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Abb. 1: Klinischer Gesamteindruck nach Einschätzung der Ärzte und Eltern
 
Kinder- und Jugendheilkunde 23. Dezember 2011

Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom

Wirksamkeit für hoch dosierte Omega-Fettsäuren neuerlich belegt

Störungen aus dem Formenkreis des Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms (ADS) mit und ohne Hyperaktivität im Kindesalter und Jugendalter sind häufig. Aktuelle Daten belegen den Benefit von hoch dosierten Omega-Fettsäuren bei Aufmerksamkeitsstörungen und bestimmten schulischen Teilleistungsschwächen.

Die Ätiopathogenese der Erkrankung ist äußerst komplex. Aus der Sicht des Neuropathologen liegt dem ADS/ADHS ein funktioneller Mangel der Neurotransmitter Dopamin, Norepinephrin und Serotonin zugrunde. Genetische Faktoren, Umwelteinflüsse (z. B. Ernährung) und psychosoziale Belastungsfaktoren spielen eine Rolle. Diagnostisch ist ein breites Feld abzudecken. Neben der Leitsymptomatik, dem sozialen Umfeld und der schulischen Situation müssen auch die individuellen mentalen und kognitiven Voraussetzungen der betroffenen Kinder berücksichtigt werden.

 

Eine brandaktuelle Studie liefert nun erstmals Einblicke in das Potenzial von hochdosierten Omega-3/6-Fettsäuren im Vergleich zu einer Therapie mit dem Stimulans Methylphenidat (MTP) [1]. Studienleiter Prof. Dr. Eduardo Barragán, Pädiatrische Neurologie, Kinderklinik der México Federico Gomez Universität: „Unsere Studie ist die erste, die Omega-Fettsäuren und Methylphenidat einem direkten Vergleich unterzog und zusätzlich eine Kombination beider Behandlungsansätze überprüfte.“ Eingeschlossen in die Studie wurden 90 Kinder im Alter zwischen sechs und 12 Jahren mit neu dia-gnostiziertem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität. Die Studie war prospektiv, randomisiert, doppelblind, sie hatte drei Arme, der Beobachtungszeitraum betrug ein Jahr. Teilnehmer der Behandlungsgruppe A erhielten langwirksames Methylphenidat mit einer Zieldosis von 1 mg/kg/d. Teilnehmer der Gruppe B erhielten Omega-3/6-Fettsäuren 792 mg/d (EquazenTM Pro 3 x 2 Kps. täglich). Teilnehmer der Gruppe 3 erhielten beide Präparate. Endpunkte waren die Reduktion der ADHS-Symptome, die Veränderung des klinischen Gesamteindrucks laut CGI sowie die Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen laut Angabe der Eltern. Klinisches Ansprechen war definiert als eine Reduktion der Symptome um mindestens 25 Prozent.

Eindrucksvolle Ergebnisse

Bei 75 Prozent der Teilnehmer aller drei Behandlungsgruppen war eine Besserung der Symptome um mindestens 50 Prozent zu beobachten. Im Kollektiv der Kinder mit prädominantem Aufmerksamkeitsdefizit war die Gabe von Omega-3/6-Fettsäuren bezüglich der Reduktion ADHS-Symptome ebenso wirksam wie MTP bzw. die Kombinationstherapie. Im Kollektiv der Kinder mit prädominanter Hyperaktivität war die Wirkung von MTP und der Kombinationstherapie vergleichbar besser als die Gabe von Omega-Fettsäuren allein. Einen Vorteil für die Kombinationstherapie gab es dennoch: Das Auftreten von Gewichtsverlust und Hyporexie im Rahmen der MPT-Therapie konnte durch die zusätzliche Gabe des Omega-Fettsäure-Präparates signifikant reduziert werden. Bezüglich des klinischen Gesamteindruckes nach einem Jahr zeigte die Gabe von Omega-3/6-Fettsäuren den besten Wert aller drei geprüften Therapien (Abb. 1). Hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs war unter der Kombinationstherapie eine rasche und konstante Wirkung zu beobachten. Die Wirkung der MPT-Monotherapie setzte zwar am raschesten ein, war jedoch im Vergleich zu den beiden anderen Therapien weniger stabil.

 

Prof. Barragán fasst zusammen: „Die Gabe von EquazenTM Pro war wirksam und gut verträglich. Sie kann bei Kindern mit ADHS empfohlen werden. Bei prädominantem Aufmerksamkeitsdefizit ist eine Monotherapie wirksam, bei Kindern mit prädominanter Hyperaktivität ermöglicht die zusätzliche Gabe von Omega-3/6-Fettsäuren eine Reduktion der Nebenwirkungen von Methylphenidat.“

Implikationen für die Praxis

Für das Behandlungskonzept haben die neuen Ergebnisse insofern Bedeutung, als sie ein individuelles Vorgehen unter Berücksichtigung der prädominanten Symptome unterstützen. „Auf Basis unserer Studienergebnisse ist es sinnvoll, mit Omega-3/6-Fettsäuren zu starten, wenn das Aufmerksamkeitsdefizit im Vordergrund steht“, betont Prof. Barragán. „Selbst bei schweren Symptomen, wo die Gabe von Methylphenidat indiziert ist, geben wir Omega-3/6-Fettsäuren dazu, um den Effekt der Therapie zu stabilisieren und die Verträglichkeit des Medikaments zu verbessern.“ Vor allem in der Langzeitanwendung haben Omega-3/6-Fettsäuren große Vorteile, weil sie nachweislich wirksam sind, die Entwicklung der Kinder in keinster Weise negativ beeinflussen und insgesamt sehr gut verträglich sind.

 

Prof. Barragáns Fazit: „Wie viele andere Ärzte war auch ich gegenüber diätetischen Nahrungsmitteln skeptisch. Schließlich entspricht die wissenschaftliche Datenlage vieler Präparate nicht den wissenschaftlichen Anforderungen, die wir als Basis für eine verantwortungsvolle Therapieentscheidung brauchen. Bei EquazenTM Pro ist das anders, da die vorliegenden Studien den ärztlichen Anforderungen auf jeden Fall gerecht werden.“

 

Bericht: Dr. Anita Kreilhuber (gekürzte Version)Referenzen

 

1 Barragan Eduardo et al., Posterpräsentation anlässlich der CADDRA Conference, 14. Oktober 2011, Toronto

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