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Foto: photos.com
Nuckelflaschen begünstigen Karies, Zahndurchbruchsstörungen und Kieferfehlstellungen.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 3. Oktober 2011

Schädliches Nuckeln

Kinderärzte propagieren den frühen Fläschchen-Entzug.

Bereits im zarten Alter von 15 Monaten sollten Kinder aus dem Becher trinken und keine Flasche mehr benötigen. Dies zumindest empfiehlt die American Academy of Pediatrics.

Nicht nur schlechte Zähne und falsche Ernährungsgewohnheiten können die Folge des Dauernuckelns sein. Beobachtungsstudien gaben auch Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen prolongiertem Flaschengebrauch, übermäßigem Milchkonsum und Eisenmangel bei Kindern. Inwieweit Kinderärzte die Trinkgewohnheiten der Kinder beeinflussen können und davon dann die Eisenspeicher der Kinder profitieren, untersuchten kanadische Wissenschaftler nun an insgesamt 201 Kindern.

Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung im Alter von neun Monaten gaben sie allen Eltern Hinweise zur Ernährung und sprachen dabei unter anderem über eisenreiche Nahrungsmittel. Die Eltern der Interventionsgruppe wiesen sie jedoch zusätzlich auf die Risiken des prolongierten Fläschchengebrauchs und Folgen wie Karies und auch Eisenmangel hin. Sie rieten, die Milchmenge auf höchstens 16 oz (etwa 470 ml) zu begrenzen und hielten sie dazu an, ihre Kinder vom Fläschchen zu entwöhnen. Dazu gaben sie ihnen eine konkrete schriftliche Anleitung und statteten sie mit einer Trinklerntasse aus. Bei der Vorsorge für Zweijährige bestimmten sie dann den Ferritin-Wert der Kinder und fragten erneut nach den Trinkgewohnheiten der Kinder.

Beratung nicht umsonst

Der Rat stieß offensichtlich bei vielen Eltern auf offene Ohren: Kinder der Interventionsgruppe verwendeten durchschnittlich drei Monate früher die Tasse und waren vier Monate früher vom Fläschchen entwöhnt als ihre Gefährten aus der Kontrollgruppe. Nur 15 Prozent von ihnen nuckelten mit zwei Jahren noch an der Flasche, im Vergleich zu 40 Prozent der Kinder mit weniger eindringlich beratenen Eltern. Die Eisenspeicher der Kinder blieben allerdings von der Beratung unbeeinflusst, und auch der Milchkonsum unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Dies könnte daran liegen, dass die Ärzte durch eine im Vorfeld durchgeführte Beobachtungsstudie für die Problematik des übermäßigen Milchtrinkens sensibilisiert worden seien und ihre Patienten ohnehin routinemäßig darüber aufgeklärt hätten, vermuten die Autoren. Weitere Studien an weniger aufgeklärten Probanden seien deshalb angeraten.

Quelle: SpringerMedizin.de; Maguire JL et al. Office-based intervention to reduce bottle use among toddlers: TARGet Kids! pragmatic, randomized trial. Pediatrics 2010; 126: e343–9

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