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Abb. 1: Für die Darmflora relevante Komponenten in der Muttermilch (nach Prof. Dr. A. Hauer)
Quelle: Dr. E. Lopez-Huertas

Abb. 2: Inzidenz von Infektionen: Prae- + probiotische vs. nur praebiotische Folgenahrung

 
Kinder- und Jugendheilkunde 21. September 2010

Erste Säuglingsnahrung mit Prae- und Probiotika nach dem Vorbild der Muttermilch

Positive Effekte auf Darmflora und Immunsystem sind zu erwarten.

Muttermilch ist der Goldstandard in der Ernährung des Säuglings. Neben essenziellen Nährstoffen enthält sie u. a. Komponenten, die die Ausprägung der Darmflora (Darmmikrobiota) des Säuglings fördern. Dabei kommt prae- und probiotisch wirkenden Inhaltsstoffen eine spezielle Bedeutung zu. Wie man die Darmflora nicht gestillter Säuglinge ähnlich positiv beeinflussen kann, zeigt eine neue spanische Studie.

Schon seit Jahrhunderten weiß man, dass Stillen und frühkindliche Gesundheit direkt miteinander korrelieren. Wie die Muttermilch die Darmflora und damit die Gesundheit des Säuglings beeinflusst, erklärte Univ.-Prof. Dr. Almuthe Hauer in ihrem Vortrag im Rahmen des „10. Pädiatrischen Frühlings“ in Seggau: „Die positive Wirkung der Muttermilch beruht u.a. da- rauf, dass sie zahllose bioaktive Komponenten enthält, deren immunitätsförderndes Potenzial in idealer Weise die angeborene Immunität des Kindes ergänzt.“

Wozu brauchen wir eigentlich eine Darmflora?

„Grundsätzlich muss das Kind auf alle Umgebungsfaktoren, mit denen es konfrontiert wird, adäquat reagieren, z.B. Allergene oder pathogene Keime.“ Um so zu reagieren, dass keine überschießende Reaktion oder aber gar keine Reaktion auftritt, braucht es ein funktionierendes immunmodulatorisches System. Dieses entwickelt sich erst nach der Geburt. Für seine letztendliche Ausreifung ist eine „Initialzündung“ durch die Darmflora offensichtlich von Bedeutung.

Oligosaccharide und kommensale Keime in der Muttermilch

Die Darmflora wird durch viele Faktoren beeinflusst. So spielt z. B. der Entbindungsmodus (vaginal/Sectio) eine Rolle – und natürlich die Muttermilch. Hauer: „Was den Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora betrifft, kommt der in der Muttermilch enthaltenen Laktose, vor allem aber den Oligosacchariden und den Kommensalen, also den üblicherweise vorhandenen Keimen, besondere Bedeutung zu“ (Abbildung 1). Hierzu zählen z. B. Laktobazillen, „die man auch als Probiotika bezeichnen könnte.“ Nach der Geburt sind sie für die Initiierung und den Aufbau der kindlichen Darmflora essenziell. Laut Hauer „könnte man die Muttermilch wegen der prae- und probiotischen Komponenten als symbiotisches Nahrungsmittel bezeichnen.“

Effekte einer symbiotischen Folgenahrung

Aktuelle Ergebnisse einer spanischen Studie mit einer symbiotischen Folgenahrung stellte Dr. Eduardo López-Huertas, Spanish High Council for Scientific Research, Granada, vor. „Wir wollten herausfinden, wie sich eine symbiotische Folgenahrung – verglichen mit einer rein praebiotischen Nahrung – auf Wachstum und Gedeihen von Säuglingen im Alter zwischen sechs und 12 Monaten sowie auf die Häufigkeit von Infektionen auswirkt.“ Beide Nahrungen enthielten GOS als Praebiotikum, die symbiotische Nahrung enthielt zusätzlich Lactobacillus fermentum hereditum®, eine aus Muttermilch isolierte probiotische Kultur. An 164 Kindern wurde eine randomisierte, plazebokontrollierte Doppelblindstudie durchgeführt. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. „Eine Gruppe erhielt sechs Monate lang eine symbiotische Folgenahrung, die andere eine identische Milchnahrung nur mit dem Praebiotikum.“ Es wurden regelmäßig Stuhlproben genommen, und die Kinder wurden klinisch untersucht.

Weniger Infektionen, mehr Laktobazillen

„Die Studienergebnisse zeigen“, so López-Huertas, „dass eine symbiotische Folgenahrung angereichert mit L. fermentum hereditum® und GOS sicher ist und von Kindern im Alter zwischen 6 und 12 Monaten gut vertragen wird. Wir haben he- rausgefunden, dass die Gruppe mit der symbiotischen Folgenahrung am Ende der Studie eine höhere Anzahl von Laktobazillen und Bifiduskulturen im Stuhl hatte.“ Und: „Bei den Kindern der Studiengruppe haben wir eine signifikante Reduktion der gastrointestinalen Infektionen um 61 Prozent beobachtet.“ (Abbildung 2)

Neues Konzept für nicht gestillte Säuglinge

Der Zusatz von Prae- und Probiotika in einer Säuglingsnahrung stellt laut López-Huertas ein neues Konzept dar, dem Vorbild Muttermilch wieder einen Schritt näher zu kommen und die Darmflora von nicht gestillten Säuglingen ähnlich positiv zu beeinflussen, wie unter Muttermilchernährung. Neu: Bisher waren auf dem österreichischen Markt entweder pro- oder praebiotische Folgenahrungen erhältlich. Seit kurzem gibt es erstmals auch die Kombination von Prae- und Probiotika in einer Folgenahrung (Hipp Praebiotik® + Probiotik®).

Pro - und Praebiotika
Probiotika: lebende Mikroorganismen, die in aktiver Form in den Darm
gelangen und dort positive Wirkungen
erzielen – z. B. Laktobazillen
Praebiotika: Verbindungen, die als Substrate bzw. Nahrung für die bereits vorhandene nützliche Darmflora dienen – z. B. einige Oligosaccharide

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