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Abb. 1: Gespräche mit Lehrern zeigen, dass es heute in jeder Klasse Kinder mit „Problemen“ gibt.

Abb. 2: Bei einer Kumulation von Risikofaktoren kommt es eher zu psychischen Störungen.

Abb. 3: ADHS (ADHD) ist eine phänomenologische Diagnose; hier der psychosoziale Risikoscore.

Abb. 4: Eine Imbalance der Ernährung als kausaler Faktor steht im Zentrum laufender Forschungen.

 

Konzentrationsstörungen: Was tun?

Experten diskutierten in der „Gesellschaft der Ärzte“ den Stellenwert des häufigen Symptoms sowie Behandlungsoptionen.

Im Februar d. J. trafen Experten aus mehreren medizinischen Bereichen im Billrothhaus, Wien, zusammen, um den Komplex „Konzentrationsstörungen“ zu analysieren. H. Längle berichtete aus seiner Beratungspraxis, B. Hackenberg ging auf das „Symptom schwerer Grunderkrankungen“ ein. K. Vavrik berichtete über „Konzentrationsstörungen aus sozialpsychiatrischer Sicht“. „Symptom von Mangelernährung“ war das Thema des Referates von K. Zwiauer. Abschließend ging B. Birtoli auf die „Intervention mit einem diätetischen Lebensmittel“ ein.

Gespräche mit Lehrern zeigen, so Längle, dass es heute in jeder Klasse Kinder mit „Problemen“ gibt. (Abb. 1) Es sind 2 bis 3 Kinder von 20. Grundsätzlich ist zu beobachten, dass Kinder weniger belastbar sind als früher und deren motorische Unruhe zugenommen hat. Schüler sind heute nicht dümmer oder fauler, sie leben aber unter stark veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. Konzentrationsprobleme sind, so Längle, oft Steuerungsprobleme. „Es ist nämlich gar nicht klar, ob nicht Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen und Aggressivität ganz normale mentale Reaktionen auf systematisch organisierte unterrichtliche Langeweile sind.“ (Prof. Dr. Herrmann U. in „Lernen und Gehirn“) Die Schule wird sich fit machen müssen; Eltern können steuern, gestalten: Der Alltag soll stressarm und rhythmisch gestaltet sein. Eine biologische Intervention ist ratsam.

Konzentrationsstörung ist ein unspezifischer Begriff; synonym gebraucht wird der Terminus „leichte kognitive Störung“. Diese kann, so Hackenberg, in Verbindung mit einer Systemerkrankung oder mit anderen psychiatrischen Störungen stehen. Es gibt psychiatrische Störungsbilder, deren Symptomatik „Konzentrationsstörungen“ inkludiert: Dazu gehören ADHS, Depression und Angststörungen, um nur einige Beispiele anzuführen. Leitlinien zu diesen Krankheitsbildern gibt es im Internet, unter www.awmf-leitlinien.de.

 

Vavrik berichtete, dass ADHS die heute am häufigsten diagnostizierte Verhaltensauffälligkeit sei; die Ausbreitung erfolge nicht nach den Regeln der Epidemiologie und betrage die 60-fache Prävalenz in 10 Jahren. ADHS ist jedenfalls eine phänomenologische Diagnose des Verhaltens. Aus sozialpädiatrischer Sicht unterscheidet man ein Bindungs-orientiertes, ein Trauma-orientiertes und ein soziogen orientiertes Symptomverständnis. Vavrik präsentierte eine Zusammenschau der psychosozialen Risken: den modifizierten Risikoscore nach Laucht, Mannheimer Longitudinalstudie. Danach kommt es bei einer Kumulation von Risikofaktoren (Abb. 2, 3) eher zu psychischen Störungen in der Kindheit. Den Fokus in Diagnostik und Therapie sollten wir, so der Experte, verstärkt und so früh wie möglich auf psychosoziale Belastungsfaktoren auch der Erwachsenenwelt richten. Lebens- und Lernfelder sollten im Sinne einer Stressreduktion und eines effizienten Stressmanagements verändert werden. Allgemein sei eine Überprüfung des Lebensstils ratsam: Liegen kindgerechte Rahmenbedingungen vor? Ressourcen und Responsivität in Elternschaft und Schule sollten verstärkt werden. Ist eine Behandlung erforderlich, so zeigt ein multimodaler Therapieplan, unter Einschluss von sowohl Psychoedukation als auch Medikation, die besten Ergebnisse. Aus sozialpädiatrischer Sicht gibt es in unserer Gesellschaft zahlreiche kausal wirkende Konstellationen. Eine Veränderung der Inzidenz dieser Störung setzt Veränderungen gesellschaftlicher Art voraus.

Zwiauer ging sodann auf den Themenbereich Mangelernährung ein. In unserem Jahrzehnt liegen, wie Untersuchungen zeigten, eine abnehmende Zufuhr von Omega-3 PUFA, sowie – bedingt durch die „Western Diet“ – eine Omega-6/Omega-3 Imbalance in der Gesamtbevölkerung vor, welche den Auftakt zu zahlreichen klinischen Studien setzte. Frühe klinische Studien mit Omega-6 Fettsäuren (GLA) Supplementierung zeigten einen nur minimalen Effekt, Studien mit einer Monotherapie mit Omega-3 Fettsäure Supplementierung erwiesen sich als ineffektiv. Erst jene klinischen Studien, welche eine Kombination der beiden Omega-Fettsäurefraktionen im Verhältnis 3:1 verwendeten, zeigten sich wirksam bei Kindern mit neurokognitiven Störungen (ADHS, Dyslexie, Dyspraxie, Autismus). Hier ist die Oxford Durham Studie zu nennen (2005): In 11 der 13 ADHS Skalen zeigten sich nach drei Monaten signifikante Verbesserungen. Zusammenfassend erwähnte der Experte nochmals, dass bei Kindern mit neurokognitiven Störungen eine Imbalance von Omega-3/ Omega-6 Fettsäuren vorliegt. Kontrollierte randomisierte doppel-blinde Studien bestätigen signifikante klinische Verbesserungen durch Supplementierung mit LC-PUFA.

Der Oxford Studie folgten weitere: 2007/08 die Adelaide Studie, 2008 die Göteborg Studie.

„Intervention mit einem diätetischen Nahrungsmittel“ war der Titel des Referats von B. Birtoli. Ein diätetisches Lebensmittel ist definiert als Lebensmittel, das für eine bestimmte Personengruppe und zu einem bestimmten Ernährungszweck geeignet ist. Seine Wirkung gegen spezifische Störungen u/o besondere physiologische Umstände muss klinisch erwiesen sein. Die Aufmerksamkeitsstörung ist ein solcher definierter Bereich. Was die Kausalität von Störungen der Aufmerksamkeit betrifft, so steht eine Imbalance der Ernährung im Zentrum des Interesses laufender Forschungen: Die Ernährung in den Industriestaaten ist häufig reich an Fett, wobei aber gesättigte Fettsäuren überwiegen und eine mangelnde Aufnahme von Omega-3 Fettsäuren vorliegt (Abb. 4). Dieses Fettsäure-Aufnahmemuster führt zu einer Fehlregulation der Neurotransmission: Es finden sich um 10 bis 60 Prozent weniger Serotonin und Serotonintransporter im Vorderhirn. Auch die dopaminen Neuronen nehmen ab, und die Regulierung der präsynaptischen Ausschüttung erfolgt fehlerhaft.

Die Wirkung von langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren bei Kindern mit Störungen der Koordinierungsentwicklung (DCD) mit gleichzeitigen Verhaltens- und Lesestörungen zu untersuchen, war das Ziel der Oxford-Durham Studie, welche Birtoli nochmals erwähnte. Die Ergebnisse sind signifikant: Nach einer dreimonatigen Einnahme des Präparats EquazenTM pro zeigte sich bei den Probanden eine signifikante Verbesserung der Unaufmerksamkeit, sowie auch der Lese- und Schreibfähigkeit.

Eine weitere Studie befasste sich mit nicht-ADHS-diagnostizierten Kindern. Auch Ihnen wurde das Präparat EquazenTM pro, diesmal in einer Dosierung von sechs Kapseln pro Tag und einer Behandlungsdauer von 15 Wochen, verabreicht. Die Studie zeigt eine signifikante Verbesserung der Aufmerksamkeit, der kognitiven Probleme und des ADHS Indexes unter EquazenTM pro.

 

Die dritte Studie, welche Birtoli präsentierte, befasste sich mit der Behandlung des ADHS und der damit verbundenen Krankheitssymptome bei Kindern und Jugendlichen (8 bis 18 Jahre). Die Probanden erhielten über die Dauer von drei Monaten täglich sechs Kapseln EquazenTM Pro oder ein Placebo. Das Ergebnis: Es gab in der Gruppe mit dem Leitsymptom Unaufmerksamkeit sowie bei Lese- und Schreibstörungen signifikant mehr Responder, im Vergleich zu Placebo.

Zusammenfassung

Die Genese der Aufmerksamkeitsstörung liegt zum Teil in unserer westlich-industrialisierten Ernährung. Der dadurch bedingte Mangel an essentiellen Fettsäuren führt gemeinsam mit Cofaktoren zur Ausbildung der Symptomatik einer Aufmerksamkeitsstörung bzw. eines ADHS. Sozialpädiatrisch betrachtet, gibt es zahlreiche Ansatzpunkte, die Situation der auffälligen Kinder und Jugendlichen zu beeinflussen. An einer Medikation führt aber in den meisten Fällen kein Weg vorbei. Hier bieten sich Nahrungsergänzungsmittel, wie EquazenTM pro, an. Die Wirksamkeit und Sicherheit des Produkts wurde in klinischen Studien bestätigt.

Quelle: Expertentreffen „Konzentrationsstörungen“, Billrothhaus Wien – „Gesellschaft der Ärzte“, 25. 2. 2011

 

Richardson AJ, Montgomery P (2005) The Oxford-Durham study: a randomized, controlled trial of dietary supplementation with fatty acids in children with developmental coordination disorder. Pediatrics 115(5): 1360-1366

 

Portwood MM. The role of dietary fatty acids in children´s behaviour and learning. Nutrition and Health (2006) 18: 219–232

 

Sinn N, Bryan J. Effect of supplementation with polyunsaturated fatty acids and micronutrients on learning and behavior problems associated with Child ADHD. J Developmental Behavioral Pediatrics. (2007) 28:82-91.

 

Sinn N, Bryan J. Cognitive effects of polyunsaturated fatty acids in children with attention deficit hyperactivity disorders symptoms: A randomised controlled trial. Prostaglandins Leukotriens EFA (2008) 78:311-26.

 

Johnson M, Östlund S, Fransson G et al (2008) Omega-3/omega-6 fatty acids for attention deficit hyperactivity disorder: a randomized placebo-controlled trial in children and adolescents. J Atten Disord. doi:l 0.1177/

Konzentrationsgestört - warum?
1. Offenes, multidisziplinäres Symposium zu kindlichen Konzentrationsstörungen

Termin: Samstag, 14. 5. 2011, 10:30 h s. t. – 12:30 h
Ort: Billrothhaus – Gesellschaft der Ärzte, Frankgasse 8, 1090 Wien
Veranstalter: Österreichisches Grünes Kreuz für Vorsorgemedizin, Initiative „pro päd“ – Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, „Medienakademie Gesundheit“ – Dr. Wolfgang A. Schuhmayer

Anmeldung:
E-Mail:
Internet: http://www.v-p-c.at/registration.html
Anmeldung bitte bis 6. Mai 2011

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