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Für Kinder ist bei der Wundversorgung wichtig, dass diese sorgfältig und nicht uninteressiert durchgeführt wird.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 22. November 2011

Kinder und Schmerz

Wundversorgung benötigt ganzheitliche Pflege.

Schmerz im Verlauf der Wundbehandlung ist speziell bei Kindern mit Angst und Aufregung verbunden. Dies ist besonders beachtenswert, da einer akuten Wundbehandlung im Kindesalter meist auch ein traumatisches Erleben wie ein Unfall, ein Hundebiss oder eine Verbrennung vorangegangen ist. Umso mehr wäre es notwendig, wirksame Bewältigungsstrategien für Kinder anzubieten, um diese traumatischen Erfahrungen nicht noch zusätzlich zu verstärken. Nilsson et al. untersuchten in einem ersten Teil eines Projektes das Erleben des Behandlungsschmerzes bei Kindern zwischen fünf und zehn Jahren während einer Akutwundversorgung.

 

Die langfristigen Auswirkungen von unterbehandelten Schmerzen verzögern die Heilung, führen zu psychosozialen Problemen und wiederholtem Schmerzerleben. Daher ist ein angemessenes Schmerzmanagement im Zusammenhang mit der Wundversorgung essentiell. Pflegekräfte tendieren dazu, sich eher auf den Heilungsprozess zu konzentrieren und weniger auf die Schmerzerfahrung während der Behandlung.

Kinder benötigen jedoch einen ganzheitlichen Ansatz in der Wundbehandlung. Sie sollten Bewältigungsstrategien finden, damit keine schädlichen und langfristigen negativen Auswirkungen entstehen. Diese Strategien sollten jedoch abgestimmt sein auf die individuelle Entwicklung und die mentalen Fähigkeiten des Kindes. Nilsson et al. stellen einen Wissensmangel im Bereich des Schmerzmanagements in Verbindung mit der Wundbehandlung fest.

Grundlage für die Studie war der Ansatz der ganzheitlichen Pflege, wie sie mit der „Comfort Theory“ beschrieben wird. Diese umfasst vier Zusammenhänge: körperliche, psychospirituelle, Umwelt- und soziokulturelle Aspekte. 39 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren nahmen an der Untersuchung teil. Gründe für die akuten Wunden waren kleinere Verletzungen wie Radunfälle, Verbrennungen, Hundebisse, Stürze und Quetschungen. Aus den Interviews wurden vier Themen identifiziert: Klinische Kompetenz, Ablenkung, Teilnahme und Sicherheit. So war es für die Kinder beispielsweise wichtig, dass sie die behandelnde Person als geschickt erkannten. Die Kinder unterstrichen auch, dass es für sie wichtig war, dass die Behandlung sorgfältig und nicht schnell und uninteressiert durchgeführt wurde. Die Kommunikation mit der Pflegekraft ermöglichte den Kindern, deren klinische Kompetenz zu sehen, indem Erklärungen gegeben und auf die Sorgen der Kinder eingegangen wurde. Ablenkung half den Kindern, den Behandlungsschmerz zu bewältigen, wobei auch wichtig war, dass die Kinder über die Art der Ablenkung mitentscheiden konnten.

Ablenkungsstrategie selber festlegen

Die Ablenkungsstrategien verhinderten, dass die Kinder Angst oder Verzweiflung entwickelten. Ein Lollipop oder ein Computerspiel oder auch die Hand der Eltern zu halten oder mit der Pflegeperson zu sprechen waren einige der häufigsten Ablenkungsstrategien. Hatten die Kinder keine Möglichkeit einer Ablenkung, so stellten sie fest, dass sie eine wichtige Strategie im Schmerzmanagement vermissten. Während die Kinder die Kompetenz der Pflegekraft schätzten und die grundlegenden Entscheidungen über die Wundversorgung gerne in deren Hände legten, schätzten sie es, in kleinere Entscheidungen während des Ablaufs eingebunden zu werden, sei es in die Ablenkungsstrategie oder auch die Farbe des Verbandes. Sicherheit gewannen die Kinder, wenn sie merkten, dass die Pflegekraft nicht nur auf die Wundheilung, sondern auch auf die gesamte Schmerzerfahrung achtete und wenn sie auf die Bedürfnisse des Kindes einging und ihm zuhörte. Mitentscheiden zu können und als Person ernst genommen zu werden gibt den Kindern das Gefühl, Kontrolle über die Situation zu haben. Hilflosigkeit führt dagegen zu einem erhöhten Schmerzempfinden. Bisher, so die Autoren, werde zu wenig Aufmerksamkeit darauf gelegt, was die Kinder wünschen und dass sie auf diesem Weg besser mit der Situation umgehen können.

 

Stefan Nilsson et al,: Children’s experience of procedural pain management in conjunction with trauma wound dressing, in JAN 67(7) 2011: 1449-1457

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist erschienen im Magazin procare 8/2011.

© Springer-Verlag, Wien

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