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Jour fixe für Impfexperten

Der Österreichische Impftag feierte sein 20-jähriges Bestehen.

Der 20. Österreichischen Impftag für Ärzte und Apotheker mit über 400 Teilnehmern fand am 9. April 2011 wieder in Salzburg statt. Schon in der Begrüßung wurde seitens der Österreichischen Apothekerkammer (Ch. Körner) und der Österreichischen Ärztekammer (H.J. Pruckner) die Wichtigkeit, Sinnhaftigkeit und Nützlichkeit des Impfwesens betont.

Auf Grund des Jubiläums – 20 Jahre – war als Hauptrednerin Frau BM a.D. Lore Hostasch eingeladen. In ihrem Referat kam sie ausführlich auf die Schwierigkeiten einer Kostenübernahme von Impfungen zu sprechen und schilderte die günstige Umstände, welche es ihr und ihren Mitarbeitern möglich machten ab 1998 die damals allgemein empfohlenen Impfungen für Kinder kostenfrei anzubieten. Nur durch die Vereinigung der Agenden von Gesundheit und Sozialem in einem Ministerium und einer geschickten Zusammenarbeit mit den Bundesländern war die Nutzung eines engen Zeit- und Kostenfensters für diese grundlegende Entscheidung möglich. Ihr Engagement ist bis heute beispielgebend geblieben. Zum historischen Anlass passend wurde von I. Mutz die Geschichte der Impfempfehlungen in Österreich von 1802 bis 2011 berichtet.

 

In den anschließenden wissenschaftlichen Sitzungen wurde ein breiter Themenkreis abgehandelt und auch diskutiert. M. Kunze hat (als Einspringer für den beruflich verhinderten H. Hrabcik) die Problematik der Influenza-Pandemie-Einschätzung sowie die Resistenz der österreichischen Bevölkerung gegenüber der Prävention durch Impfung, aber auch gegen eine rechtzeitige und zeitgemäße Behandlung der Erkrankten mit Neuraminidase-Hemmern - wie immer pointenreich – erläutert. Als kontrastierende Erfolgsgeschichte wurde die Situation der FSME in Österreich im Vergleich mit anderen ähnlich bedrohten Nachbarländern eindrucksvoll vorgebracht. Als Gastreferent aus Antwerpen hat P. van Damme umfassend die Krankheitsbilder und den Impfschutz von Hepatitis A und B besprochen, wobei vor allem die nicht begründbare Fortsetzung von Auffrischungsimpfungen für Personen ohne spezielles Risiko diskutiert wurde.

 

H. Holzmann referierte über die weiterhin problematische Situation der Masern in Europa, welche vor allem durch unzureichende Durchimpfungsraten und negative Propaganda von Impfverweigerern begründet ist. In Bulgarien sind wegen der großteils finanziell nicht leistbaren Impfung in letzter Zeit von > 24.000 Erkrankten 24 Kinder an Masern gestorben.

 

B. Zöhrer lieferte neben den aktuellen Statistiken auch eindrucksvolle Fallbeispiele von Pneumokokken-Meningitis. Über die ursprünglich für das Jahr 2000 geplante, aber trotz intensiver Bemühungen noch immer nicht in Reichweite befindliche Eradikation der Kinderlähmung referierte I. Mutz, wobei die nächste Zielvorgabe für 2012 auch von Experten für möglicherweise zu optimistisch angesehen wird. Wie immer eindringlich und humorvoll stellte H. Kollaritsch die von Ärzten und Laien zunehmend propagierten Titerbestimmungen von Impfungen dar und begründete sachlich die Möglichkeiten und Grenzen von Interpretation, Verlässlichkeit und damit Sinnhaftigkeit von Titer-Ergebnissen bei den einzelnen impfpräventablen Krankheiten.

 

B. Tucek (AGES PharmMed) stellte die auf Evidence basierenden umfangreichen regulatorischen Voraussetzungen für die Zulassung von Impfstoffen lebhaft und verständlich dar. B. Hofer beschrieb an Hand des Beispiels der HPV-Impfung das von M. Binder geleitete Projekt einer neu begonnenen, grundlegenden Evidence-Sammlung, welche medizinischem Fachpersonal und Laien wissenschaftliche Daten verfügbar und benützbar machen soll. Das Problem der Impfung von Risikogruppen d.h. Personen mit verschieden schweren Beeinträchtigungen des Immunsystems sowie Schwangere wurde von U. Wiedermann mit viel Präzision referiert.

 

Der Abschluss war durch zwei Vorträge gegeben, welche sich mit Nebenwirkungen von Impfungen (K. Zwiauer) und Impfschäden (W. Zenz) beschäftigten. Dabei wurde vor allem auf die Schwierigkeit der Kausalitätsbeurteilung von „unexpected or adverse reactions following immunization“ und die Abgrenzung gegenüber der – auch ohne Impfprogramme stets nachweisbaren Hintergrund-Morbidität eingegangen und eindruckvolle Beispiele vorgestellt.

 

Insgesamt wurde auch dieser 20. Österreichische Impftag für Ärzte und Apotheker von den meisten TeilnehmerInnen sehr positiv bewertet und die geplante Fortsetzung im Jahr 2012 (am 24.3.) generell begrüßt.

 

 

Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz

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