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Prof. Dr. Karl Zwiauer Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des Landesklinikums St. Pölten

 
Kinder- und Jugendheilkunde 5. November 2011

Husten und Schnupfen

Phytotherapeutika und Hausmittel lindern häufig die Symptome kindlicher Erkältungserkrankungen.

Sinkende Temperaturen und zunehmender Niederschlag – mit Herbstbeginn steigt die Wahrscheinlichkeit für Erkältungserkrankungen. Besonders Kinder leiden unter den Symptomen Husten und Schnupfen. Oft können altbewährte Hausmittel oder Phytotherapeutika Abhilfe schaffen.

 

Erkältungskrankheiten gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Dabei handelt es sich vorwiegend um unkomplizierte Infektionen, die vor allem den oberen Respirationstrakt betreffen. Leitsymptom ist in 50 Prozent aller Konsultationen „Husten“.

Ursächlicher Auslöser akuter Erkältungskrankheiten sind primär Viren, erst sekundär können Bakterien folgen. Der Faktor Kälte stellt absolut keine Voraussetzung für Erkältungserkrankungen dar, es konnte allerdings nachgewiesen werden, dass übermäßig lange und intensive Kälteeinwirkung zu einer Schwächung des Immunsystems führen kann.

Nach einer Inkubationszeit von ein bis fünf Tagen kommt es typischerweise zu serösem Schnupfen, begleitet von Fieber, Reizhusten, Halsschmerzen und Inappetenz, binnen sieben bis zehn Tagen zur spontanen Abheilung. Je jünger die Kinder, umso unspezifischer ist dabei die Symptomatik. Aufgrund der speziellen anatomischen Verhältnisse bei Säuglingen und Kleinkindern kann eine Rhinitis weitreichende Folgen haben. „Sie sind überwiegend sogenannte Nasenatmer, und das Anschwellen der Mucosa um 1mm reduziert das Lumen bereits um etwa 40 Prozent. Der daraus resultierende Stau bildet einen guten Nährboden für eine bakterielle Superinfektion“, betonte Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des Landesklinikums St. Pölten, im Rahmen eines Pressegesprächs anlässlich des Antibiotikatags 2011.

Altbewährte Hausmittel

Als Therapeutika kommen vor allem Hausmittel und Phytotherapeutika in Frage. Bei Fieber über 38,5 können Essigwickel oder Schwitzkuren zum Einsatz kommen. Feuchte Wadenwickel leiten durch Verdunstungskälte Hitze aus dem Körper ab. Wichtig ist, dass der ganze Körper einschließlich der Füße bei der Behandlung warm bleibt und die Wickel gewechselt werden, bevor sie kalt werden. Meist genügen drei Wickelvorgänge, um das Fieber zu senken.

Bei Schwitzkuren mit Tee kommen vor allem Lindenblüten oder Holunderblütentee als klassische „Fiebertees“ zur Anwendung. Vor dem Einschlafen trinken lassen und danach den Kindern einen warmen Schlafanzug anziehen und sie gut zudecken.

Bäder mit einem Zusatz aus Menthol-, Eukalyptus-, Thymian- oder Fichtennadelöl können in der Anfangsphase von banalen Infekten bei größeren Kindern zur Anwendung kommen: sie fördern die Durchblutung, lindern Gliederschmerzen und erhöhen die Körpertemperatur. Die ätherischen Öle lösen Sekret aus Nase und Bronchien. Die Kinder sollen dafür für etwa zehn Minuten in der Badewanne baden. Bei Fieber sollte man aber auf diese Form verzichten.

US-Forscher fanden heraus, dass Inhaltsstoffe der Hühnersuppe Infekte der oberen Atemwege hemmen. Die heiße Suppe erhöht außerdem die Körpertemperatur und lindert Gliederschmerzen. „Nur die selbst gekochte Hühnersuppe hilft jedoch wirklich“, so Zwiauer.

Auch Topfenwickel sind ein altes und gerne angewendetes Hausmittel, ebenso Kartoffelwickel.

Kräutertees können bei Reizhusten dämpfend und/oder Schleim lösend wirken. Gegen den Reizhusten hilft beispielsweise eine Teemischung aus 25 Gramm Eibischwurzel mit 20 Gramm Isländisch Moos, je 20 Gramm Anis- und Fenchelfrüchten sowie 15 Gramm Lindenblüten. Sechs Teelöffel der Kräutermixtur mit drei Tassen kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Schleimfördernd wirken auch Mischungen aus gleichen Teilen Huflattich, Wollblume und Süßholz. Pro Tasse einen Teelöffel der Mischung mit kochendem Wasser aufgießen und zehn Minuten ziehen lassen.

Als Symptomatika gegen Schnupfen kommen Meersalz/Kochsalz-Tropfen zur Anwendung, gegebenenfalls auch abschwellende Nasentropfen oder Sprays. Der Gebrauch dieser „Vasokonstriktiva“ sollte sieben Tage nicht überschreiten Nicht empfohlen speziell für Kleinkinder sind ätherische Öle oder Antihistaminika.

Phytotherapeutika

Die Beseitigung des Nährbodens für eine Superinfektion lässt sich mit entsprechend hochwertigen Phytotherapeutika wie Sinupret®-Tropfen deutlich verbessern. Es gibt derzeit aber wenig methodisch einwandfreie Studien zur Bewertung der Wirksamkeit verschiedener Sekretolytika speziell in Hinblick auf die Linderung des akuten Hustens. Allerdings wurde die Wirksamkeit einer kombinierten Phytotherapie (Thymian und Efeu bzw. Thymian und Primel) bei akutem Husten in zwei randomisierten kontrollierten Studien nachgewiesen. Für diese hochwertigen Phytotherapeutika (zB. Bronchipret® = Thymian+Efeu) gibt es seitens der Deutschen Gesellschaft für Pulmologie bereits den Empfehlungsgrad stark bei mittelgradiger Evidenzlage.

Bei Verwendung von Phytotherapeutika ist darauf zu achten, dass diese auch tatsächlich in Studien ihre Wirksamkeit nachgewiesen haben. Vor allem in der Anfangsphase der akuten klinischen Symptomatik können und sollen diese Präparate in entsprechenden Dosierungen zur Anwendung kommen. FH n

 

Quelle: Pressekonferenz „Antibiotikatag 2011“, 20. Oktober 2011

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