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Abb. 1: Bei der Schlaflaboruntersuchung (Polysomnografie, PSG) werden zahlreiche Sensoren angebracht, um die wichtigsten physiologischen Parameter zu registrieren. Die Indikation zur PSG ergibt sich aus der Anamnese, im Kindesalter ist der Verdacht auf ob
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Abb. 2 Trichterbrust als Folge nächtlicher „Einziehungen“ bei obstruktivem Schlafapnoesyndrom (OSAS) eines 2-jährigen Buben.

 

Wenn Kinder (nicht) schlafen ...

Wann spricht man von einer Schlafstörung?

Der heurige „Weltschlaftag“ am 18. 3. 2011 hatte das Schwerpunkthema „Kinderschlaf“. Anlässlich dieses Aktionstages veröffentlichte die World Association of Sleep Medicine (WASM) unter dem Titel „Sleep well, grow healthy“ auf ihrer Website (www.wasmonline.org) folgende Erklärung:

Whereas, sleepiness and sleeplessness are a global epidemic that threaten health and quality of life,

Whereas, much can be done to prevent and treat sleepiness and sleeplessness,

Whereas, professional and public awareness are the first step to action,

We hereby declare the disorders of sleep preventable and treatable medical conditions in all countries of the world.

 

(www.worldsleepday.org)

 

Die Weltgesellschaft für Schlafmedizin bekennt sich somit dazu, dass Schlafstörungen kein schicksalhaftes und unüberwindliches Problem darstellen, sondern vielmehr erkannt und behandelt werden müssen, auch um schwerwiegende Folgeprobleme zu vermeiden. – Dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, welche noch eine lange Lebensphase vor sich haben, in welcher durch Schlafstörungen auch Entwicklung und Wachstum beeinträchtigt sein können.

Wann spricht man von einer kindlichen Schlafstörung?

Im Gegensatz zum Erwachsenenalter ist der Begriff „Schlafstörung“ im Kindesalter nicht exakt definiert. Grundsätzlich sollte ein „Schlafproblem“ jedoch immer dann ernst genommen werden, wenn es zu einer Beeinträchtigung des familiären Wohlbefindens führt oder Verdacht auf eine organische Schlafstörung besteht. In diesen Fällen sollte professionelle Hilfe gesucht werden, die das Problem oft in sehr kurzer Zeit lösen oder zumindest zu einer signifikanten Besserung beitragen kann.

Nicht organische Schlafstörungen

Darunter versteht man Schlafprobleme ohne organische Ursache. Oft schildern Eltern das Problem mit den Worten „Mein Kind kann nicht schlafen“, und viele von ihnen haben zu diesem Zeitpunkt das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ schon gelesen.

 

Dazu ist festzuhalten dass KEIN KIND SCHLAFEN LERNEN MUSS, weil jedes Kind von Geburt an schlafen KANN.

Wenn man – als Erstmaßnahme – Eltern ein Schlafprotokoll ihres Kindes über 14 Tage erstellen lässt, kommen sie oft sehr schnell drauf dass ihr Kind GAR NICHT SO WENIG SCHLÄFT. Das Problem – insbesondere bei Säuglingen - liegt eher darin dass diese nicht dann schlafen, wenn ihre Eltern das wollen, sondern eine gewisse Autonomie der Schlafzyklen beibehalten oder auch erst entwickeln. Es ist also der zirkadiane Tag-Nacht-Rhythmus (noch) nicht jenem der Eltern angepasst. „Schlafgestört“ im eigentlichen Sinn ist dann nicht das Kind, sondern dessen Eltern, die die Nachtstunden als „Erholungszeit“ dringend benötigen.

 

Auch im Kleinkindesalter überwiegen derartige nichtorganische Schlafstörungen, wobei in diesem Alter insbesondere auch die Angst vor dem Alleinsein zu den Einschlaf- und Durchschlafproblemen beiträgt.

Die Behandlung nichtorganischer Schlafprobleme erfordert in der Regel eine exakte Problemanalyse mit Erstellung eines Schlafprotokolls, und in weiterer folge ein entsprechendes „Verhaltenstraining“ mit den Eltern. Mit professioneller Unterstützung kann in der Regel in wenigen Wochen eine zufrieden stellende Besserung des „Interaktionsproblems“ erzielt werden.

Eine genauere Beschreibung der dabei möglichen Maßnahmen wurde in „Pädiatrie und Pädologie“ Heft 1/2003 (S.14-22) publiziert. Ersthilfetipps sowie ein downloadbares Schlaftagebuch finden sich auch auf www.sids.at.

Organische Schlafstörungen

Organische Schlafstörungen haben ihre Ursache in physiologischen Fehlfunktionen. Die häufigste der organischen Schlafstörungen ist das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS). Dabei kommt es durch eine Behinderung des Luftflusses im Bereich der oberen Atemwege zu einer Unterbrechung des alveolären Gastaustausches und dadurch zu einem CO2-Anstieg (Hyperkapnie) bzw. einer Sauerstoffmangelversorgung (Hypoxie).

 

Ständiges Atmen mit offenem Mund, gehäuftes nächtliches Schnarchen, nächtliche „Einziehungen“ beim Atmen, nächtliche Schweißneigung, morgendliche Mundtrockenheit, (sekundäre) Enuresis nocturna, aber auch Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, Schulschwierigkeiten und Verhaltensstörungen sind die häufigsten Folgesymptome eines OSAS.

Die häufigste Ursache für obstruktive Apnoen ist die adenotonsilläre Hyperplasie, und in den meisten Fällen ist durch Adeno(tonsill)otomie bzw. -ektomie eine rasche Normalisierung der Atemnotsymptomatik erzielbar. Die rechtzeitige Intervention ist auch deshalb dringend indiziert, um dadurch Sekundärveränder- ungen (persistierende anatomische Anomalien im Bereich der obern Luftwege, Trichterbrust, Rechtsherzbelastung bis zum Cor pulmonale) hintanzuhalten.

Schlaflaboruntersuchungen

Poly(somno)grafische (PSG) Untersuchungen sind bei den meisten nichtorganischen Schlafstörungen nicht indiziert. Hingegen ist bei Verdacht auf organische Schlafstörungen ihre Bedeutung unbestritten, und die PSG gilt als der „Goldstandard“ der OSAS-Diagnostik. Nur damit kann z.B. zwischen dem „harmlosen“ primären Schnarchen und dem (behandlungsbedürftigen) Schnarchen infolge obstruktiver Ventilationsstörungen differenziert werden.

 

Andere Indikationen sind der Verdacht auf pathologisch lange zentrale Apnoen, Hypoventilation (z.B. Undine Syndrom) oder schlafassoziierte Krampfanfälle.

Hingegen erfordern die meisten Parasomnien (Pavor nocturnus, Schlafwandeln [Somnambulismus], Enuresis nocturna, Zähneknirschen [Bruxismus]) meist keine Schlaflaboruntersuchung, weil sie alleine durch Anamnese und ev. ein mitgebrachtes Elternvideo meist recht gut diagnostizierbar sind.

 

Nähere Details zu Schlaflaboruntersuchungen und schlafbezogenen Atemstörungen wurden in „Pädiatrie und Pädologie“ Heft 5/2005 (S.22–29) publiziert.

Tipps für gesunden Kinderschlaf

Die WASM hat auf ihrer Homepage „10 Gebote für gesunden Kinderschlaf“ publiziert. Diese entsprechen weitestgehend jenen Empfehlungen, die auch von österreichischen Fachgesellschaften (ÖGKJ, ASRA) ausgesprochen werden. Sie werden folgendermaßen zusammengefasst:

 

  • Ruhiger Schlafraum, gutes Bett, angenehme Raumtemperatur
  • Geregelte Bettgehzeit, auch am Wochenende
  • Strukturierter Tagesablauf mit altersadäquatem Mittagsschlaf
  • Vermeidung aufregender Aktivitäten vor dem Schlafengehen
  • Kein TV oder Computerspiel unmittelbar vor dem Schlafengehen
  • Abendliches „Bettgehritual“ (Gutenachtgeschichte oder ähnliches)
  • Elterliche Konsequenz, aber keine Drohungen

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.sids.at unter dem Menüpunkt „Schlaflabor“.

Reinhold Kerbl, Irina Grigorow

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