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Kinder- und Jugendheilkunde 25. November 2011

Eine mögliche Hypothek

Als Frühchen überlebt – als junger Erwachsener nochmals gefährdet.

Ein Start als Frühchen kann offenbar auch noch Erwachsenen zum Verhängnis werden. In einer Studie wurde bei 18- bis 36-Jährigen ein Zusammenhang zwischen Geburtswoche und Sterblichkeit nachgewiesen.

Eine Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche erhöht im Vergleich mit reif geborenen Kindern das Mortalitätsrisiko nicht nur bei den Kleinsten, sondern auch noch im frühen Erwachsenenalter. Dies ergab eine Kohortenstudie, in der die Daten von über 600.000 Personen ausgewertet wurden, die in Schweden zwischen den Jahren 1973 und 1979 geboren waren.

Insgesamt 4,1 Prozent dieser Kinder waren mit einem Gestationsalter weniger als 37 Wochen zur Welt gekommen (22. bis 27. Woche: 0,03 Prozent; 28. bis 33. Woche: 0,8 Prozent; 34. bis 36. Woche: 3,3 Prozent). 8,6 Prozent der Frühchen waren vor dem ersten Lebensjahr gestorben. Während der gesamten Beobachtungszeit starben 7.095 Personen.

Das frühe Erwachsenenalter: scheinbar eine kritische Phase

Durch den langen Studienzeitraum von 36 Jahren zeigte sich, dass mit dem Überwinden der ersten Hürden nach einer Frühgeburt noch nicht alle Gefahren gebannt sind. Nicht nur die ersten Lebensjahre sind entscheidend, sondern auch das frühe Erwachsenenalter erwies sich als kritische Phase für tödliche Spätfolgen. Im Vergleich zu den termingerecht geborenen Teilnehmern war sowohl in der Gruppe der 1- bis 5-Jährigen als auch der 18- bis 36-Jährigen ein signifikanter linearer Zusammenhang zwischen Gestationsalter und Mortalität erkennbar.

Keine signifikanten Unterschiede zwischen 6 und 17 Jahren

Dabei steigerte jede Woche, die die 1- bis 5-Jährigen länger im Bauch der Mutter verbracht hatten, den Überlebensvorteil um etwa 8 Prozent. Während in den Altersgruppen der 6- bis 12-Jährigen und der 13- bis 17-Jährigen keine signifikanten Unterschiede erkennbar waren, wurde dieser Vorteil in der Gruppe der jungen Erwachsenen mit jeweils vier Prozent pro Gestationswoche wieder deutlich.

Mortalitätsrate bei den „reifsten“ Früchchen auch erhöht

Selbst bei den „reifsten“ Frühchen, die zwischen der 34. und der 36. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen waren, zeichnete sich in den beiden „sensiblen“ Altersgruppen im Vergleich zu den „Termingeborenen“ eine deutlich erhöhte Mortalitätsrate ab: bei den 1- bis 5-Jährigen um 50 Prozent, bei den 18- bis 36-Jährigen immerhin noch um 30 Prozent. Am häufigsten waren dabei angeborene Anomalien sowie respiratorische und endokrine Erkrankungen mit den Todesfällen assoziiert. Bei den 18- bis 36-Jährigen kamen kardiovaskuläre Erkrankungen hinzu.

Nicht zuletzt wegen der immer besseren medizinischen Versorgung von Frühgeborenen überleben immer mehr einen zu frühen Start ins Leben. Über die Langzeitfolgen, die diese Menschen bis ins Erwachsenenalter begleiten, ist bislang wenig bekannt.

Um so wichtiger sei es, diese Auswirkungen weiter zu untersuchen, schreiben die Autoren. Selbst noch bei Erwachsenen, die zu früh geboren wurden, müsse man sorgfältig auf mögliche Spätschäden achten.

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