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Der österreichische Pädiater Theodor Escherich als Bakteriologe und Sozialhygieniker: Zur 100. Wiederkehr seines Todestages am 15. Feber 1911

Escherich, geboren am 29. November 1857 in Ansbach, Bayern, Vorstand der Kinderkliniken in Graz (ab 1890) und Wien (ab 1902), begann seine bakteriologischen Arbeiten 1884 bei einem kurzen Besuch im St. Anna-Kinderspital in Wien und setzte sie als Assistent in München und Klinikvorstand in Graz fort. Ausgehend von seinen bakteriologischen Untersuchungen der Muttermilch kam er zur Erforschung der physiologischen und pathogenen Bedeutung der Darmflora des Säuglings. In Ausstrichen aus Mekonium und Milchstuhl fand er Kokken, Stäbchen mit und ohne Sporen und Sprosspilze. Unter diesen Keimen untersuchte er insbesondere zwei genau, die er "Bacterium lactis aërogenes" (heute: "Aerobacter aerogenes") und "Bacterium coli commune" nannte. Im Jahre 1919, schon 8 Jahre nach Escherichs Tod, erschien für letzteren Keim erstmals in der Literatur der Namen "Escherichia coli", welcher der in der Bakteriensystematik gültige Species-Namen wurde. Durch diese posthume Ehrung wurde Escherich weltweit bekannt. Auch für weitere, zu Escherichs Lebzeiten noch nicht kultivierbare Erreger von Darminfektionen, die wir heute zu Campylobacter/Helicobacter zählen, kann Escherich als Erstbeschreiber gelten. In Graz und insbesondere in Wien richteten sich Escherichs sozialmedizinische Aktivitäten auf den "Säuglingsschutz", den er durch die Errichtung von Säuglingsabteilungen, die Belehrung der Mütter, Verbesserung der Säuglingsnahrung und die Ausbildung von Kinderpflegerinnen und Hebammen förderte. Das erste große Ziel dieser Ideen war die Schaffung einer zentralen "Reichsanstalt für Mutter- und Säuglingsfürsorge" in Wien, die aber leider erst während des 1. Weltkriegs im Oktober 1915 eröffnet werden konnte, also 4 1/2 Jahre nach Escherichs Tod am 15. Feber 1911.

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