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© ROTE NASEN Clowndoctors, Gudrun Bittner
© ROTE NASEN Clowndoctors, Gudrun Bittner © Nina Goldnagl

Abb. 1: Lachen zu können ist ein Zeichen für Vitalität und Lebenskraft.

© ROTE NASEN Clowndoctors, Gudrun Bittner

Abb. 2: Der Clown erfindet die Welt neu und lädt dazu ein, die eingeschränkte Welt des Krankenzimmers mittels Phantasie zu durchbrechen.

© ROTE NASEN Clowndoctors

Abb. 3: Der Clown ist Genie und Tölpel: Er betrachtet die Welt mit offenen Augen, nimmt alles so wie es ist und begegnet Patienten daher unvoreingenommen.

 
Kinder- und Jugendheilkunde 30. September 2011

Die (Heil-) Kraft des Humors

Gespräch mit Monica Culen, Gründerin und Geschäftsführerin der ROTE NASEN Clowndoctors

Pädiatrie & Pädologie: Frau Culen, Sie haben 1994 den Verein ROTE NASEN Clowndoctors gegründet. Was hat Sie dazu bewogen?

Culen: Die Idee der Spitalsclowns kommt ursprünglich aus Amerika. Unser Vorbild dabei ist Michael Christensen, denn er hat als erster die Figur des Spitalsclowns eingesetzt.

Diese Arbeit der Clowns im Krankenhaus hat mich sofort angesprochen. Da ich selbst als Kind extrem lang und unter schwierigen Umständen im Spital war, weiß ich, wie sehr Kinder darunter leiden, in einer fremden Umgebung sein zu müssen, dazu vielleicht noch oft alleine und eventuell mit schwierigen Therapien.

So habe ich 1994 gemeinsam mit Giora Seeliger (Foto), der auch heute noch der künstlerische Leiter ist, den Verein ROTE NASEN Clowndoctors gegründet.

 

Kein Anfang ist leicht – wie war das bei Ihnen?

Culen: Wir mussten zu Beginn große Überzeugungsarbeit im Krankenhaus leisten. Die Kombination Krankheit und Lachen war damals für viele nicht nachvollziehbar. Ärzte und Pflegepersonal befürchteten, dass es viel Lärm und Chaos geben würde.

Aber unsere Clowns haben sie schnell überzeugen können - und heute sind sie für viele aus dem Spitalsalltag nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil! Wenn unsere Clowns heute zu einer schwierigen Untersuchung hinzu kommen, können sie die Situation emotional entschärfen, indem sie das verängstigte Kind einfühlsam in ihren Bann ziehen und so von Angst und auch Schmerzen ablenken. Auch die besorgten Eltern sind dann oft sehr er- leichtert.

 

Warum ist es so wichtig, im Krankenhaus zu lachen?

Culen: Schon Sigmund Freud sagte: Lachen ist eine unabdingbare Voraussetzung für Lebensfähigkeit. Lachen zu können ist ein Zeichen für Vitalität und Lebenskraft. Gerade wenn Kinder aufhören zu lachen ist größte Gefahr in Verzug. Im Krankenhaus konzentriert sich alles auf die Krankheit. Daher freuen sich die kleinen Patienten über den Besuch der Clowns. Bei ihnen steht das Kind im Vordergrund und nicht die medizinische Prognose. Die Clowns schaffen es, den Kreislauf der gedrückten Stimmung und traurigen Gedanken sehr schnell zu unterbrechen – mit nachhaltiger Wirkung!

Mit dem Lachen kommt auch die Erleichterung – nicht nur bei den Kindern selbst, auch bei den anwesenden Eltern oder Verwandten. Durch Humor können sich neue Blickwinkel auftun, und Optimismus hat wieder eine Chance.

Dafür braucht es natürlich ein sensibles Vorgehen. Unsere Clowns werden laufend geschult und lernen, alle Sinne offen zu haben und ein Gespür für jeden Patienten zu entwickeln.

 

Warum Clowns? Was ist an der Figur des Clowns so besonders?

Culen: Der Clown ist Genie und Tölpel, Kind und Weiser gleichzeitig. Er betrachtet die Welt mit offenen Augen und nimmt alles so wie es ist. Daher begegnet er den Patienten unvoreingenommen. Er ist Zuhörer, Freund, Interpret und Spiegel der Befindlichkeit. Er stellt sich auf die jeweilige Situation im Krankenzimmer ein und kann mit den Mitteln der Clownerie und des Humors die Atmosphäre verändern.

Dabei erfindet der Clown die Welt neu und lädt dazu ein, die eingeschränkte Welt des Krankenzimmers mittels Phantasie zu durchbrechen. So gelingt es ihm bei den Patienten, Schmerzen, Angst oder Unsicherheit für diesen Augenblick vergessen zu machen und mehr Platz für Zuversicht und Freude zu schaffen.

ROTE NASEN gibt es auch inter- national?

Culen: Ja! Wir haben sehr bald nach der Vereinsgründung 1994 in Österreich viele Anfragen aus den Nachbarländern bekommen. ROTE NASEN Ungarn „Piros Orr“ haben wir bereits 1996 gegründet und mit unserem Know-How sehr rasch aufgebaut. Da weitere Anfragen folgten, wurde es 2003 notwendig, eine Dachorganisation zu etablieren. ROTE NASEN Clowndoctors International war geboren. Heute gibt es acht ROTE NASEN Organisationen: in Österreich, Ungarn, Deutschland, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Slowenien, Neuseeland und ganz neu seit Februar diesen Jahres auch in Kroatien. Außerdem unterstützen wir gerade mit Hilfe der EU und des OPEC Fund ein Theater im palästinensischen Autonomiegebiet bei der Ausbildung neuer Clowndoktoren.

 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Culen: Unser relativ neues Projekt „Circus Patientus“ liegt uns sehr am Herzen. Das ist ein spezielles Programm für kleine Langzeitpatienten. Unsere Clowns studieren dabei mit kranken Kindern innerhalb von wenigen Tagen ein Zirkusprogramm ein - egal ob die Patienten bettlägrig sind oder ein Gipsbein haben, jeder kann mitmachen! Am Ende der Woche gibt es dann den großen Auftritt im Krankenhaus.

Die kranken Kinder haben so viel Spaß daran und freuen sich über das Gruppenerlebnis und über den Applaus auf der Bühne. Solche Erfolgsmomente haben durchaus auch therapeutische Effekte. Deswegen wollen wir dieses Programm auch als einen jährlichen Fixpunkt in Krankenhäusern etablieren.

Zusätzlich möchten wir ein neues Programm auf die Beine stellen, das sich an mehrfach mental und körperlich behinderte Kinder richtet. Es wird ein einfühlsamer, musikalischer Auftritt der Clowns sein bei dem die Kleinen mit eingebunden und auch alle ihre Sinne angesprochen werden. Die individuelle Zuwendung ist dabei ganz essentiell und macht so einen Clownbesuch zu einem lebendigen Erlebnis.

Ein ähnliches Projekt läuft bereits sehr erfolgreich in den Niederlanden. Auch in Österreich gibt es eine große Nachfrage. Im Herbst möchten wir damit starten.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

 

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