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Frühgeborene können von einer Kraniosakraltherapie profitieren.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 5. Jänner 2011

Kraniosakraltherapie bei Frühgeborenen

Umgebungsstimulation fördert die Spontanmotorik.

In Tierversuchen konnte die Rehabilitation sensoneurologischer Defizite verbessert werden, indem eine „Early Intervention“ im Sinne einer Umgebungsstimulation eingesetzt wurde. Aber ist dies auf den Menschen übertragbar? Dieser Frage widmete sich eine randomisierte, prospektive Studie an gesunden Frühgeborenen.

 

Die Kraniosakraltherapie ist eine Behandlungsform der Manualtherapie, die sich aus der Osteopathie entwickelt hat. Ihr liegt die Annahme zugrunde, dass die Dura mater, die Gehirn und Rückenmark auskleidet, sich in einem bestimmten Rhythmus bewegt, der unabhängig von Atmung und Herzfrequenz ist und den der geschulte Therapeut mit seinen Händen aufspüren und beeinflussen kann.

Ziel der Studie war, die Auswirkung einer Umgebungsstimulation mittels dreiwöchiger Kraniosakraltherapie bei „gesunden“ Frühgeborenen zu untersuchen. Eingeschlossen wurden Frühgeborene mit einem Gestationsalter <37 Schwangerschaftswochen mit stabilem Gesundheitszustand und ohne neurologische Auffälligkeiten. Auch die kranielle Sonografie musste unauffällig sein. Die Frühgeborenen wurden in eine Inverventionsgruppe (IG, 13 Frühgeborene) und Kontrollgruppe (KG, 14 Frühgeborene) randomisiert. Die IG erhielt innerhalb von drei Wochen zweimal pro Woche für je 20 Minuten eine Kraniosakraltherapie, die KG blieb ohne Therapie. Mittels Videodokumentation wurden die Bewegungsmuster (General movements, GM) in beiden Gruppen jeweils 15 Minuten vor und nach der Intervention aufgezeichnet.

Insgesamt wurden je Studienteilnehmer 12 getrennte Filmsequenzen analysiert. In der KG sank im Beobachtungszeitraum der GM-Motor Optimality Score signifikant ab von im Median 31,5 auf 20 Punkte, p=0,004 (Wilcoxon paired test). Im Gegensatz dazu zeigte der Score in der IG keine Veränderung, er startete bei 23 Punkten und endete bei 20. Besonders der GM-Motor Optimality Score der oberen und der unteren Extremitäten verschlechterte sich in der KG signifikant (p=0,005; Wilcoxon paired test), im Hals-Rumpf-Bereich hingegen zeigte sich in beiden Gruppen keine Veränderung. In der IG, die eine Umgebungsstimulation mittels Kraniosakraltherapie erhielt, sank im Gegensatz zur KG die Qualität der Spontanmotorik nicht.

 

Quelle: Sommer C. et al, Craniosacral therapy as an environmental stimulation in preterm infants.

Klin Padiat. 2010; 222: S75-S75.

Von Heike Thiesemann-Reith, Ärzte Woche 1 /2011

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