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Herausforderung Konzentrationsstörungen

Rund 200.000 schulpflichtige Kinder sind von Konzentrationsstörungen betroffen, die Eltern und Lehrer, aber auch Psychologen und Mediziner vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Ursache und Hintergrunde sind vielfältig. Bekannt sind Mängel in der Lebensführung wie mangelhafter Tagesrhythmus oder ein Zuviel in der Konsumation elektronischer Medien jeglicher Art.

„Wir stellen aber auch erhebliche Defizite in der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern fest“, betonte der in Niederösterreich tätige Beratungslehrer und Psychologe Mag. Heinz Längle bei einem Symposium.

Was steckt dahinter?

Die Wiener Kinderpsychiaterin Prof. Dr. Brigitte Hackenberg wies auf den Konnex von Konzentrationsstörungen zu bestimmten Krankheitsbildern hin: „Kognitive Störungen können in Verbindung mit einer hirnorganischen Systemerkrankung auftreten oder im Zusammenhang mit anderen psychiatrischen Störungen stehen. Erkrankungen des Nervensystems erhöhen grundsätzlich das Risiko für psychische Störungen auf bis zu 80 Prozent.

Daraus resultiert im Umkehrschluss die von Carl Jaspers formulierte Schichten-Regel: Jede psychische und psychiatrische Auffälligkeit muss organisch abgeklärt werden!“ So könnten ADHS, Angst, Depression, posttraumatischer Stress oder sogar Autismus für das Phänomen der Konzentrationsstörung verantwortlich sein. Besonders hoch sei die Korrelation mit kindlichen Depressionen.

Zahl der Betroffenen steigt

Eine wesentliche Rolle in der Beurteilung nimmt die Sozialpsychiatrie ein. Dazu der Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, Prim. Klaus Vavrik: „In Industrieländern ist eine beständig und rasant steigende Zahl an Betroffenen festzustellen, wobei die Ausbreitungsgeschwindigkeit aber keinen epidemiologischen Regeln folgt. Sie übersteigt die rechnerische Zielgröße einer genetisch determinierten Erkrankung deutlich. Aus sozialpädiatrischer Sicht müssen vor allem das bindungs- sowie das trauma- und das soziogen-orientierte Symptomverständnis hervorgehoben werden.“

„Fettloses“ Gehirn

Die als Anzeichen der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen geltenden kognitiven Störungen wie Lese- oder Schreibschwäche sind hirnorganisch im frontalen Cortex angesiedelt. Die Leistungsfähigkeit dieser Hirnregion wird bereits in der Schwangerschaft positiv oder eben auch negativ beeinflusst. Auf dies wies der Pädiater Prof. Dr. Karl Zwiauer, Vorsitzender der Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde hin. Treten dort in der Schwangerschaft Mangelzustände an so genannten Omega-3-Fettsäuren auf, so komme es zu Defiziten in der Gehirnentwicklung mit der Folge kognitiver Entwicklungsstörungen.

Schon in den 1980er-Jahren stellte man epidemiologische Mängel an essentiellen Fettsäuren bei Kindern mit verschiedenen Entwicklungsstörungen wie beispielsweise Dyslexie, Dyspraxie, Autismus, Angststörungen, Tic-Störungen, Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität fest.

In der wohl bekanntesten Studie in diesem Zusammenhang, der Oxford-Durham Studie, konnte gezeigt werden, dass betroffene Kinder von einer zusätzlichen Gabe hoch dosierter fehlender Fettsäuren profitieren.

Prinzipiell bedürfen Konzentrationsstörungen unbedingt einer intensiven, multidisziplinären Abklärung. Ähnliches gilt auch für die Behandlung. Hier kann ebenfalls nur eine multimodale Therapie zum Erfolg führen, so die Experten.

 

Quelle: Multidisziplinäres Symposium zu kindlichen Konzentrationsstörungen, 14. Mai 2011, Wien.

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