zur Navigation zum Inhalt
 
Kinder- und Jugendheilkunde 19. Jänner 2011

pädiatrie & pädologie“ Jahresrückblick 2010 und -ausblick 2011

R. Kerbl„pädiatrie & pädologie“ Jahresrückblick 2010 und -ausblick 2011

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Es ist nun bereits das vierte Jahr meiner He-rausgeberschaft für „pädiatrie & pädologie“, und wie in den letzten Jahren darf ich zum Jahreswechsel einen Rückblick auf das vergangene Jahr sowie einen Ausblick auf das nächste Jahr vornehmen. Das österreichische Gesundheitswesen war Anfang des Jahres 2010 zunächst noch durch die drohende „Schweine-grippe“ paralysiert. Erst als klar wurde, dass die „neue“ H1N1-Grippe wie im australischen Winter auch in Österreich nicht nur klinisch meist mild verläuft, sondern zusätzlich auch die saisonale Grippe weitgehend verdrängt, waren im österreichischen Gesundheitswesen auch wieder Ressourcen für andere Anliegen mobilisierbar. So wurde schließlich im April 2010 der im Jahr 2004 unter der damaligen Bundesministerin Rauch-Kallat in Zusammenarbeit mit der ÖGKJ erstellte „Nationale Kindergesundheitsplan für Österreich“ reaktiviert. Bundesminister Stöger eröffnete am 28. April 2010 den auf etwa ein bis zwei Jahre anberaumten „Kindergesundheitsdialog“. Unter Einbindung von Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der Kindermedizin, aber auch damit verbundenen Bereichen wie Sozialwesen und Pädagogik, soll in sechs Arbeitsgruppen an einer weiteren Verbesserung des österreichischen Kindergesundheits- systems gearbeitet werden. Wesentliche Schwerpunkte wie Arzneimittelsicherheit für Kinder, Rehabilitation (auch) für Kinder und Jugendliche, sowie die allgegenwärtige „Schnittstellenproblematik“ sind Bestandteil dieses Kindergesundheitsdialoges. Einzelne Bereiche daraus wie die Kinder- und Jugendrehabilitation scheinen erstmals eine realistische Chance auf Umsetzung zu haben. Über Details wurde im Heft 3/2010 ausführlich berichtet. Das seit vielen Jahren insbesondere im städtischen Bereich nicht zufriedenstellend gelöste Problem der Schnittstellen zwischen der Pädiatrie im niedergelassenen und im Spitalsbereich konnte erwartungsgemäß auch in diesem Jahr keiner Lösung zugeführt werden. Der Meinung mancher, dass man auf die niedergelassenen Pädiater eventuell ganz verzichten könne, wird seitens der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde jedoch entschieden entgegengetreten. Das österreichische System der Primärversorgung durch niedergelassene Kinder- und Jugendfachärzte und der Sekundär- und Tertiärbetreuung an den Kinder- und Jugendabteilungen hat sich seit vielen Jahren bewährt. Gerade durch die Zusammenarbeit klinisch tätiger Kollegen mit bevölkerungsnahen Niedergelassenen können auch zukunftsweisende Konzepte insbesondere im Bereich der Prävention und der Sozialpädiatrie realisiert werden, und es ist dies eine echte Herausforderung für die nächsten Jahre! Auch der „Mutter-Kind-Pass“ war im Jahr 2010 Gegenstand wiederholter Diskussionen. Dies u.a. deshalb, weil 1) neben den Pädiatern auch weitere Berufsgruppen in den MKP hineindrängen und 2) das Ludwig-Boltzmann-Institut für Health Technology Assessment unter der Leitung von Frau Dr. Claudia Wild mit einer Neukonzeption des Mutter-Kind-Passes beauftragt wurde. Ein immer währender Schwerpunkt der Pädiatrie ist das Impfwesen. In diesem Bereich kam es zuletzt zur Einführung eines 10-valenten (Synflorix®) sowie eines 13-valenten (Prevenar®) Pneumokokkenimpfstoffes. Nach wie vor konnte jedoch die generelle Kostenübernahme für die PNC-Impfung nicht erreicht werden, obwohl diesbezüglich eine eindeutige Empfehlung des Österreichischen Impfausschusses im Obersten Sanitätsrat vorlag. Weitere Neuerungen im Bereich des Impfwesens waren die Reduktion von drei auf zwei Impfdosen der Sechsfachimpfung im ersten Lebensjahr, sowie die Einführung eines konjugierten polyvalenten Meningokokkenimpfstoffes (Menveo®). Vorübergehend für Aufregung gesorgt hat auch eine Kontamination der Rotavirusimpfstoffe mit porciner Virus-DNA (vom Schwein), die sich aber rasch als harmlos herausgestellt hat. Gut besucht waren im Jahr 2010 die hochkarätigen wissenschaftlichen und Fortbildungs-Tagungen der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Zu nennen sind hier u.a. die Fortbildungstage in Obergurgl, der pädiatrische Frühling in Seggau, die Jahrestagung in Linz sowie die ÖGKJ-Fortbildungstage in Leoben. Die Linzer Jahrestagung wurde von Frau Primaria Dr. Gabriele Wiesinger in hervorragender Weise koordiniert und unter das Thema „In die Wiege gelegt“ gestellt. Im Rahmen der Jahres- tagung wurden Herr Prof. Dr. Wilhelm Müller (Graz) und Herr Prof. Dr. Leonhard Hohenauer (Linz) für ihre herausragenden Verdienste um die österreichische Pädiatrie bzw. Sozialpädiatrie ausgezeichnet. Die Fortbildungstage in Leoben („Pädiatrie MMX“) wurden unter das Thema „Was gibt es Neues“ gestellt, und erzielten trotz der Zeitnähe zur Jahrestagung mit über 150 Teilnehmern vermutlich einen Teilnehmerrekord. Dies belegt, wie wichtig Österreichs Kinderärzten regelmäßige und qualifizierte Fortbildung ist! Die letzten Monate des Jahres 2010 waren schließlich u.a. durch das Thema „Abschiebung von Kindern“ bestimmt. Neben vielen anderen Interessensgruppen hat sich auch die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde zu Wort gemeldet und u.a. daran erinnert, dass die 1989 beschlossenen und 1992 auch von Österreich ratifizierten UN-Kinderrechte noch immer nicht in der Verfassung verankert sind. Die österreichische Pädiatrie ist gefordert, unter Einbringung ihrer sozialmedizinischen Expertise auch an dieser Entwicklung aktiv mitzu- arbeiten. Damit möchte ich zu einer kurzen Vorschau auf das Jahr 2011 übergehen. Neben den vielen oben angesprochenen und großteils noch nicht abgeschlossenen Arbeitsinhalten gilt es, weitere Aktivitäten im Bereich der Prävention, der Sozialmedizin und der seelischen Gesundheit zu setzen. Dabei ist klar, dass dies nur in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Berufsgruppen gelingen kann. Kinderärztinnen und Kinderärzte sollten aber in diesen Bereichen nicht nur ihre Expertise einbringen, sondern als die eigentlichen „Kinder- und Jugendspezialisten“ auch weiterhin die Themenführerschaft übernehmen. Kritisch zu verfolgen ist auch der weitere Verlauf des „Kindergesundheitsdialoges“. Es wird vor allem auch an uns Kinder- und Jugendärzten liegen, dass dieser Dialog zufriedenstellende Ergebnisse erzielt, die über Absichtserklärungen hinausgehen und letztlich wirklich den Kindern und Jugendlichen dienen. Schon jetzt darf ich auch einige Termine zur Vormerkung empfehlen. Es sind dies die internationale EPA/UNEPSA- Tagung vom 23. bis 26. 6. 2011 in Wien (Tagungspräsident Prof. Dr. Kaulfersch), die ÖGKJ-Jahrestagung vom 07. bis 08. Oktober 2011 in Villach (Tagungspräsident Prof. Dr. Birnbacher), sowie die ÖGKJ-Fortbildungstage in Innsbruck (vermutlich November 2011). Die Verantwortlichen von „pädiatrie & pädologie“ werden sich auch im Jahr 2011 größte Mühe geben, Sie mit qualifizierter, praxisbezogener und anschaulicher Fortbildung zu versorgen, und wir hoffen dass wir weiterhin mit Ihrer Lesertreue rechnen dürfen. Für das Jahr 2011 wünsche ich Ihnen viel Erfolg im Beruf, vor allem aber Zufriedenheit, Glück und Gesundheit!■ Leoben, im November 2010R. Kerbl

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben