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Kinder- und Jugendheilkunde 11. November 2011

Die Lungenschäden von Frühgeborenen sind noch im Schulalter nachweisbar.

Leipziger Universitätsmediziner erforschen die Atemwege von „Frühchen“.

Mitunter leiden frühgeborene Kinder noch im Schulalter unter verengten Atemwegen und Schäden an der Lunge, insbesondere wenn sie nach der Geburt länger mit Sauerstoff beatmet werden mussten. Dies zeigt eine Untersuchung der Arbeitsgruppe Pädiatrische Pneumologie an der Leipziger Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche. Ursachen der anhaltenden Lungenfunktionsstörungen seien neben den unreifen Lungen der Frühchen auch über längere Zeit benötigte Sauerstoffbehandlungen im Brutkasten. Die Wissenschaftler rufen daher dazu auf, die Grenzwerte für eine optimale Sauerstoffversorgung bei Frühgeborenen genauer zu erforschen.

Durch Fortschritte in der medizinischen Versorgung haben auch die winzigsten Frühgeborenen immer bessere Überlebenschancen: Heute überleben 60 Prozent der Kinder, die zwischen der 24sten und 25sten Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Doch ihre Lungen sind häufig noch unreif, so dass sie über längere Zeit beatmet werden und Sauerstoff zugeführt bekommen müssen. Frühgeborene, die länger als vier Wochen Sauerstoff benötigen, entwickeln häufig länger anhaltende Atmungsstörungen. Mediziner sprechen von einer „Bronchopulmonalen Dysplasie“ (BPD). „Die BPD ist unter anderem Folge der Lungenunreife, aber auch der Beatmung und Sauerstoffzufuhr“, erklärt Professor Dr. med. Wieland Kiess, Direktor der Universitätskinderklinik Leipzig. „Hohe Sauerstoffkonzentrationen können dabei auf die Zellen der Lunge toxisch wirken und diese nachhaltig schädigen.“

Noch im Grundschulalter sind diese Schäden bei einem Großteil der Kinder nachweisbar, zeigen nun Ergebnisse einer Untersuchung von Dr. med. Freerk Prenzel und Maike vom Hove von der Arbeitsgruppe Pädiatrische Pneumologie an der Universitätskinderklinik Leipzig und Professor Dr. med. Eva Robel-Tillig, Chefärztin des Fachbereichs Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin der Kinderklinik des St. Georg-Krankenhauses Leipzig. Bei 60 Prozent der Kinder, die im Säuglingsalter an einer BPD erkrankt waren, stellten die Wissenschaftler Lungenfunktionsstörungen fest: Bei einigen waren die Atemwege verengt oder auch die Lunge überbläht. Damit war die Atmung der Kinder doppelt so häufig gestört wie bei gleichaltrigen Frühgeborenen, die nicht an BPD erkrankt waren. Auch subjektiv litten die BPD-Patienten häufiger unter Beschwerden. 36 Prozent der Betroffenen gaben an, regelmäßig unter Hustenattacken, Auswurf, krankhaften Atemgeräuschen, Atemnot oder Keuchen zu leiden. Von den Kindern der Vergleichsgruppe gaben dies nur acht Prozent an.

Wie die Forscher zudem zeigen konnten, nahm jedes fünfte der betroffenen Kinder Asthmamedikamente ein. Prenzel sieht das kritisch: „Ursachen und Krankheitsbild der BPD unterscheiden sich grundsätzlich von Asthma“, sagt er. „Wir sollten deshalb bei jedem Therapieversuch feststellen, welchen Nutzen er tatsächlich bringt.“ Wichtig sei, dass die Kinder kontinuierlich durch einen Lungenfacharzt betreut werden.

Die Leipziger Mediziner rufen die Fachwelt dazu auf, der Entstehung einer BPD entgegenzuwirken: „Wir wissen heute, dass es nicht notwendig ist, dass Frühgeborene eine Sauerstoffsättigung von 100 Prozent erreichen“, sagt Wieland Kiess. Es müsse dringend eingehender erforscht werden, welche Sättigungsgrenzen optimal sind, um alle Organe ausreichend zu versorgen. Aufgrund der bekannten Gefahren von zu hoch dosiertem Sauerstoff, sei ein vorsichtiges Handeln ratsam.

Für ihre Forschungsarbeit „Pulmonale Langzeitfolgen der Bronchopulmonalen Dysplasie“ erhielten Maike vom Hove und Dr. med. Freerk Prenzel den mit 5000 Euro dotierten Hans-Joachim Dietzsch-Preis der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie (APPA).

 

Quelle: Pressemeldung der Universitäts-Kinder- klinik Leipzig, 1. 8. 2011

Informationen: www.appa-ev.de

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