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Kinder- und Jugendheilkunde 11. November 2010

„Feeding for Life“



Teil 2: Prävention und Therapie der kindlichen Adipositas

Aus österreichischen schulärztlichen Untersuchungen (2005-6) 6- bis 14-jähriger Kinder (n=114.148) werden 15,8 Prozent bis 21.9 Prozent, im Wiener Gesundheitsbericht (2004, 10–15 jährige) 25 Prozent Übergewicht bzw. Adipositas berichtet. Eine Ernährungserhebung an Kleinkindern (2004, 12–36 Monate) zeigt, dass der Anteil der Kinder mit einem BMI > 90. Percentile bei Geburt von 8 Prozent auf 14,6 Prozent zum Alter bei der Befragung zugenommen hat. Der Anteil der Kinder mit einem BMI innerhalb der 25. bis 75. Percentile hat von 60,3 Prozent auf 46,2 Prozent abgenommen (n = 174). Nach der international akzeptierten Hypothese der Prägung im frühen Kindesalter ist damit bereits der Grundstein für die Entwicklung des Metabolischen Syndroms und dessen Ausprägung bei den Erwachsenen spätestens in 20 bis 30 Jahren gelegt.

Die Zunahme der Adipositasprävalenz ist das Ergebnis veränderter Lebensbedingungen. Ein großer Teil der Kinder ist durch adipogene Lebensbedingungen gefährdet! Für den Kinderarzt bedeutet dies, Kinder mit familiärem Risiko frühzeitig zu erfassen (Risikofaktoren wurden in „Pädiatrie & Pädologie“, Heft 4/2010 beschrieben), individuell Ernährungs-, Bewegungs-, Gewichtsverhalten engmaschig (häufiger als MKP) zu kontrollieren und diese einem primärpräventiven nachhaltigen Schulungsprojekt für Eltern (Mutter) und Kind zuzuführen. Als primäre individuelle Präventionsziele sind anzustreben:

  • Wissensvermehrung zur gesundheitsfördernden Ernährung;
  • Umsetzung der gesundheitsfördernden Ernährung in die Praxis;
  • Erlernen und Training des Ernährungs- und Essverhaltens;
  • Förderung von Gewichtsbewusstsein, körperlichen Alltagsaktivität, Vermehrung der mageren Körpermasse;
  • Erreichen einer Gewichtsreduktion beziehungsweise -stabilität je nach Alter und Gewicht;
  • Verminderung der Komorbidität;
  • Vermeidung von Essstörungen;
  • Erlernen von Problembewältigung und Sicherung erreichter Verhaltensänderung;
  • Verbesserung der körperlichen, psychischen und sozialen Entwicklung und Leistungsfähigkeit.

Diese Ziele können nur in multidiszi-plinärer Zusammenarbeit umsetzbar. Dem Kinderarzt kommt eine Schlüsselrolle bei der Feststellung der Risikokinder zu, der selektiven und gezielten Prävention, der Diagnostik der Komorbidität (metabolisches Syndrom), der Zuführung und Leitung von Therapiemaßnahmen, der Motivation und Erfolgskontrolle. Für die unterstützenden Maßnahmen kann er seine(n) Patient(en)in gemeinsam mit ihren Bezugspersonen an die Spezialisten der verschiedenen Fachrichtungen (Ernährung, Bewegung, Psyche, Pädagogik) verweisen.

Maßnahmen für primäre und sekundäre Prävention der Adipositas müssen sich daran orientieren, eine Steuerung des Ess-, Ernährungs-, Bewegungsverhaltens zu erreichen, die langfristig Körperfett reduziert, magere Körpermasse vermehrt, Risikofaktoren für Folgeerkrankungen vermindert, körperliche, psychische und soziale Leistungsfähigkeit verbessert.

Dr. Volker Veitl, Ernährungsphysiologe,

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