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Retrospektive Analyse von 44 Ertrinkungsunfällen von Kindern und Jugendlichen

HINTERGRUND: Ertrinken gilt weltweit als die zweithäufigste nicht-natürliche Todesursache bei Kindern sowie als die häufigste Ursache eines Herz-Kreislaufstillstandes im Kindes- und Jugendalter [1–3]. Die Zahl der Fälle von Beinahe-Ertrinken, bei dem der Ertrinkungsunfall mindestens 24 Stunden überlebt wird, wird auf etwa das Vierfache geschätzt [5]. In den Jahren 1994 bis 2008 wurden an der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche Leipzig 44 Patienten nach Ertrinkungsunfall behandelt. Dies zeigt, dass auch in einem Zentrum der Maximalversorgung die Behandlung von Ertrinkungsunfällen nur in Einzelfällen vorkommt. Umso wichtiger ist es, die möglichen Folgen und Handlungsabläufe zu kennen, um im Notfall richtig handeln zu können. P

ATIENTEN: 44 Kinder mit durchgemachtem Ertrinkungsunfall innerhalb der letzten achtundvierzig Stunden, die im Zeitraum 01.01.1994 bis 30.06.2008 an der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig behandelt wurden.

METHODIK: Es erfolgte eine retrospektive Analyse mit einem strukturierten Fragebogen. Soziodemographische Daten, Unfallhergang, erhobene Untersuchungsbefunde sowie klinischer Verlauf und Outcome wurden untersucht.

ERGEBNISSE: Im Median wurden 3 Kinder pro Jahr nach Ertrinkungsunfall behandelt. Es ist eine Häufung der Fälle in den Sommer- und den Wintermonaten sowie an den Wochenenden zu erkennen. Der Altersmedian betrug 3,33 Jahre und die Hochrisikogruppe stellten die Ein- bis Dreijährigen, vorzugsweise Jungen, dar. 60 % der Kinder stammten aus stabilen sozialen Verhältnissen. Die Hälfte der Kinder verunglückte an künstlich angelegten Gewässern wie Pools und Gartenteichen, der Rest der Gruppe in natürlichen Gewässern, Schwimmbädern oder Wasserquellen im Haushalt. Die mediane Submersionszeit betrug 2 Minuten. Eine Submersionszeit von unter 1 Minute korrelierte mit einem guten und von über 10 Minuten mit einem schlechten Outcome. Eine Glasgow Coma Scale (GCS) von 3 Punkten (n = 15) sowie lichtstarre Pupillen (n = 14) waren mit einem letalen Ausgang oder dem Zurückbleiben neurologischer Defizite assoziiert. Es ergab sich eine Korrelation zwischen schwer azidotischen pH-Werten mit einem niedrigen Base Excess, hohen Glukose- sowie Laktatwerten und einer negativen Prognose. 6 Patienten verstarben innerhalb der ersten 24 Stunden, 6 weitere im stationären Verlauf durch Organversagen oder Hirntod. 5 Kinder behielten neurologische Folgeschäden zurück. 27 Kinder konnten gesund entlassen werden.

SCHLUSSFOLGERUNG: Das höchste Risiko einen Ertrinkungsunfall zu erleiden haben Jungen im Alter zwischen 1 und 3 Jahren, die alleine im Garten spielen. Die Prognose ist von den jeweiligen Unfallumständen abhängig, wobei Submersionszeit und initiale Reanimationspflichtigkeit einen besonderen prädiktiven Aussagewert haben. Klinik und Laborwerte bei Ankunft in der Klinik sind ebenfalls hinweisgebend für das Outcome. Die Erstversorgung am Unfallort ist ausschlaggebend für den Ausgang der Fälle. Schulungen von Eltern und Betreuern zu Prävention und Erster Hilfe bei Ertrinkungsunfällen könnten dazu beitragen Unfälle zu verhindern.

Caroline Brüning, Werner Siekmeyer, Manuela Siekmeyer, Andreas Merkenschlager, Wieland Kiess, Wiener klinische Wochenschrift 13/14/2010

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