zur Navigation zum Inhalt
© Johannes Hloch
Abb. 1: Bundesminister Alois Stöger zeigte sich erfreut und stolz darüber, dass in den letzten 17 Monaten aus dem „Kindergesundheitsdialog“ eine „Kindergesundheitsstrategie“ entstanden ist.
© Julian Scharpf/HBF

Abb. 2: Der Bundesminister stellte klar, dass der Erarbeitung der Kindergesundheitsstrategie nun eine Phase der Realisierung folgen müsse.

© Julian Scharpf/HBF

Abb. 3: Im Hauptreferat stellte Frau Dr. Veronika Wolschlager als Projektleiterin die in der „Kindergesundheitsstrategie“ definierten Themen und Ziele dar.

© Julian Scharpf/HBF

Abb. 4: Round Table Diskussion

 
Kinder- und Jugendheilkunde 11. November 2011

Aus dem Kindergesundheitsdialog wird eine Kindergesundheitsstrategie

Bericht vom Kindergesundheitstag am 29.09.2011 im Wiener Museumsquartier

Eineinhalb Jahre Arbeit

17 Monate vorher (am 28. 04. 2010) hatte Bundesminister Stöger zum „Kindergesundheitsdialog“ aufgerufen (siehe Heft 3/2010 von Pädiatrie & Pädologie).

Damals waren Expertinnen und Experten der Kindermedizin, aber auch aus damit assoziierten Bereichen aufgerufen worden, ihre Beiträge zur Verbesserung der Kindergesundheit in Österreich einzubringen. In weiterer Folge waren in sechs Arbeitsgruppen Schwerpunkte und Ziel erarbeitet worden. Die Arbeit dieser Gruppen wurde nunmehr am 29. 09. 2011 im Museumsquartier Wien zusammengefasst und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wie beim Start des „Kindergesundheitsdialoges“ erfolgte auch diesmal die Moderation durch Ricarda Reinisch. In ihrer Einleitung sprach sie von „über einer Million kleiner Menschen“ und machte damit einmal mehr deutlich, dass der Zugang zu Kindern und Jugendlichen und deren adäquate Kenntnisnahme nicht immer leicht fällt.

Begrüßung durch den Gesundheitsminister

Bundesminister Alois Stöger zeigte sich sichtlich erfreut und stolz darüber, dass in den letzten 17 Monaten aus dem „Kindergesundheitsdialog“ eine „Kindergesundheitsstrategie“ entstanden ist. Er ließ keinen Zweifel daran, dass dies nur durch die konstruktive Mitarbeit von über 180 Expertinnen und Experten möglich wurde, und forderte gleichzeitig zu weiterer Zusammenarbeit auf. Der Bundesminister stellte klar, dass der Erarbeitung der Kindergesundheitsstrategie nun eine Phase der Realisierung folgen müsse. Dabei verwies er auf das Schlagwort von „Health in all policies“, also das Hineinwirken auch in andere tagespolitische Bereiche. Im Speziellen nannte der Minister Armut als Krankheitsgefährdung.

Betroffene dürfen mitreden

Im Anschluss an das Einleitungsreferat des Gesundheitsministers wurde eine Schulklasse auf die Bühne gebeten, um an den Minister vorbereitete Fragen zu adressieren. Ungewöhnlich locker und sichtlich mit Freude beantwortete Bundesminister Stöger im Kreis der Kinder und Jugendlichen Anfragen wie „Was macht eigentlich ein Gesundheitsminister?“. Mit verblüffender Offenheit beantwortete er die Frage „Wie wird man eigentlich Gesundheitsminister?“ mit der Bemerkung, man müsse eben am richtigen Tag am richtigen Platz sein. Stöger war sich mit den Schülern einig darüber, dass in den Schulen „zu wenig Platz für körperliche Betätigung“ sei. Etwas ausweichend beantwortete er allerdings die Frage nach einem absoluten Rauchverbot. Er merkte an, dass derartiges eine „Frage der Mehrheitsfähigkeit“ sei und in einer Demokratie nicht einfach verordnet werden könne. Auf die Frage woher das Geld für die nunmehr in Aussicht genommen Verbesserungen kommen solle meinte der Minister, dass bei richtigem Einsatz der Mittel „eventuell gar nicht so viel mehr Kostenaufwand“ bestünde.

Vorstellung der „Kindergesundheitsstrategie“ – eine Broschüre mit 80 Seiten

Im Hauptreferat stellte Frau Dr. Veronika Wolschlager (Abb. 3) als Projektleiterin die in der „Kindergesundheitsstrategie“ definierten Themen und Ziele dar. Auch sie sprach einleitend noch einmal ihren Dank an alle aktiv Beteiligten aus und lud sie zur weiteren Mitarbeit ein.

Hatte man bei der Eröffnung vor 17 Monaten noch den Eindruck, Wolschlager sei im Bereich „Kindermedizin“ noch relativ unerfahren, präsentierte sie sich diesmal recht souverän und exzellent vorbereitet. Auch als langjährig in der Kindermedizin Tätiger hatte man den Eindruck, dass sie in diesen 17 Monaten reichlich an Erfahrung dazugewonnen hat und die Anliegen der aktiv Beitragenden auch entsprechend würdigt. Die Referentin stellte drei Leitsätze der zukünftigen Kindergesundheitsstrategie in den Mittelpunkt:

  1. Kinder/Jugendliche und ihre Bedürfnisse müssen im Zentrum der Bemühungen stehen
  2. Health in all policies
  3. Partizipation der Kinder und Jugendlichen

 

In weiterer Folge gab sie einen Überblick über die Inhalte der „Kindergesundheitsstrategie“, welche in fünf Themenfeldern und 20 Zielen Platz finden.

Die fünf Themenfelder wurden folgendermaßen zusammengefasst:

  1. Gesellschaftlicher Rahmen
  2. Gesunder Start ins Leben
  3. Gesunde Entwicklung
  4. Gesundheitliche Chancengleichheit
  5. Versorgung von kranken Kindern und Jugendlichen in spezifischen Bereichen

 

Die 20 Gesundheitsziele wurden ihrem Inhalt entsprechend diesen fünf Themenfeldern zugeordnet. Es finden sich darunter Inhalte wie Bildung, Bewegung, Ernährung, soziale Sicherstellung, Notfallversorgung, kinderpsychiatrische Versorgung, neonatologische Versorgung, Rehabilitation, Palliativpflege und Kinderarzneimittel.

 

Die Broschüre kann per Internet über www.bmg.gv.at bezogen werden oder als gebundene Broschüre telefonisch angefordert werden (0810-818164).

Beurteilung durch einen Kinderlobbyisten

Im Anschluss an die Präsentation war Primarius Vavrik zu einer Stellungnahme eingeladen. Er begrüßte die Weiterentwicklung vom Dialog zur Strategie, der nun allerdings auch die Realisierungsschritte folgen müssten. Er stellte auch an die Gesundheitssprecher der Parteien die Frage, was in den letzten 17 Monaten in der versprochenen überparteilichen Einigkeit diesbezüglich realisiert wurde.

Die zentrale Frage für ihn sei nunmehr „wer wann was mit welchen Mitteln macht“. Oder, anders ausgedrückt „Wann kommen die Maßnahmen bei den Kindern an?“

„Kinderarzneimittel – ein Licht am Horizont“?

Im letzten Referat verwies Professor Müllner von der AGES Pharmed einmal mehr darauf, dass im niedergelassenen Bereich der Pädiatrie bis zu 50% und an Intensivstationen bis zu 90 Prozent aller Arzneimittel „off label“ verwendet werden müssen. Er erwähnte, dass die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) sich seit vielen Jahren um eine Verbesserung bemüht. Nunmehr sei es in Zusammenarbeit mit der AGES realistisch, dass ein Studiennetzwerk für Kinderarzneimittel zustande kommt und von Seiten des BMG auch eine finanzielle Unterstützung über einige Jahre zur Verfügung gestellt wird.

Podiumsdiskussion der Gesundheitssprecher – ein entbehrlicher Tagesordnungspunkt

Der als Abschlussevent gedachte „Round Table“ (Abb. 4) wurde schließlich zur einem „Rohrkrepierer“. Zwar zeigte sich Dr. Grünewald von den Grünen noch inhaltlich bestens informiert, der Patientenanwalt Dr. Bachinger auch als Kinderlobbyist und Dr. Spadiut (BZÖ) mit seiner Forderung nach einer „Subkommission für Kindermedizin“ ebenfalls als (möglicherweise) solcher, in weiterer Folge kam die Diskussion der übrigen Diskutanten jedoch über das Niveau von „Gesunder Ernährung“ nicht hinaus. So endete die Diskussion schließlich in einem Streit darüber, ob der Schweinsbraten, die Hamburger von Mc Donald´s, das Saftwasser oder doch die Getränkeautomaten in den Schulen Schuld seien am schlechten Gesundheitszustand unserer Kinder und Jugendlichen. In dieser Situation und bei zunehmender Unruhe im Publikum zeigte die Moderatorin Ricarda Reinisch ihr Gefühl für Situationen, indem sie die Diskussionsrunde vorzeitig beendete.

Dank des Ministers

In einem kurz gefassten Schlusswort dankte Stöger neuerlich allen Beteiligten, ersuchte nochmals um die weitere Zusammenarbeit und brachte seinen Wunsch nach dem „besten Gesundheitssystem der Welt“ zum Ausdruck.

 

Anschließend lud er alle zum Buffet in die Aula ein. Die Anmerkung einer Teilnehmerin, man hätte statt der (von weither importierten) Erdbeeren (österreichische) Zwetschken anbieten sollen, ging schon im allgemeinen Gemurmel unter …

Fazit

Die nunmehr vorliegende „Kindergesundheitsstrategie“ stellt einen durchaus erfreulichen Aktionsplan für Kinder- und Jugendgesundheit dar. Wenn auch die 20 definierten Ziele teilweise sehr allgemein gehalten sind, wenig konkret bleiben und die in den Arbeitsgruppen erstellten Vorschläge nur ansatzweise wiedergeben, gibt die Absichtserklärung zur Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit doch Hoffnung für die Zukunft.

Entscheidend wird wohl sein, ob auch die letztlich alles bestimmenden Parlamentsparteien das wollen, was 180 Expertinnen und Experten unter der Koordination des BMG in den Detailplänen zusammengetragen haben ...

Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben