine Weiterentwicklung in diese Richtung gedacht, sollte sich das Konzept bewähren. Bis jetzt spricht alles dafür, dass sich dieses Projekt als erfolgreiche Initiative zur Verbesserung der postgraduellen Ausbildung erweist.

 

Vielen Dank für das informative Gespräch!

007 / 02 2012

Kinderkardiologie
Universitätskurs an der Medizinischen Universität Innsbruck

Kursleiter: Ao. Univ.-Prof. Dr. Ralf Geiger

Kurse laufen seit 28. Oktober 2011

Bei entsprechender Nachfrage ist ein weiterer Kurs ab Oktober 2012 geplant.
Eine Vor-Anmeldung ist bereits jetzt über die Veranstaltungsorganisation möglich.
Sobald die Kurszeiten festgelegt worden sind, wird die Fix-Anmeldung gemäß den Vertragsbedingungen möglich sein.

Kursumfang: 120 Übungseinheiten in sechs Modulen (Vorlesung / Workshop)
2 Semester, jeweils Freitag/Samstag (2 Tage)
Kosten: € 1.970,-

Veranstalter: Medizinische Universität Innsbruck, Bereich Lifelong Learning
Informationen: ; Tel. +43 512 9003-70020

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