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© Klinikum Ernst von Bergmann, Potsdam
Abb. 3: Säugling in der Kinderklinik Potsdam
© DGKJ © DGKJ © DGKJ

Abb. 4: Gedenkfeier am 18. 9. 2010: „Im Gedenken der Kinder. Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit.“

 
Kinder- und Jugendheilkunde 11. November 2010

Deutschland: Positive Signale an die Pädiatrie aus der Politik

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin zieht ein erfreuliches Fazit aus ihrer diesjährigen Jahrestagung.

Die Beteiligung von gut 3.000 Teilnehmern, ausgebuchte Workshops und über 100 Veranstaltungen zur gesamten Themenpalette der Kinder- und Jugendmedizin belegen das rege Interesse seitens der Fachwelt. Auch die Politik war mit Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler, Ministerpräsident Mathias Platzeck sowie Abgeordneten des Bundestags und Landesparlaments äußerst gut vertreten.

Pädiatrische Spezialambulanzen

Die Tagungsteilnehmer bekamen bereits am Eröffnungsabend erfreuliche Signale aus der Politik, denn Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler kündigte in seiner Rede an, sich für leistungsgerechte Vergütungsregelungen für pädiatrische Spezialambulanzen einzusetzen.

Seit langem fordert die DGKJ eine Stärkung der ambulanten Spezialsprechstunden, da sie für Kinder mit komplexen chronischen und/oder seltenen Erkrankungen meist die einzigen Anlaufstellen für die benötigte medizinisch hoch spezialisierte Betreuung sind. Bundesminister Rösler stellte auf der DGKJ-Jahrestagung eine Verbesserung der Finanzierung dieses in der Kinder- und Jugendmedizin unverzichtbaren ambulanten Angebots in Aussicht. Er würde eine entsprechende Gesetzesänderung befürworten, damit der ursprüngliche Wille des Gesetzgebers und auch der Wunsch der Fachwelt entsprechend umgesetzt und die Spezialambulanzen durch geeignete Pauschalen finanziert werden könnten.

Zudem sprach sich Rösler für eine ärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch Fachärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendmedizin aus.

Fachthemen mit Nachwirkung

Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Radke, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam, hob den interdisziplinären Ansatz des wissenschaftlichen Programms hervor: „Kinder- und Jugendmedizin, Kinderchirurgie, Sozialpädiatrie und Kinderkrankenpflege waren in Potsdam nicht nur in dem Credo, Kindergesundheit als Gemeinschaftsaufgabe zu begreifen, verbunden – wir konnten das auch praktisch umsetzen in Vorträgen und Seminaren und auch in den vielen nicht organisierten Gesprächen und Begegnungen am Rande der Tagung. Die DGKJ-Jahrestagung in Potsdam hat eine große Wahrnehmung und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erfahren. Ich setze jetzt auf eine gewisse Nachwirkung, insbesondere mit Blick auf das Schwerpunkt-thema Versorgungsforschung, mit dem wir auf die in vielen Regionen Deutschlands gefährdete kinderärztliche Betreuung hinweisen und damit zumindest einen Diskussions- und Denkprozess für zukunftsstarke Modelle in Gang setzen wollten.“

Der Kongress zeigte sich in diesem Jahr besonders aktiv auch außerhalb der Fachwelt: So gab es einen Informationsmarkt zur Kindergesundheit inmitten der Stadt, an dem sich zahlreiche Selbsthilfegruppen und Initiativen beteiligten. Führende Experten aus der Kinder- und Jugendmedizin unterstützten eine Serie der Bild-Zeitung zur Ernährung und Prävention von Übergewicht.

Preise und Ehrungen

Drei Kinder- und Jugendärzte erhielten auf der DGKJ-Jahrestagung Auszeichnungen für ihre herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten:

Prof. Dr. Remo Largo wurde in Potsdam zum Ehrenmitglied gleich zweier Fachgesellschaften ernannt, denn neben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin zeichnete ihn auch die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin mit dieser Würdigung aus.

Der Adalbert-Czerny-Preis, die wichtigste wissenschaftliche Ehrung der DGKJ, ging an Dr. Marco Henneke (36) aus Göttingen für seine Arbeit über eine bislang unklare Erkrankung der weißen Hirnsub- stanz, der RNASE T2-defizienten zystischen Leukoenzephalopathie.

Den Selma-Meyer-Dissertationspreis der DGKJ erhielt Marc Remke (29), Assistenzarzt am Zentrum für Kinderheilkunde der Universität Heidelberg, im Schwerpunkt Onkologie, Hämatologie und Immunologie.

Im Gedenken der Kinder

Am Samstag hielt der Kongressbetrieb inne, um das Gedenken an die Opfer der Kinder-„Euthanasie“-Programme des Nationalsozialismus ins Zentrum der Tagung zu rücken. Rund 800 Teilnehmer und Gäste der Jahrestagung kamen zusammen. Sie gedachten der 10.000 in Experimenten, Versuchsreihen und systematischen Krankentötungen der NS-Medizin gequälten und ermordeten Kinder.

Sie wurden aber auch – über den Vortrag des Historikers Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl mit der Rolle der Kinderärzte bei diesen Medizinverbrechen konfrontiert. DGKJ-Präsident Prof. Dr. Fred Zepp verlas eine Selbstverpflichtung der Fachgesellschaft, die neben der Aufbereitung der deutschen Kinderheilkunde zwischen 1933 und 1945 auch eine moralisch-ethische Positionierung gegen heutige Ausgrenzungsversuche und menschenverachtende Ideologien einschließt: „Jeder Wissenschaft und insbesondere den biowissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen gehören klare ethische und rechtliche Grenzen gesetzt. Es darf keine Zielvorgaben in der Forschung und in der Betreuung von Patienten geben, die als so wichtig und hochrangig angesehen werden können, dass sie die Missachtung individueller Menschenwürde und Menschenrechte rechtfertigen. Wissenschaft findet ihre Grenzen in den unverzichtbaren Rechten und der unantastbaren Würde jedes einzelnen Menschen.“

Quelle: Presseaussendung der DGKJ; 106. Jahrestagung der DGKJ, 16.-19. September 2010, Potsdam-Babelsberg, www.dgkj.de

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