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Kinder- und Jugendheilkunde 5. Jänner 2011

Probiotika in der Pädiatrie

Prävention und Therapie gastrointestinaler Krankheiten und Funktionsstörungen.

Der Einsatz von Probiotika bei Kindern erfolgt zunehmend auf Basis evidenzbasierter Daten. Dabei werden die Speziesspezifität, der Applikationszeitpunkt, die Dosis-Wirkungs-Beziehung und der Wirkungsnachweis in randomisierten kontrollierten Studien bewertet. Anwendung finden sie zur Prävention und Therapie unterschiedlicher Krankheiten, Ernährungs- und funktioneller Störungen.

 

Die klinische Wirkung probiotischer Bakterien wurde bei Kindern in den letzten Jahren in vielen Bereichen untersucht: infektiöse Gastroenteritis, chronisch entzündliche Darmerkran-kungen, Reizdarm, Helicobacter-pylori-Gastritis, antibiotikainduzierte Diarrhö. In der Neonatologie fanden diese Substanzen in Studien zur Prävention der nekrotisierenden Enterokolitis und der neonatalen Sepsis bereits breite Anwendung. Eine dominierende Rolle nehmen bei den Interventionsstudien Bifidobakterien und besonders Laktobazillen als Probiotika ein. Ein Problem bei der Interpretation der Studienergebnisse stellt allerdings die keineswegs abgeschlossene taxonomische Einteilung der Gattung Lactobacillus dar. Derzeit sind über 80 Laktobazillusarten und mehrere Unterarten anerkannt.

Prävention und Therapie der infektiösen Gastroenteritis

Die Applikation von Probiotika zur Therapie einer akuten viralen Gastroenteritis ist aufgrund zahlreicher Studien in der pädiatrischen Praxis anerkannt. So zeigte eine Metaanalyse eine Verkürzung der Durchfalldauer von 14 bis 20 Stunden. Positive Studien liegen v. a. für Lactobacillus GG bei Rotavirusinfektion vor. Weniger Daten existieren aus Studien mit Lactobacillus reuteri, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus bifidus und Escherichia (E.) coli Nissle sowie mit Kombinationspräparaten. Auch konnte mit mikrobiologischen und molekulargenetischen Analysemethoden und in klinischen Studien nachgewiesen werden, dass probiotische Bakterien bei Durchfallerkrankungen im Säuglings- und Kindesalter einen präventiven bzw. bei Ausbruch der Krankheit einen positiven, d. h. die Schwere der Krankheit signifikant abmildernden Effekt ausüben. Es besteht eine signifikante Dosis-Wirkungs-Beziehung.

In der 2008 aktualisierten und bis 2013 gültigen Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) werden Probiotika daher zur Therapie der infektiösen Gastroenteritis empfohlen. Es sollten allerdings nur solche Probiotikastämme zum Einsatz kommen, die in randomisierten kontrollierten Studien (RCT) eine nachgewiesene Wirkung aufwiesen. Betont wird auch, dass sich eine hohe Dosis und ein früher Einsatz sehr positiv auf den Therapieerfolg auswirken.

Im Gegensatz zur viralen Gastroenteritis existieren nur wenige Studien zur Prävention oder Therapie bakterieller Entzündungen des Gastrointestinaltrakts. Eine kürzlich publizierte In-vitro-Studie deutet jedoch darauf hin, dass Lactobacillus GG auch zur Prävention und Behandlung von durch enteropathogene Bakterien ausgelöste Epithelläsionen wirksam sind.

Prävention gastrointestinaler Entzündungen bei Frühgeborenen

Bei sehr unreifen Frühgeborenen wird die postnatale Antigenstimulation nachteilig beeinflusst. Während bei gestillten Kindern v. a. Bifidobakterien und Laktobazillen primär das Gastroenteron besiedeln, sind es bei Frühgeborenen Erreger der Hospitalflora, also oft pathogene bzw. potenziell pathogene Erreger. Dies birgt das Risiko von Entzündungsprozessen bis hin zur nekrotisierenden Enterokolitis als schwerwiegendste Darmentzündung.

Um dieses Risiko zu minimieren, wurden zahlreiche Studien mit Probiotika zur Prävention von nekrotisierenden Enterokolitis durchgeführt. Zusammenfassend kann auf der Basis aktueller Daten festgestellt werden, dass Probiotika offensichtlich den enteralen Nahrungsaufbau von Frühgeborenen forcieren. Obwohl noch nicht alle Fragen schlüssig zu beantworten sind, sollten Probiotika mit nachgewiesener nekrotisierender Enterokolitis-präventiver Wirkung auf neonatologischen Intensivstationen angewendet werden. Für die Therapie der nekrotisierenden Enterokolitis sind sie jedoch nicht geeignet.

 

Quelle: M. Radke, Monatsschr Kinderheilkd 2010, 158:570–582; DOI 10.1007/s00112-009-2156-x

Online publiziert: 17. April 2010

  • Frau Sandra Sandra Sandmann, 07.01.2011 um 13:20:

    „Nach dem sowohl ich als auch mein Partner an Magen- und Darmkrankheiten leiden, haben wir uns entschieden unserem Baby Omnibiotic Panda (ein Probiotika für Schwangere, Babies und Kleinkinder) zu geben. Noch während der Schwangerschaft kann man es nehmen.“

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